Lila. queer Festival trifft Prishtina Queer Festival
Das neunte Jahr in Folge findet das Event in Zürich in der Roten Fabrik statt
In diesem Jahr gibt es Freitagabend am 12. September eine besondere Zusammenarbeit mit dem Prishtina Queer Festival. Das Programm wird gemeinsam kuratiert und bringt Künstler*innen und politische Aktivist*innen aus dem Kosovo und der albanischen Diaspora zusammen.
«Das lila. queer Festival wird von der Community selbst gestaltet und richtet sich auch an sie», sagt Lenny Fluri künstlerische Leitung des lila. queer Festivals und Präsident der Milchjugend gegenüber MANNSCHAFT.
Organisiert wird das Festival von der Milchjugend, der grössten queeren Jugendorganisation in der Schweiz. Ziel ist es, einen Raum von der Community für die Community zu schaffen, für queere Kunst und Kultur, Freude und Selbstermächtigung. Mit Konzerten, Theater, Tanz, Drag-Acts und Workshops wird vom 11. bis 13. September Queerness in all ihren Facetten gefeiert.
Ähnlich wie das lila. queer Festival wurde auch das Prishtina Queer Festival (PQF) ins Leben gerufen, um einen sicheren Raum für queere Menschen in der Hauptstadt im Kosovo zu schaffen. Das Festival soll ein Ort sein, um ihre Kultur neu zu entdecken, sich auszutauschen und die Freude am Queersein feiern zu können.
Queere Räume im Kosovo Dan Sokoli, Mitgründer des Prishtina Queer Festivals und Menschenrechtsaktivist, erzählt wie das Festival in der Hauptstadt im Kosovo zustande gekommen ist und weshalb es so wichtig ist.
«Mit anderen queeren Menschen hier ein Festival in der Hauptstadt des Kosovo zu haben, ist immer noch ein bemerkenswerter Fortschritt für queere Rechte und Menschenrechte. Dieser Fortschritt ist aus dem Geist von Freiheit und Unabhängigkeit entstanden, der den Kosovo nach dem Krieg geprägt hat.»
Mit der zunehmenden Mobilisierung für die Verbesserung der Menschenrechte entstand in der queeren Community im Kosovo der Wunsch, eine Bewegung zu organisieren, sich neu zu vernetzen und aktivistisch zu werden. Eine Pride gibt es in Prishtina seit 2017, die immer im Juni stattfindet. Den Gründer*innen von PQF war es aber wichtig, über den Pride Month hinaus die Aufmerksamkeit auf queere Rechte zu lenken.
Bisher gibt es nur eine offizielle Gay Bar in der kosovarischen Hauptstadt Pristina, das „Bubble“. Es gibt weitere informelle Räume für die queere Community, aber keine grossen Veranstaltungsorte. So kam die Idee zur Gründung des Prishtina Queer Festivals auf.
Von Prishtina nach Zürich Die Zusammenarbeit zwischen dem lila. Festival und dem Prishtina Queer Festival ergab sich nach dem ersten Besuch von Lenny Fluri und Freund*innen in Prishtina. Sofort sei er begeistert gewesen von der Atmosphäre, Herzlichkeit und Energie des Events. Im anschliessenden Jahr hat Fluri das Team aus Prishtina nach Zürich eingeladen um eine Solidaritätsparty im Profitreff, einem Nachtklub in Zürich, zu organisieren. Aus dieser positiven gemeinsamen Erfahrung entwickelte sich die Idee, ein gemeinsames Programm am lila. queer Festival zu kuratieren mit Künstler*innen aus dem Kosovo und der albanischen Diaspora zusammen.
Über die eigene Bubble hinaus Mit der Zusammenarbeit will Sokoli neue Menschen erreichen, ausserhalb der gewohnten Bubble, in der sie sich bewegen.
