Justiz

Von wegen trans: Bewährungsstrafen nach Cybermobbing gegen Brigitte Macron

Auch von Pädophilie war die Rede

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und seine Frau Brigitte Macron.
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und seine Frau Brigitte Macron. (Bild: Carlos Jasso/PA Wire/dpa/Carlos Jasso )

Wegen Cybermobbings gegen Brigitte Macron standen in Paris zehn Angeklagte vor Gericht. Es ging auch um die Verschwörungserzählung, die First Lady sei als Mann geboren.

Seit Jahren ist Frankreichs First Lady Zielscheibe böswilliger Gerüchte im Internet, jetzt hat ein Gericht in Paris zahlreichen Verantwortlichen die Rote Karte gezeigt. Wegen Cybermobbings gegen Brigitte Macron verhängte das Gericht Haftstrafen von zumeist sechs Monaten auf Bewährung gegen acht Männer und zwei Frauen, zwei Angeklagte erhielten acht Monate auf Bewährung.

Alle Verurteilten müssen ausserdem auf eigene Kosten ein Praktikum zum Respekt anderer Menschen im Internet absolvieren und einige erhielten eine befristete Onlinesperre für die Nutzung der sozialen Medien, die sie für das Cybermobbing genutzt haben. Gemeinsam müssen die Verurteilten eine Entschädigung von 10'000 Euro an Brigitte Macron zahlen, die während des Prozesses und auch der Urteilsverkündung nicht im Gericht anwesend war.

Hintergrund war die schon seit der Wahl von Macron ins Präsidentenamt 2017 in den sozialen Medien kursierende Verschwörungserzählung, wonach Brigitte Macron (72) eine Transfrau sein und als Mann geboren worden sein soll (MANNSCHAFT berichtete). Die Macrons gingen dagegen schon früher gerichtlich vor. Es gab zudem Gerüchte, er führe mit seiner Frau eine Scheinehe und sei in Wahrheit schwul (MANNSCHAFT berichtete).

Anklage fordert Haft auf Bewährung und Geldstrafen Zu den Angeklagten im Alter von 41 bis 60 Jahren gehörten ein in Frankreich bekannter Verschwörungstheoretiker sowie eine Frau, die sich als Medium und Werbefachfrau ausgibt und deren X-Konto inzwischen gesperrt wurde. Sie wurde als massgeblich beteiligt an der Verbreitung des Gerüchts angesehen. Die Staatsanwaltschaft hatte für die Angeklagten Haftstrafen von drei bis 12 Monaten auf Bewährung sowie Geldstrafen bis zu 8.000 Euro verlangt.

Brigitte Macron hatte den Ermittlenden bei der Einreichung ihrer Klage nach Berichten französischer Medien erklärt, dass das Gerücht, sie sei eine trans Frau, «sehr starke Auswirkungen» auf ihr Umfeld und auf sie selbst gehabt habe und berichtete, dass ihre Enkelkinder gehört hätten, dass «ihre Grossmutter ein Mann» sei. Ihre Tochter Tiphaine Auzière sagte vor Gericht, die weltweit verbreiteten Falschbehauptungen hätten Auswirkungen auf die Gesundheit ihrer Mutter, die angesichts der ständigen Infragestellung ihrer «Identität» «ständig auf der Hut» sei.

Die Macrons klagen auch in den USA wegen Verleumdung Ausser in Frankreich klagen Präsident Macron und Ehefrau Brigitte auch in den USA wegen Verleumdung gegen die rechte US-Influencerin Candace Owens. Die Klage im US-Bundesstaat Delaware richtet sich unter anderem gegen Owens Behauptung, Brigitte Macron sei als Mann geboren worden. Die Franzosen werfen ihr vor, wissentlich Falschbehauptungen verbreitet zu haben.

Die Macrons seien durch diese Behauptungen zum Opfer einer «globalen Erniedrigungs-Kampagne» geworden, die «invasiv, entmenschlichend und zutiefst unfair» sei, heisst es in der Klage. Owens hielt nach Bekanntwerden der Klage an ihren Aussagen fest.

Brigitte Macron ist nicht die einzige Präsidentengattin, die Zielscheibe sexistischer Verschwörungstheorien ist. Auch über Michelle Obama, die Ehefrau von Ex-US-Präsident Barack Obama, werden immer wieder sexistische und rassistische Beiträge und die Behauptung verbreitet, sie sei ein Mann.

Die 36 Jahre alte Influencerin Owens hat auf Social Media eine grosse Reichweite in rechten Zirkeln: Sie hat 5 Millionen Abonnent*innen auf Youtube und rund 7 Millionen auf der Plattform X. 2024 verweigerte die australische Regierung Owens die Einreise und verwies auf die Verbreitung falscher Behauptungen über den Holocaust oder Muslim*innen durch sie.

Mehr lesen > 4 Männerleichen in Paris: Schwulenfeindliches Motiv? Ein Verdächtiger wurde des Mordes angeklagt (MANNSCHAFT berichtete)

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