Sundance 2026: Queere Highlights zwischen Liebe, Lust und Abenteuer

Von Avantgarde-Kino bis zu lesbischen Sportikonen

Szene aus dem Film «The Incomer»
Szene aus dem Film «The Incomer» (Bild: Anthony Dickenson/Sundance Institute)

Keine Frage: Es gab schon Jahre, in denen beim Sundance Film Festival – dem weiterhin wichtigsten Event für weltweites und nicht zuletzt US-amerikanisches Independent-Kino – mehr Filme mit LGBTIQ-Geschichten und -Figuren zu sehen waren.

Doch ganz ohne queere Stoffe kam natürlich auch die jüngst zu Ende gegangene Auflage nicht aus, mit der sich das in den späten 1970er Jahren von Robert Redford gegründete Festival aus dem Ski-Ort Park City in Utah verabschiedete (ab kommendem Jahr findet es in Boulder, Colorado statt).

Queer-Cinema-Legende Gregg Araki präsentierte seinen neuen Film «I Want Your Sex», der australische Horror-Film «Leviticus» über queere Teenager konnte einen der erträglichsten Deals des Festivals abschliessen, und mit der Basketballerin Brittney Griner sowie Tennis-Legende Billie Jean King wurden gleich zwei lesbischen Sport-Stars eigene Dokumentarfilme gewidmet.

Auch in den verschiedenen Wettbewerbsreihen, in denen in Sundance Jahr für Jahr vielbeachtete Preise vergeben werden, liessen sich LGBTIQ-Highlights entdecken. Fünf davon stellen wir hier kurz vor – und drücken die Daumen, dass sie über kurz oder lang auch im deutschsprachigen Raum zu sehen sein werden.

#Barbara Forever Selbst Cineast*innen können häufig viel zu wenig mit ihrem Namen anfangen, und selbst in Queer-Cinema-Diskursen ist ihr Werk nicht annähernd so präsent, wie es sein sollte. Dabei gehörte Barbara Hammer ohne Frage zu den absoluten Pionierinnen des lesbischen Kinos – und das schon ab den Siebziger Jahren.

Brydie O’Connor setzt der 2019 verstorbenen Kollegin nun ein Denkmal und setzt dabei nicht auf klassische Doku-Bio-Konventionen, sondern einen Avantgarde-Ansatz und ausschliesslich Ausschnitte aus Hammers eigenen Filmen sowie Interview-Aufnahmen und Selbstaussagen. Ein künstlerisch ambitioniertes Werk, das nicht zuletzt als Plädoyer für die (Wieder-)Entdeckung einer grossen Filmemacherin dient.

Barbara Hammer in «Barbara Forever» von Brydie O'Connor
Barbara Hammer in «Barbara Forever» von Brydie O'Connor (Bild: The Estate of Barbara Hammer/Sundance Institute)

#Zi Nach der künstlerisch wie kommerziell gescheiterten Grossproduktion «A Big Bold Beautiful Journey» mit Margot Robbie und Colin Farrell legt Regisseur Kogonada bereits den nächsten Film vor und scheint mit dieser kleinen Fingerübung vor allem den Kopf frei bekommen zu wollen. Nicht alles ist gelungen an dieser mit Mini-Budget und ebensolchem Team entstandenen Geschichte über die titelgebende junge Frau (Michelle Mao), die bei ihrer Rückkehr in ihre Heimatstadt immer wieder auf ihr künftiges Ich zu stossen scheint.

Michelle Mao in «Zi»
Michelle Mao in «Zi» (Bild: Benjamin Loeb/Sundance Institute)

Doch wo die Selbstfindungs-Handlung schwächelt, überzeugt «Zi» mit wunderbaren, grobkörnigen Bildern von Hongkong und viel atmosphärischer Stille. Dass die womöglich schicksalhafte Begegnung Zis mit einer mutmasslich Fremden («White Lotus»-Star Haley Lu Richardson, die gerade auch in der Serie «Ponies» nicht ausschliesslich heterosexuell unterwegs ist) eine queere Wendung nimmt, erfreut natürlich ebenfalls.

#TheyDream Dass der bisexuelle Filmemacher William David Caballero nach eigenen Angaben seit Kindheitstagen süchtig ist nach Kreativität, ist seinem Film «TheyDream» ohne Frage anzusehen. Er erzählt darin seine Lebens- und (Einwanderer-)Familiengeschichte nach, wozu er nicht nur alte Ton- und Videoaufnahmen, sondern sehr raffiniert und einfallsreich auch Animation sowie Miniatur-Modelle verwendet.

Nebstbei wird vor allem die Arbeit am Film selbst zum Thema, sodass «TheyDream» den Blick hinter die eigenen Kulissen gleich mitliefert. Für so viel Originalität gab es am Ende den Special Jury Award der NEXT-Sektion für besonderen kreativen Ausdruck.

Szene aus «TheyDream» von William D. Caballero
Szene aus «TheyDream» von William D. Caballero (Bild: William D. Caballero/Sundance Institute)

#Jaripeo Und gleich noch ein autobiografisch inspirierter Dokumentarfilm aus der Programmreihe NEXT für innovatives Low-Budget-Kino. Efraín Mojica lotet mit Ko-Regisseurin Rebecca Zweig in «Jaripeo», ausgehend von den Männlichkeits-Bildern der titelgebenden mexikanischen Rodeo-Szene, nicht nur die eigene Queerness in einem nicht zwingend LGBTIQ-freundlichen Umfeld aus, sondern setzt sich auch allgemeiner und in Gesprächen mit weiteren Protagonist*innen mit dem erotisch aufgeladenen Image des hypermaskulinen Cowboys auseinander. Die Mischung aus durchaus komplexen, intellektuellen Gedanken und visuell mitunter betörenden Bildern geht dabei bestens auf.

Szene aus dem Film «Jaripeo»
Szene aus dem Rodeo-Film «Jaripeo» (Bild: Sundance Institute)

#The Incomer Eigentlich sollten nur Vögel leben auf der abgelegenen schottischen Insel, die die Geschwister Isla (Gayle Rankin) und Sandy (Grant O’Rourke) ihr Zuhause nennen. Seit Jahrzehnten fristen sie dort ihr bescheidenes Dasein, ohne eine Ahnung zu haben, was die Zivilisation da draussen sonst zu bieten hat. Doch dann wird der nerdige Daniel (Domhnall Gleeson) vom Festland geschickt, um die beiden umzusiedeln.

Regisseur Louis Paxton macht daraus einen Film, der absurd-deftige Komödie und rührendes Märchen gleichermaßen ist und vom Darsteller*innen-Trio genauso lebt wie vom natur-lastigen Setting. Dass der Neuankömmling nicht nur für Isla, sondern eben auch für Sandy schnell vom Gefangenen und Störenfried zum Objekt der Begierde wird, ist ein entzückendes i-Tüpfelchen.

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