U-Bahnhof Nollendorfplatz wird offiziell als «Regenbogenkiez» beschildert
Aber für wen eigentlich?
Die U‑Bahnhofsschilder am Nollendorfplatz werden um den Hinweis «Regenbogenkiez» ergänzt. Die besondere Bedeutung des Viertels für die queere Community soll so sichtbarer werden, heisst es. Gute Idee? Naja, schreibt unser Autor in seinem Kommentar*.
Der Connection Club ist geschlossen. Das Berio: ebenfalls zu. Brunos: insolvent. Der Hafen sollte 2019 schon mal geschlossen werden, doch, ein seltenes Glück, die beliebte Schwulenkneipe wurde gerettet (MANNSCHAFT berichtete).
Nun sollen die U‑Bahnhofsschilder am Berliner Nollendorfplatz um den Hinweis «Regenbogenkiez» ergänzt werden. Diese Station, das ist der Bau mit der bunt beleuchteten Kuppel (an Friedrich Merz: Nein, das ist kein Zirkuszelt!). Dass die BVG diee Haltestellenschilder der U-Bahn-Station künftig mit dem Zusatz «Regenbogenkiez» kennzeichnen will, teilte Verkehrssenatorin Ute Bonde (CDU) dem Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg mit. Wann das geschehen soll, wurde nicht bekannt.
Ja, es gibt immer noch reichlich schwule oder queere Etablissements in Schöneberg, aber wäre es nicht verdienstvoller, deren Erhalt zu gewähren, als eine Beschilderung des Viertels auf den Weg zu bringen? Offenbarungseid: Ich weiss auch nicht wie. Im Fall des Berio machte die Politik einen ziemlich hilflosen Eindruck, schlicht, weil die Eigentürmer*innen nicht mal zu einem Gespräch bereit waren (MANNSCHAFT berichtete).
Allerdings wirkt die Beschilderung auf mich nun eher wie ein etwas verzweifelter Versuch, etwas zu konservieren, das durch mehrere Faktoren bedroht ist: steigende Mieten und Kosten sowie die Zunahme queerfeindlicher Gewalt.
Das schwule Anti-Gewalt Projekt Maneo wurde Ende 2025 wiederholt angegriffen (MANNSCHAFT berichtete). Da wirkt die Beschilderung ein bisschen putzig: Hände weg vom Regenbogenkiez und seinen Regenbogen-Institutionen! Wen soll das beeindrucken. Klassische Symbolpolitik, oder?
Um fair zu sein: Die CDU will ja den Nollendorf- und den Kurfürstenkiez zu Recht wieder als kriminalitätsbelasteten Ort einstufen. Denn: «Die Sicherheitslage im Kurfürsten-/Nollendorfkiez gibt Anlass zu ernster Sorge. Was bereits im Jahr 2024 ein hohes Kriminalitätsniveau erreicht hatte, wurde 2025 nochmals übertroffen.»
Diese Entwicklung dürfe nicht zur neuen Normalität werden. Die Einstufung als kriminalitätsbelasteter Ort eröffne der Berliner Polizei zusätzliche präventive Handlungsmöglichkeiten, um Straftaten wirksamer zu verhindern, so die CDU.
So weit, so richtig. Aber brauchen wir dieses Schild, für das sich CDU-Fraktion Tempelhof-Schöneberg und die LSU Tempelhof-Schöneberg nach eigenen Angaben seit 2024 einsetzen? Für wen macht die CDU das? Für die interessierten Tourist*innen? Für die Queers, die im Regenbogenkiez leben oder es besuchen, wenn sie abends ausgehen? Oder vielleicht für die queeren Wählerstimmen, denn im Herbst wird (schon wieder) ein neuer Senat gewählt, und die CDU dürfte deutlich verlieren, kommt aber aktuell noch auf Platz 1 in den Umfragen, gefolgt von Linke und AfD.
Ich bin gespannt, wie lange das Schild hängt, wenn es erstmal hängt - bevor es zum ersten Mal beschmiert oder beschädigt wird. In Berlin dauert sowas erfahrungsgemäss nicht sehr lang.
*Die Meinung der Autor*innen von Kolumnen, Kommentaren oder Gastbeiträgen spiegelt nicht zwangsläufig die Meinung der Redaktion wider.
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