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IKEA, Metro und DB fordern: Blutspende-Verbot lockern!

Eine Unterstellung von sexuellem Risikoverhalten für schwule, bi und trans Männer sei nicht hinnehmbar, heisst es in einem Positionspapier

Blutspende-Verbot
Symbolbild: AdobeStock

Die Foundation Prout at Work veröffentlicht gemeinsam mit diversen Unterzeichner*innen der Wirtschaft ihr ‚Positionspapier Blutspende‘, um auf die Diskriminierung schwuler, bisexueller und trans Männer aufmerksam zu machen und das Blutspende-Verbot zu lockern.

Unter den momentanen Umständen muss das Blutspenden allen potentiellen Spender*innen ermöglicht werden, um einen Engpass zu vermeiden. Eine pauschale Unterstellung von sexuellem Risikoverhalten bei schwulen, bisexuellen und trans Männern durch das Blutspende-Verbot sei nicht hinnehmbar, heisst es in dem Papier (PDF) Die Unterzeichner*innen formulieren das Positionspapier, um Ihrem Anspruch eines offenen und diskriminierungsfreien Arbeitsumfelds auch bei der Blutspende nachzukommen.

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«Unternehmen tragen gesellschaftliche Verantwortung und kommen ihr in verschiedenen Feldern nach», heisst es in dem Papier, das neben IKEA, Otto und Deutsche Bahn auch Microsoft und der Metro-Konzern unterzeichnet haben.

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«Die Unterstützung von Blutspenden gehört für viele dazu – denn Blutspenden retten Leben. Viele Unternehmen stellen daher Hilfsorganisationen und Wohlfahrtsverbänden wie bspw. dem Deutschen Roten Kreuz regelmäßig Räumlichkeiten zur Durchführung von Blutspendeaktionen zur Verfügung und laden ihre Mitarbeiter*innen zur Blutspende ein.»

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Bei der Spenderauswahl wenden die Mitarbeiter*innen bspw. des Deutschen Roten Kreuzes – wie durch § 5 Abs. 1 Transfusionsgesetz grundsätzlich vorgeschrieben – die Vorgaben der Richtlinie der Bundesärztekammer zur Gewinnung von Blut und Blutbestandteilen und zur Anwendung von Blutprodukten («Richtlinie Hämotherapie») an. Diese Vorgaben widersprächen allerdings in ihrem Umgang mit sexuellen Minderheiten dem Ziel, den Mitarbeiter*innen ein diskriminierungsfreies Umfeld zu ermöglichen, erkären die Unternehmen.

Gemäss der Richtlinie Hämotherapie werden Personengruppen, deren Sexualverhalten ein deutlich erhöhtes Übertragungsrisiko für durch Blut übertragbare schwere Infektionskrankheiten birgt, für 12 Monate nach dem letzten Sexualverkehr von der Blutspende zurückgestellt. Diese Regelung gilt insbesondere für alle Männer, die Sexualverkehr mit Männern haben (MSM) und führt zu ihrem pauschalen Ausschluss von Blutspenden. Die Regelung betrifft faktisch nicht nur homo- und bisexuelle Männer, sondern auch trans Personen, die Sexualverkehr mit Männern haben und rechtlich (noch) als Mann eingestuft werden. Das wollen auch Grüne und FDP ändern – MANNSCHAFT berichtete.

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Pauschale Unterstellung
Durch die ausschliessliche Anknüpfung der Richtlinie an die sexuelle Orientierung werde ihnen pauschal ein Risikoverhalten unterstellt – unabhängig von ihrem tatsächlichen sexuellen Verhalten und ihrer individuellen Lebenssituation wie z.B. einer monogamen Partnerschaft, heisst in dem Papier weiter.

«Wir sind absolut der Auffassung, dass bei Blutprodukten und Bluttransfusionen keinerlei Kompromisse bei Sicherheit für Spender*innen und Patient*innen gemacht werden dürfen. Regelungen anderer Länder mit ebenfalls hohen Gesundheitsstandards zeigen jedoch, dass das höchste Gebot der Sicherheit auch ohne eine pauschale Rückstellung von MSM von 12 Monaten erreicht werden kann.»

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Deren Modernisierung von Blutspende-Richtlinien folgte klaren Entscheidungen gegen Stigmatisierung und für Inklusion, schreiben die Unterzeichner*innen des Papiers. Nun wollen sie wissen, «warum eine solche Situation in Deutschland noch nicht eingetreten ist und fordern die Bundesärztekammer und weitere zuständige Akteure zu einer Änderung der Richtlinie Hämotherapie auf, um so das Ziel der Sicherheit von Blutspenden mit dem Anspruch auf Diskriminierungsfreiheit zu verbinden.»

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