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Homosexuelle Paare anerkennen? Volk von Barbados soll abstimmen

Im Inselstaat ziehen homosexuelle Handlungen zwischen Männern noch lebenslange Haftstrafen mit sich

barbados
Bild: Samantha Sophia/Unsplash

Barbados will das Volk über die Anerkennung schwuler und lesbischer Paare abstimmen lassen. Im karibischen Inselstaat sind noch Sodomiegesetze aus der Kolonialzeit in Kraft.

Auf Barbados gibt es keinen Diskriminierungsschutz für LGBTIQ-Menschen, sexuelle Handlungen zwischen Männern stehen unter Strafe – ein Relikt aus er britischen Kolonialzeit. Nun will die Regierung den Schritt in die Moderne machen und gleichgeschlechtliche Paare rechtlich anerkennen. Dabei will sie sich vom Volk im Rahmen eines Referendums leiten lassen.

«Meine Regierung ist bereit, eine Partnerschaftsform für gleichgeschlechtliche Paare einzuführen, damit kein Mensch auf Barbados diskriminiert wird», sagte Sandra Mason, Generalgouverneurin von Barbados, bei der Parlamentseröffnung am Dienstag. Der Inselstaat erlangte 1966 die Unabhängigkeit von Grossbritannien und ist seither als souveräner Staat Mitglied des Commonwealth of Nations. Letztes Jahr geriet eine Datingshow in die Kritik, weil sie ein bisexuelles Paar in die Karibik schickte (MANNSCHAFT berichtete).

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Die Besiedlung von Barbados durch die Kolonialmacht habe ihren Ursprung in Diskriminierung. «Die Zeit ist gekommen, um ein Ende für jegliche Form der Diskriminierung zu setzen», so Mason weiter. Eine Öffnung der Ehe stehe jedoch ausser Frage. «Ich möchte betonen, dass meine Regierung keine Form der gleichgeschlechtlichen Ehe erlauben wird, und werde diese Angelegenheit zum Gegenstand eines öffentlichen Referendums machen.»

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Die Absicht, LGBTIQ-Paare in Barbados rechtlich anzuerkennen, dürfte nicht ganz uneigennützig sein. In den letzten Jahren geriet die Menschenrechtsbilanz des Landes vermehrt in die Kritik von Organisationen, vor allem aufgrund der Kriminalisierung homosexueller Handlungen zwischen Menschen, die nach Strafgesetzbuch mit einer lebenslangen Haft bestraft werden können.

«Wenn wir zu den progressiven Staaten der Welt gehören wollen, kann es sich Barbados weder leisten, seine internationale Führungskraft und Reputation zu verlieren», sagte Mason vor dem versammelten Parlament. «Noch kann es eine Gesellschaft so tolerant wie die unsere es sich leisten, auf eine schwarze Liste zu landen aufgrund von Menschen- und Bürgerrechtsverletzungen in unserem Umgang mit der menschlichen Sexualität und mit menschlichen Beziehungen.»

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Mason versicherte, dass ihre Regierung den Entscheid der Öffentlichkeit akzeptieren werde. Sie wisse, dass ihr Beschluss womöglich eine Kontroverse verursachen werde. In der Tat regte sich schon kurz nach ihrer Ansprache Widerstand gegen das geplante Vorgehen, unter anderem von Oppositionssenator Caswell Franklyn. Er warf der Regierung das Senden von gemischten Signalen vor. Durch das Referendum wolle man das Gesetz «durch die Hintertür schleusen».

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Sollte die Regierung gleichgeschlechtliche Partnerschaften einführen, fordere sie damit die Bevölkerung indirekt dazu auf, sich strafbar zu machen, da die Kriminalisierung homosexueller Handlungen technisch gesehen immer noch illegal sei, so Franklyn weiter.

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