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Tod eines schwulen Models – Mutter klagt polnische Politik an 

Der 30-jährige Michał nahm sich das Leben

polnische Politik
Michał wurde nur 30 Jahre alt (Foto: privat/Dawid i Jakub)

Die polnische Community trauert um Michał. Der schwule junge Mann nahm sich das Leben, weil er den Homohass in seiner Heimat nicht mehr ertrug. Seine Mutter klagt die Politik an.

Michał ertrug es am Ende nicht mehr: Die Anfeindungen seit der Kindheit, die homofeindliche Rhetorik polnischer Politiker*innen und Bischöfe. Am 1. Juni erhängte er sich. Er wurde 30 Jahre alt.

Es mache sie wütend, erklärt seine Mutter Katarzyna Koch, wenn Politiker*innen wie Präsident Duda sagten, dass LGBTIQ keine Menschen seien, dass es sich um eine Ideologie handle. (Kürzlich wurde der polnische TV-Star Jacek Szawioła Opfer eines schwulenfeindlichen Hassverbrechens – MANNSCHAFT berichtete).

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«Wie kann man das nur sagen? Mein Sohn war keine Ideologie. Er war der normalste Mensch auf der Welt, viel normaler als alle anderen. Diese Leute haben meinen Sohn zerstört. Tag für Tag und Schritt für Schritt. Wenn er als Kind normal behandelt worden wäre und man seine Sexualität akzeptiert hätte, würde er heute als grossartiger Mensch weiterleben», sagt Koch.

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Michałs Mutter will nicht mehr schweigen. Sie sprach mit der polnischen Zeitung Gazeta Wyborcza über die ständige Verfolgung, die zum Freitod ihres Sohnes führte, eine Konsequenz der homophoben Rhetorik, die auch Präsident Andrzej Duda vertritt, der am kommenden Sonntag wiedergewählt werden will (MANNSCHAFT berichtete).

Michał war ein talentierter junger Mensch mit einer vielversprechenden Modelkarriere. Aber er konnte keinen Weg finden, als schwuler Mann in seinem eigenen Land zu leben, da es Menschen wie ihn ausgrenzte. Der Chef von Polens rechtsnationalistischer Regierungspartei (PiS), Jaroslaw Kaczynski, hat Homosexuelle beispielsweise als «Bedrohung» für sein Land bezeichnet (MANNSCHAFT berichtete).

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Die Angriffe begannen schon, als er noch ein Kind in der katholischen Schule war und einen Rosenkranz wie einen Ring am Finger trug. Das grausame Mobbing wurde später in der weiterführenden Schule nur noch schlimmer. «Jede Beleidigung hat ihn schrecklich verletzt. Er hatte es satt», erklärt Katarzyna Koch.

Sie ging zur Schulleitung. Hoffte, dass man mit den anderen Kindern sprechen und ihnen erklären würde, dass niemand diskriminiert werden dürfe. «Sie haben mich weggeschickt. Sie sagten: Du solltest auf deinen Sohn aufpassen, weil vielleicht etwas mit ihm nicht stimmt.» Selbst in seiner Heimatstadt Malbork in der Woiwodschaft Pommer wurde er im Geschäft angefeindet. «Was willst du hier, du verdammte Schwuchtel?», rief man ihm zu.

Mit 19 outete er sich gegenüber seiner Mutter. Erzählte ihr auch, dass er über Selbstmord nachdenke, weil er es nicht aushalte. Ein Vertrag mit einer Modelagentur nach dem Abitur gab Michał die Möglichkeit, nach Warschau zu fliehen, wo die Menschen gegenüber LGBTIQ toleranter sind. Michał wurde zur Modewoche nach Mailand eingeladen, arbeitete in Japan und China, wo er von zwei verschiedenen Agenturen unter Vertrag genommen wurde.

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Aber seine vielversprechende Karriere konnte nichts daran ändern, dass er einen inneren Kampf mit seiner Sexualität führte. Zu tief sass der Selbsthass. Seinen Schmerz habe er versucht mit Drogen und Alkohol zu betäuben.

«Seine Familie hat ihn immer akzeptiert», sagt seine Mutter, «aber diese Akzeptanz war nicht genug.»


Brauchst du Hilfe? Wende dich in der Schweiz telefonisch an die Nummer 143 oder schreibe an die Berater*innen von Du-bist-Du.ch. In Österreich hilft die HOSI Wien (zu Büroöffnungszeiten) unter (+43) 660 2166605, das Kriseninterventionszentrum oder für LGBTIQ die psychosoziale Beratungsstelle Courage. In Deutschland gibt es die Notfall-Nummer 19446, zudem hilft u.a. der Verband für lesbische, schwule, bisexuelle, trans, intersexuelle und queere Menschen in der Psychologie, in Städten wie Köln kann man sich an Rubicon wenden.

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