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Noch mindestens 76 Länder kriminalisieren Homosexualität

Bei allen Erfolgen der Pride-Bewegung: Es gibt noch viel zu tun

Homosexualität
Bild: Delia Giandeini/Unsplash

Im Zuge des Pride Monats Juni wirft das International Bar Association’s Human Rights Institute (IBAHRI) einen Blick auf die Erfolge der Pride-Bewegung und zeigt auf, wo noch viel Arbeit ansteht.

Im Mai 2010 erliess das IBAHRI den Beschluss über sexuelle Orientierung und Menschenrechte. Der Beschluss erkennt an, dass Diskriminierung gegenüber anderen auf Grund deren sexueller Orientierung oder Geschlechtsidentität gegen die fundamentalen Menschenrechte verstösst. Darauf aufbauend engagiert sich das IBAHRI für die Aufhebung von Gesetzen, die Menschen aufgrund ihrer Sexualität verurteilen. In einer Mitteilung fasst das 1995 gegründete IBAHRI seine fünf Ziele zusammen:

Die Entkriminalisierung von gleichgeschlechtlichen Beziehungen
Gleichgeschlechtliche Beziehungen werden in mindestens 76 Ländern und Gebieten noch immer kriminalisiert, was für Millionen von Menschen Gefangenschaft und in mindestens sechs Staaten das Todesurteil bedeutet. (Im Namen des Propheten seien Homosexuelle zu töten, erklärte jetzt eine ägyptische TV-Sprecherin – MANNSCHAFT berichtete)

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Solche Gesetze führen nicht nur zu Stigma und Diskriminierung, sondern erhöhen auch die Verwundbarkeit von LGBTIQ gegenüber sexuell übertragbaren Krankheiten, darunter auch HIV. 1994 bestätigte der UN-Menschenrechtsausschuss, dass Gesetze, die Homosexualität kriminalisieren, gegen die Menschenrechte (Das Recht auf ein Privatleben und das Recht, nicht diskriminiert zu werden) verstossen.

International habe es einige Fortschritte im Bereich der Entkriminalisierung gegeben. In Afrika, dem Nahen Osten und in einigen Teilen Asiens gebe aber noch immer grössere Hürden zu überwinden, schreibt IBAHRI in einer Medienmitteilung. In Uganda nutzten die Behörden beispielsweise die Corona-Krise, um in einem LGBTIQ-Schutzhaus eine Razzia durchzuführen und fast 20 Personen festzunehmen. Erst nach knapp 50 Tagen Haft wurden sie wieder freigelassen (MANNSCHAFT berichtete).

Corona-Krise trifft in Brasilien vor allem LGBTIQ

Diskriminierende Praktiken beenden
Auch in Ländern, in denen die Gesetze gleichgeschlechtliche Beziehungen nicht explizit verurteilen, sei die Stimmung gegenüber LGBTIQ oftmals feindlich. In Turkmenistan wurden mehrere Männer der Unterhaltungsbranche wegen Homosexualität festgenommen und zu zwei Jahren Haft verurteilt (MANNSCHAFT berichtete). Auch in Tschetschenien werden LGBTIQ staatlich verfolgt. Eine Doku zeigt das Leben und die Flucht mehrerer Queers, die teilweise von ihrer eigenen Familie flüchten (MANNSCHAFT berichtete). In einem geleakten Gespräch über Zoom sprachen sich aserbaidschanische Oppositionspolitiker*innen zudem gegen LGBTIQ aus (MANNSCHAFT berichtete).

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Eheöffnung
Heute erlauben nur 30 von 195 Staaten dieser Welt die Ehe zwischen gleichgeschlechtlichen Personen. Das Recht, zu heiraten, ist eines der fundamentalen Menschenrechte. So lange gleichgeschlechtliche Paare nicht die gleichen Möglichkeiten haben, sind seien in der Gesellschaft zweitrangig. Ihnen werden dadurch viele finanzielle, gesundheitliche und soziale Privilegien verwehrt, die heterosexuelle Paare geniessen. Während Deutschland nun seit drei Jahren die Ehe für alle erlaubt (MANNSCHAFT berichtete), ist die Schweiz noch mindestens ein Jahr davon entfernt.

Ein universelles Verbot von Konversationstherapien
Konversionstherapien stützen sich auf den Irrglauben, Homosexualität sei eine mentale Krankheit und könne geheilt werden. In der «Therapie» werden verschiedene Arten von Erniedrigung, emotional traumatische oder physisch verletzende Reize geschaffen, welche die Opfer dann mit ihrer LGBTIQ-Identität verbinden sollen. Diese Therapien verletzen mehrere Menschenrechte. Einige Vorgehensweisen können gar der Folter zugeschrieben werden. Konversionstherapien können deren Opfer psychisch stark schädigen und sie in den Suizid treiben.

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Legale Anerkennung von trans Identitäten und Gleichheit bei Geschlechtsidentität
Die legale Anerkennung ihres Geschlechts ist für trans Personen essenziell. Die Geschlechtsidentität sollte keinen Einfluss darauf haben, ob eine Person grundlegende Rechte, wie die legale Anerkennung, Zugang zum Gesundheitswesen, ein Zuhause, Bildung oder Anstellung hat. Trans Personen erleben überdurchschnittlich oft Gewalt und Tötung durch Zivilisten wie auch durch öffentliche Auftraggeber.

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