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Nicht nur gelb, sondern bunt wie ein Regenbogen – die Post

Über Inklusion in einem Schweizer Grossunternehmen

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Mit rund 56 000 Mitarbeitenden steht die Post für Vielfalt und Inklusion und setzt sich aktiv gegen jede Art von Diskriminierung ein.

Wie engagiert sich die Schweizerische Post für die LGBTIQ-Community? Ist es möglich, am Arbeitsplatz offen und selbstbewusst mit der eigenen sexuellen Orientierung und Geschlechtsidentität umzugehen?

Ein Gespräch mit Mariel Lemos, Verantwortliche Vielfalt & Inklusion Post Konzern, und Peter Rüfenacht, Co-Präsident des postinternen Netzwerks Rainbow, über die Herausforderungen von Vielfalt und gesetzte Meilensteine auf dem Weg zur Inklusion.

Von wegen bloss Gelb: Mit zwei Briefmarken, die das Miteinander verschiedener Lebensentwürfe zeigen, hat sich die Post zu den Farben des Regenbogens bekannt – für Vielfalt und Inklusion. Wie kam das an?
Peter Rüfenacht: Dass wir die LGBTIQ- Community anlässlich des 50-Jahr-Jubiläums des Stonewall-Aufstands in New York auch erstmals als Motiv brachten, dafür haben wir im In- und Ausland positives Feedback erhalten. Wir freuen uns, dass wir als Schweizerische Post mit so einem kleinen Stück Papier ein grosses Zeichen setzen konnten.

Mariel Lemos: Zudem stellen wir mit rund 49000 Mitarbeitenden in der Schweiz ein Abbild unserer vielfältigen Bevölkerung dar – die gleichzeitig unsere Kundinnen und Kunden darstellt. Und da ist auch die LGBTIQ-Community eine wichtige Zielgruppe.

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Mariel ist Arbeits- und Organisationspsychologin und setzt sich seit 2018 für Vielfalt & Inklusion beim Konzern Post ein. Peter ist HR-Berater, seit 2015 Mitglied des Netzwerks Rainbow und seit 2018 Co-Präsident.

Welchen Wert hat Vielfalt für die Post?
ML: Als Arbeitgeberin wollen wir die besten Talente anziehen – und damit auch Menschen aus allen Farben des Regenbogens, die uns ihre Sichtweisen eröffnen. Wir können der Schweizer Bevölkerung nur dann erfolgreich Produkte und

Dienstleistungen anbieten, wenn wir sie mit all ihren Bedürfnissen kennen und verstehen. Bei der Post sind Vielfalt und Inklusion bereits seit den 1990er Jahren ein Thema, das sich ständig weiterentwickelt hat. Unsere neue, ganzheitliche Strategie Vielfalt und Inklusion greift die Dimensionen Sprache, Beeinträchtigung, Generationen, Gender+, Herkunft sowie Weltanschauung auf.

Wie sieht es mit der praktischen Umsetzung dieser Strategie aus?
ML: Als Service-Public-Unternehmen haben wir mit dem neuen GAV, der 2021 in Kraft tritt, einen Meilenstein gesetzt. Erweiterte Regelungen zu Mutter- oder Vaterschaftsurlaub für hetero- und homosexuelle Paare, familienfreundliche Anstellungsbedingungen, Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben, Gleichstellung und Schutz vor Diskriminierung – explizit auch in Bezug auf Geschlechtsidentität und sexuelle Orientierung – sind darin wichtige Themen.

PR: Dass Inklusion und der Diskriminierungsschutz strategisch verankert sind, ist wichtig. Zu wissen, ich habe ein Recht auf Gleichstellung, ich kann mich wehren. Bei der praktischen Umsetzung kommen vor allem unsere internen Netzwerke ins Spiel. So wie wir das Netzwerk Young Voice für die Jungen und das Netzwerk Mosaico für die Sprachen- und Kulturenvielfalt haben, so gibt es seit 2015 das firmeninterne Netzwerk Rainbow für die LGBTIQ-Community.

Kurz und knapp

Mit rund 56 000 Mitarbeitenden (davon 49 000 in der Schweiz) aus 140 Ländern in 100 Berufen steht die Schweizerische Post für Vielfalt und Inklusion. Als Arbeitgeberin setzt sie sich aktiv gegen jede Art von Diskriminierung ein. Generation, Gender+, Weltanschauung, Herkunft, Sprache, Beeinträchtigung: Diese Dimensionen bezieht sie in ihre ganzheitliche Strategie Vielfalt und Inklusion ein. Der LGBTIQ-Community dient das postinterne Netzwerk Rain- bow als Anlaufstelle.

