«Lila Nächte»: Berliner Museum zeigt lesbische Geschichte im NS-Kontext
Die Ausstellung beleuchtet das Leben von Lotte Hahm und Käthe Fleischmann
Dass ausgerechnet das sonst eher unauffällige Museum Reinickendorf im Berliner Norden – wo bisher noch nie etwas Queeres zu sehen war – nun mit der Sonderausstellung «Lila Nächte» aufwartet, ist bemerkenswert.
Die künstlerische Recherche von Cornelia Renz beschäftigt sich mit den Auswirkungen der NS-Zeit auf lesbisches Leben und Lieben, exemplarisch dargestellt am Leben von Lotte Hahm (1890–1967) und ihrer jüdischen Partnerin Käthe Fleischmann (1899–1967). Hahm gründete 1926 den Damenklub Violetta; später eröffnete sie gemeinsam mit Fleischmann die Monokel-Diele. Ab 1939 musste Fleischmann Zwangsarbeit am Osthafen leisten, während Hahm sich verdeckt weiterhin für lesbisches Leben engagierte. Beide überlebten die Nazijahre, ihre Beziehung jedoch nicht.
Verblüffend ist, dass diese spannende Geschichte zweier Frauen im Café Achteck auf der Wiese vor dem Museum gezeigt wird – einem historischen grünen Männerpissoir mit sehr begrenztem Raum, wo man eher eine Installation von Marc Martin erwarten würde (MANNSCHAFT berichtete).
Zur Eröffnung am Sonntag gab es ein Windbeutel-Wettessen, als Hommage an alte lesbische Traditionen. Viele Besucher*innen kamen, sowohl um am Event teilzunehmen, als auch um die Reden zu hören.
Besonders bemerkenswert war die Ansprache von Harald Muschner, CDU-Bezirksstadtrat für Bildung, Sport, Kultur und Facility Management, der die Bedeutung von LGBTIQ-Sichtbarkeit betonte. Dies war ungewöhnlich, da die CDU-Fraktion in Reinickendorf bisher kaum durch positive Aktionen im Bereich Queerpolitik aufgefallen war – im Gegenteil, wie Andreas Otto in der Februarausgabe des Stadtmagazins Siegessäule berichtet.
Otto, bis 2025 Geschäftsführer der FDP-Fraktion in der Bezirksverordnetenversammlung Reinickendorf, gilt seit Jahren als zentrale Figur, wenn es darum geht, LGBTIQ-Projekte anzustossen. 2018 gründete er gemeinsam mit weiteren Aktivist*innen die Initiative Regenbogen Reinickendorf und arbeitet derzeit daran, 2026 den ersten CSD durch Reinickendorf zu organisieren.
Selbstverständlich war Otto auch bei der Ausstellungseröffnung im Café Achteck unter den Gästen.
Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen mit dem Titel «Lila Nächte: Oder der Deutsche Freundschaftsbund im Klo», der Biografien und weiterführende Texte enthält. Die Schau ist an eine grössere Ausstellung zu Hanna Höch im Museum Reinickendorf angebunden.
Höch lebte lange im Bezirk Heilgensee, der zu Reinickendorf gehört. Im März finden mehrere Sonderveranstaltungen statt, unter anderem eine Lesung von Andrea Rottmann, die ihr Buch «Bedrohtes Begehren. Queeres Leben im geteilten Berlin. 1945–1970» vorstellen wird, sowie eine Lesung von Sophie Kühmel aus ihrem Roman «Hannah», der die Beziehung Höchs zur niederländischen Schriftstellerin Til Brugman aufgreift.
«Mit Vollgas an die Wand»: Letzter Brunos-Laden in Berlin geschlossen (MANNSCHAFT berichtete).