Mal aus Schwulenhass, mal Geldnot: Wenn Cold Cases gelöst werden

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DNA-Test in einem Cold-Case (Symbolbild) (Bild: Henning Kaiser/dpa)

Immer wieder gehen Ermittler*innen mit ungelösten Verbrechen an die Öffentlichkeit. Im zurückliegenden Jahr wurden wieder einige gelöst, nicht selten waren die Opfer schwule Männer.

Von Petra Albers, dpa

Kein Mörder sollte sich sicher fühlen: Auch Jahrzehnte später werden manche Verbrechen noch aufgeklärt. Vielerorts nehmen sich Ermittler sogenannte Cold Cases noch einmal vor - und finden oft neue Ansätze. Dank moderner Verfahren gibt es heute viel mehr Möglichkeiten zum DNA-Abgleich. Nach Aufrufen in den Medien melden sich manchmal Zeug*innen, die lange geschwiegen haben.

Dies sind einige Cold Cases, die 2025 in Nordrhein-Westfalen in den Schlagzeilen waren:

#Mord an Friseur 34 Jahre nach dem Mord an einem Friseur in Mülheim an der Ruhr hat das Duisburger Landgericht im Januar einen Angeklagten zu lebenslanger Haft verurteilt. Nach Überzeugung der Richter hatte er das Opfer in dessen Wohnung mit einem Kabel erdrosselt, um Wertgegenstände zu stehlen. Eine Fingerabdruck-Spur führte die Ermittler letztlich zu dem 64-Jährigen.

Der Angeklagte habe ihm erzählt, so der Sachverständige vor Gericht, dass der später Getöteten in seine Wohnung eingeladen habe. Dort sei er eingeschlafen, wie der WDR berichtete. Als er wach wurde, sei der Mann dabei gewesen, ihn sexuell zu missbrauchen. Völlig verschreckt habe er zu einem Kabel gegriffen und den Friseur damit gedrosselt, dann sei er geflohen.

Mord in Kölner Kaserne 1989 wird im Wachraum einer Kölner Kaserne die blutüberströmte Leiche eines 20-jährigen Bundeswehrsoldaten gefunden. Ausser dem Opfer hatte in der Tatnacht nur einer seiner Kameraden Dienst in der Unterkunft, alle anderen waren über das Wochenende nach Hause gefahren. Der Täter gelangte möglicherweise durch eine offene Kellertür ins Gebäude.

36 Jahre nach dem Mord startete die Ermittlungsgruppe «Cold Cases» der Kölner Polizei einen neuen Anlauf zur Aufklärung des Mordes: Ende November wurden rund 50 ehemalige Angehörige der Kaserne zur Abgabe einer Speichelprobe eingeladen. Die Auswertung läuft noch.

Angestellte von Einbrechern getötet Mehr als drei Jahrzehnte fahndete die Polizei vergeblich nach den Mördern einer 28-jährigen Dortmunderin, die in ihrem Haus von Einbrechern getötet worden war. Im März wurden nun ein Mann und eine Frau zu lebenslanger Haft verurteilt. Nach Überzeugung des Landgerichts hatte das Opfer die beiden Einbrecher überrascht, als es früher als erwartet nach Hause kam. Am Tatort gesicherte DNA-Spuren führten schliesslich zu einem Treffer in der Datenbank.

Ungeklärter Kindermord Im November 1986 verschwand die kleine Zeynep nachts unbemerkt aus der Wohnung der Familie im sauerländischen Neuenrade - am nächsten Tag wurde nicht weit entfernt die Leiche des Kindes gefunden. Ein Unbekannter hatte die Siebenjährige mit Messerstichen getötet. In «Aktenzeichen XY... ungelöst» zeigten die Ermittler unter anderem die Tatwaffe sowie Motorradhandschuhe, die der Täter wahrscheinlich getragen hatte.

Toter im Sickerschacht In Bochum fand ein Schüler 1983 in einem Sickerschacht die Leiche eines Mannes. Das 30-jährige Opfer war schwer misshandelt und dann stranguliert worden. In der Mai-Ausgabe von «Aktenzeichen XY... ungelöst» wurde der Fall vorgestellt. Demnach war der Bochumer in der Kölner Schwulen-Szene unterwegs und wurde dort mehrfach zusammen mit einem unbekannten Mann gesehen. Die Polizei ist noch damit beschäftigt, Hinweise auszuwerten.

Prozess wegen Mordes an Kellner Am Paderborner Landgericht läuft derzeit ein Prozess gegen einen 57-Jährigen, der 2003 seinen Nachbarn ermordet haben soll. Die Polizei hatte den Kellner in seiner Wohnung erdrosselt aufgefunden. Ein DNA-Reihentest mit Speichelproben bei 120 bekannten Kontaktpersonen des Getöteten brachte Anfang 2025 den Durchbruch und führte zu dem Angeklagten. Er soll das 29 Jahre alte Opfer aus Schwulenhass und Geldnot getötet haben.

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