Der im neuen GAV verankerte Diskriminierungsschutz, eine LBGTIQ-Bildwelt, Schulungen, erste genderneutrale Toiletten, Kampagnen und Aktionswochen zu Vielfalt und Inklusion: Da geht die Post ab!

Welche Aufgaben hat Rainbow?
PR: Als Anlaufstelle fördern wir den Dialog von LGBTIQ-Angehörigen über alle Hierarchiestufen hinweg. Dabei sind wir keine ausgebildeten Sozialberater oder Psychologen. Aber wir vermitteln Hilfe und begleiten: Bei einem Geschlechtsangleichungsprozess beispielsweise können wir die Betroffenen dabei unterstützen, administrative und soziale Hürden zu überwinden. Wir machen unsere Anliegen sichtbar und nehmen regelmässig an der Pride teil: Zunächst waren wir zehn Mutige, die mit dem Postbanner mitliefen – und die Leute haben für uns applaudiert. Das war ein sehr emotionaler Moment. 2019 haben wir mit 50 Leuten teilgenommen: ein toller Erfolg.

ML: Die Einladung zur Pride haben wir mit einer grossen, farbigen Anzeige in der Personalzeitung platziert. Um ein deutliches Zeichen zu setzen, dass auch die Konzernleitung hinter der Aktion steht. Die Post unterstützt Rainbow zudem nicht nur moralisch, sondern fördert das Engagement auch finanziell.

Welche weiteren Massnahmen laufen oder sind geplant?
PR: Wir haben eine Post-Bildwelt erstellt, die Mitglieder der LGBTIQ-Community zeigt. Models zu suchen, die sich öffentlich exponieren, einen passenden Fotografen zu finden, keine Klischees zu bedienen – das war eine Herausforderung. Jetzt gilt es, diese Bilder einzusetzen: sei es auf der Post-Website, in Prospekten oder im Geschäftsbericht. Für eine ganz selbstverständliche Inklusion.

ML: Wir führen laufend Schulungen rund um Vielfalt und Diskriminierungsfreiheit für Lernende, für Recruiter und Führungskräfte durch. Damit wir nicht nur top- down agieren, suchen wir verstärkt den Dialog mit den Personalverantwortlichen der Bereiche.

Um das Thema Vielfalt von seinem Nischendasein zu befreien, setzen wir auch auf Veranstaltungen. So starten wir im Herbst eine konzernweite Kampagne gegen Diskriminierung. Und im Oktober findet eine grosse Woche der Vielfalt statt, mit vielen Aktionen für alle Mitarbeiten- den der Post.

Wie erreichen Sie Ihre Kolleginnen und Kollegen?
PR: Über interne elektronische Medien oder Facebook, aber auch über unsere Personalzeitung, die gern gelesen wird und ein hohes Ansehen geniesst. Aber wir stossen auch an Grenzen. Denn viele Kolleginnen und Kollegen zum Beispiel in den Sortierzentren erreichen wir über elektronische Medien nicht. Und es kann durchaus sein, dass ein Vorgesetzter keine Lust hat, meinen Pride-Flyer ans Schwarze Brett zu hängen, das ist die Realität. Dabei wäre es sicher dort – wo vielleicht einmal ein rauerer Umgangston herrscht – wichtig, dass Betroffene Rückendeckung erhalten.

Wie kommt das Engagement der Post bei den Mitarbeitenden an?
PR: Auch da spiegeln wir die Bevölkerung der Schweiz. Nehmen wir das Beispiel genderneutrale Toiletten, die wir am Hauptsitz und in Zollikofen errichtet haben. Da heisst es im Feedback manchmal: Haben wir keine wichtigeren Probleme? Aber es gibt eben die verschiedensten Formen von Geschlechtsidentitäten – und das ist auch gut so.

ML: Und sie alle haben Platz bei der Post und sollen sich hier akzeptiert und wohlfühlen. Mit genderneutralen Toiletten nehmen wir niemanden etwas weg, sondern erweitern unser Angebot. Zudem machen wir deutlich: Die Post beteiligt sich am gesellschaftlichen Diskurs und verschläft keine Entwicklungen. Wir gehen gerade auch auf die Bedürfnisse der jüngeren Generation ein – die ja unsere Zukunft darstellt.

Als Schweizer Unternehmen, das im Auftrag des Bundes handelt, ist aber auch klar, dass wir uns nicht zu sehr exponieren können. Und bei unserer Arbeit punkto Kulturwandel und Inklusion sind Geduld, Feingefühl und Beharrlichkeit ganz sicher die wichtigsten Erfolgsfaktoren.

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