So queer waren die Olympischen Spiele noch nie
Die meisten LGBTIQ-Sportler sind im Eishockey
45 queere Personen nehmen an den Olympischen Spielen in Italien teil. Auch aus Deutschland, Österreich und der Schweiz sind einige Athlet*innen dabei.
Die Olympischen Spiele in Mailand und Cortina d’Ampezzo sind die queersten, die es je gegeben hat. 45 queere Sportler*innen nehmen in diesem Jahr teil, wie das Portal Outsports gemeldet hat. Das ist ein neuer Rekord, denn bei den Wettkämpfen der vergangenen Jahre waren es noch weniger Menschen, die dort als geoutete queere Personen für ihr Land um Medaillen kämpften. So gab es bei den letzten Winterspielen in Peking 2022 noch 35 queere Teilnehmende. Vier Jahre zuvor, im Jahr 2018 im südkoreanischen Pyeongchang, waren nur 14 geoutete Personen dabei. Im queerfeindlichen Russland in Sotschi im Jahr 2014 waren es nur – oder immerhin – sieben.
Bei den Spielen in Italien sind es, wie auch schon in den Jahren zuvor, vor allem queere Frauen, weniger Männer, die dort ihre Leistungen zeigen. Mit 36 Frauen zu 9 Männern gibt es in Mailand ein klares Ungleichgewicht zugunsten der Frauen. Insgesamt liegt der Anteil queerer Menschen unter allen etwa 2900 Sportler*innen dort damit in diesem Jahr bei etwa 1,3 Prozent.
Auch wenn es noch nie so queere Winterspiele gab wie es die aktuellen in Italien sind, waren bei den Sommerspiele schon erheblich mehr LGBTIQ-Sportler*innen vertreten. So nahmen an den letzten Spielen in Paris im Jahr 2024 193 queere Sportler*innen teil. Was sich allerdings 2026 schon verbessert hat: Der Männeranteil bei den italienischen Spielen liegt prozentual gesehen immerhin doppelt so hoch, wie bei den französischen vor zwei Jahren.
Die meisten queeren Athleten kommen in diesem Jahr aus Kanada und den USA. Beide Länder schicken je acht Personen nach Italien. Finnland stellt sechs queere Teilnehmende. Und auch deutschsprachige Olympioniken sind vertreten. Die Eishockeyspielerin Laura Zimmermann vertritt die Schweiz. Aus Österreich nimmt die Freestyle-Skiläuferin Lara Wolf teil.
Deutschland sendet zwei queere Sportlerinnen nach Italien, von denen beide Eishockey spielen: Carina Strobel und Nina Jobst-Smith. Letztere ist mit der Deutschkanadierin ist mit Ashton Bell liiert. Die 24-Jährige ist in Grossbritannien und Kanada aufgewachsen, spielte aber als Jugendliche auch in Deutschland, beim Bundesligisten ECDC Memmingen. Danach verstärkte sie das Eishockeyteam von Vancouver. Dort traf sie auch ihre jetzige Partnerin Ashton, mit der sie seit 2022 zusammen ist.
Die beiden Deutschen sind bei weitem nicht die einzigen queeren Eishockeysportlerinnen. Von den 45 LGBTIQ-Sportler*innen kommen bei diesen Spielen immerhin 22 aus dem Eishockey. Damit ist Eishockey die Sportart, in der die meisten geouteten queeren Olympioniken zu finden sind. Das erinnert ein bisschen an die kanadische Erfolgsserie «Heated Rivalry». Allerdings ist die Realität spiegelverkehrt. Sind es in der Serie zwei schwule Männer, sind bei den Olympischen Spielen die queeren Sportler auf dem Eis alle Frauen.