Trotz bestehender Antidiskriminierungsgesetze zu sexueller Orientierung sind queere Personen weiterhin Homophobie und Transphobie ausgesetzt. Besonders schwierig bleibt die Situation ausserhalb von grösseren Städten in ländlichen Regionen. Obwohl die Verfassung durch den Diskriminierungsschutz gleichgeschlechtliche Ehen nicht ausdrücklich verbietet, ist ihre rechtliche Umsetzung de facto nicht möglich, da das Zivilgesetz die Ehe ausschliesslich zwischen Personen unterschiedlichen Geschlechts vorsieht.
Das gemeinsam kuratierte Programm mit dem lila. Festival für den Freitagabend enthält Musik-Performances, Buchpräsentationen und Podiumsdiskussionen. Die beteiligten Künstler*innen haben alle auf irgendeine Weise schwierige Erfahrungen gemacht, seien es Ausgrenzung durch ihre Familien, Isolation oder Gewalt.
«Auch wenn wir in unterschiedlichen Ländern, Gesellschaften und Kulturen leben, teilen wir als queere Menschen vieles miteinander, unsere Erfahrungen, unsere komplexen Identitäten und oft auch ähnliche Herausforderungen.»
Die Kollaboration lädt das Publikum in der Schweiz ein, über seine eigene Rolle nachzudenken. So sollen gemeinsame Identitäten als queere Personen geteilt werden, aber ebenso den Unterschieden Gewicht beigelegt werden zwischen privilegierteren Kontexten in Zürich und einer queeren Community im Kosovo, die immer noch um grundlegende Strukturen kämpft.
«Für uns ist das lila. queer Festival ein riesiger, offener Veranstaltungsort. In Prishtina fehlt es, dass uns Grundstrukturen zur Verfügung gestellt werden, deshalb müssen wir mit vielen verschiedenen Orten zusammenarbeiten, damit wir unsere Events durchführen können. Wir haben erst seit zwei Wochen ein eigenes Büro.»
Queere Personen teilen ähnliche Erfahrungen von Ausgrenzung und Diskriminierung. Es ist jedoch wichtig zu benennen, dass es gerade in Bezug auf die Verfügbarkeit queerer Räume für Festivals, deren Organisation und die Häufigkeit queerer Grossveranstaltungen grosse Unterschiede zwischen Zürich und Pristina gibt. Zürich verfügt über eine gut vernetzte Szene mit vielen queeren Events, während das PQF um Ressourcen kämpfen muss, um sich Schritt für Schritt Zugang zu grösseren und offen gelebten queeren Räumen zu erkämpfen.
«Ich wünsche mir, dass die Menschen in Zürich und in der Schweiz erkennen, was sie tun können, um queere Sichtbarkeit und Räume auch über ihre eigenen Kreise hinaus zu unterstützen.»
Als Beispiel nennt er Fluri, der nach dem Besuch in Pristina die Initiative ergriffen hat, das Team nach Zürich einzuladen.
Politischer Aktivismus durch Kulturarbeit Für Fluri und Sokoli ist Kulturarbeit untrennbar mit politischem Aktivismus verbunden. Kunst und Kultur sind eine Form des Aktivismus in Menschenrechten, weil sie eine grosse Gruppe ansprechen, die sich durch klassische politische Kampagnen nicht erreichen lässt. Sie bietet nicht nur Unterhaltung, sondern schafft Räume, in denen gesellschaftliche Debatten und persönliche Erlebnisse zusammenkommen.
«Kunst und Kultur sind ein sehr kraftvolles Mittel, um alle Menschen zu erreichen», sagt Sokoli gegenüber MANNSCHAFT.
Die Kollaboration zwischen dem lila. queer Festival und dem Prishtina Queer Festival ist ein kulturelles Austauschprojekt, das neue Perspektiven für das Publikum in Zürich eröffnet. Es zeigt, wie die Zelebration von queerer Kultur als Mittel für politischen Aktivismus dienen kann und schafft Räume, die sonst nicht existieren würden.
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