Und es ist im Eishockey sogar ein Liebespaar dabei. Nämlich die Schwedin Anna Kjellbin und die Finnin Ronja Savolainen, die bei diesen Wettkämpfen jedoch auf unterschiedlichen Seiten spielen müssen. Kennengelernt haben sie sich, als sie in der schwedischen Liga im selben Verein spielten. Heute sind beide in der nordamerikanischen Profiliga aktiv, so ist Kjellbin bei den Toronto Sceptres und Savolainen bei den Ottawa Charge. «Auf dem Eis ist sie meine Gegnerin», sagt Savolainen und ergänzt: «Man denkt nicht wirklich darüber nach, wer da ist.» Verlobt haben sich die beiden vor zwei Jahren.
Ein weiteres Paar gibt es übrigens im Skeleton. Die Rennfahrerinnen Nicole Silveira aus Brasilien und Kim Meylemans aus Belgien. Beide sind mittlerweile miteinander verheiratet.
Anders als im Eishockey gibt es beim Eiskunstlauf wesentlich mehr queere Männer. In Italien treten neben einer queeren Frau sogar sechs queere Männer an. Mit Guillaume Cizeron und Kevin Aymoz nehmen zwei Franzosen teil, daneben noch je ein Brite, Italiener, Tscheche und Kanadier. Amber Glenn ist die einzige queere Frau, die im Eiskunstlauf teilnimmt. Sie machte im Jahr 2019 öffentlich, bisexuell und pansexuell zu sein. «Ich hatte das Gefühl, dass ich nicht mehr unter Druck stand, in die Fussstapfen von jemand anderem zu treten», sagte sie damals.
Auch unter queeren Sportler*innen gibt es mittlerweile solche, die schon mehrfach an Olympischen Spielen teilgenommen haben. So ist ein Sportler auch in Italien wieder dabei, der in der queere Community als Vorbild gilt: Gus Kenworthy, den Freestyle-Skifahrer, der anfangs für die USA, nun jedoch für Grossbritannien antritt (MANNSCHAFT berichtete). Kenworthy gewann 2016 in Sotschi die Silbermedaille und machte damals öffentlich, schwul zu sein.
Eigentlich wollte er bei diesen Spielen gar nicht mehr teilnehmen, weil er seine Karriere schon beendet hatte. Doch dann trainierte er doch noch einmal und qualifizierte sich. «All die harte Arbeit und die Opfer haben sich ausgezahlt. Ich bin überwältigt», sagte er.
Auch eine gewisse Art von Rückkehr feiert die US-Skirennläuferin Breezy Johnson. 2022 konnte sie verletzungsbedingt nicht starten und tritt nun 2026 ebenfalls erneut an. Sie hatte sich 2022 als bisexuell geoutet und schrieb damals auf Instagram: «An all jene da draussen, die sich ein wenig anders fühlen und Menschen wie sich selbst an der Spitze sehen wollen: Ich bin hier, um zu zeigen, dass es uns gibt, dass wir normal sind und dass wir alles erreichen können, was wir wollen.»
Ebenfalls gute queere Bekannte bei Olympischen Spielen einerseits die US-Amerikanerin Hilary Knight, die bereits 2018 Gold sowie 2010, 2014 und 2022 Silber im Eishockey gewann. Und auch Marie-Philip Poulin ist dieses Mal wieder dabei. Sie ist die einzige Eishockeyspielerin, die in vier olympischen Finals ins Tor getroffen hat.
Auch wenn mit bisher 45 Namen schon jetzt ein Allheit-Hoch an queeren Teilnehmenden erreicht ist, rechnet das das Portal Outsports damit, dass es während der Spiele noch mehr Sportler*innen werden könnten. Denn es sei auch in der Vergangenheit so gewesen, dass ich im Laufe von Spielen mehr Menschen geoutet hätte. Vielleicht kommt also in den nächsten Wochen noch der ein oder andere Name dazu.
Nachdem Jacob Elordi in «Saltburn» der von Barry Keoghan gespielten Figur den Kopf verdrehte und diese sogar dazu brachte, sein vollgewichstes Badewasser zu trinken, spielt er in «On Swift Horses» in einer schwulen Liebesgeschichte mit (MANNSCHAFT berichtete).