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«Bitte mehr schwule Paare in Filmen und Serien!»

In «Ich war noch niemals in New York» spielt Pasquale Aleardi den schwulen Zauberer Costa

Pasquale Aleardi
Verstanden sich bestens: Michael Ostrowski und Pasquale Aleardi (re) (Foto: UFA)

In der Filmversion des Udo-Jürgens-Musicals «Ich war noch niemals in New York» (ab 17. Oktober im Kino) spielt Pasquale Aleardi den schwulen Zauberer Costa. Im Interview mit MANNSCHAFT sprach der Schweizer Schauspieler über seinen Wunsch, Homosexualität authentisch darzustellen, und anfängliche Schwierigkeiten mit dem Drehbuch.

Pasquale, wie war dein Bezug zu Udo Jürgens und seiner Musik vor diesem Film?
Ich habe eine Sache von ihm total geliebt, und das war «Vielen Dank für die Blumen», weil das die Musik von Tom & Jerry war, was ich als kleiner Junge immer gesehen habe. Das war immer mein Highlight .. Richtig kennengelernt habe ich ihn und sein Gesamtwerk erst in der Auseinandersetzung mit diesem Projekt. Ich musste zwei Songs aussuchen zum Vorsingen – einer davon war «Merci Cherie». Da dachte ich: Der hat‘s echt drauf! Das ist so direkt und klar, geschickt komponiert und konzipiert – er wusste ganz genau, was er da anrichtet im Herzen der Zuhörer. Er war ein Meister.

War das Zufall, dass man Dich, der Du griechische Wurzeln hast, für die Rolle des griechischen Zauberers Costa gecastet hat?
Erstmal hat man mich wohl gefragt, weil es nicht so viele Schauspieler gibt, die auch singen können. Das mit den griechischen Wurzeln war wohl eher eine Typ-Frage. Zuerst war ich ein bisschen irritiert, als man mich fragte. Als ich die erste Drehbuchfassung las, vor allem meine Rolle und die schwule Liebesgeschichte – dachte ich, das muss besser werden. Ich kenne so viele Leute die schwul sind und Musical-affin. Aber dann hat sich das Drehbuch total entwickelt und verbessert.

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Was war denn zu Anfang nicht in Ordnung?
Costa hat Schwierigkeiten, zu sich selber zu stehen, weil er aus einem krassem Patriarchat kommt, aus Kreta. Zu Anfang war mir die Figur viel zu klischeehaft, auch die von Fred, in den er sich verliebt. Ich hatte nicht das Gefühl, dass wir Schauspieler genügend Raum haben, um eine echte Liebe zu zeigen, und dass man das wirklich ernst nimmt. Die Typen sehen sich und es macht bämm! Vom Konzept her fand ich es toll: Ich mag es, wenn man sich für eine Rolle total verändert. Aber dann besteht die Gefahr, dass du es auch sehr überdreht spielst. Als ich aber gesehen habe, dass uns der Regisseur Philipp Stölzl auch wirklich unterstützt, habe ich entschieden mitzumachen. Ich wollte die Gefühle wirklich so ernsthaft spielen wie möglich.

War das deine erste schwule Rolle?
Witzigerweise nicht. Ich habe vor vielen Jahren eine Art «La Cage aux Folles» für Sat.1 gedreht. In «Mein Vater, die Tunte» war ich der Lover von Jan-Gregor Kremp, sein Sohn war Matthias Schweighöfer. In der Rolle war ich einen Hauch tuntiger, ich hatte mir auch ein anderes Lachen antrainiert.

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Dein Partner im Film ist Michael Ostrowski. Habt Ihr verschiedene Paarungen probiert und geschaut, bei wem die Chemie am stärksten ist?
Das war ein Glücksfall. Ich hatte die Rolle bereits und habe Michael während der ersten Lesung getroffen. Es war von Vorteil, dass wir uns privat auch echt mochten. Gott sei Dank war uns beiden wichtig, so ehrlich wie möglich zu spielen.

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Am Ende des Films fiebert man als Zuschauer mit allen drei Paaren mit, und eins davon ist schwul. Das ist eine schöne Entwicklung.
Ja, das freut mich. Ich meine, es ist 2019! Können wir bitte mehr schwule Paare in Filmen oder Serien haben?

Das ausführliche Interview mit Pasquale Aleardi ist im Oktober-Heft der MANNSCHAFT erschienen. Hier geht es zum Abo Deutschland und hier zum Abo Schweiz.

Kriss Rudolph

Geschrieben von

Kriss Rudolph lebt mit seinem Hund Mompa in Berlin. Bei MANNSCHAFT ist er als Online-CvD und als Chefredakteur der deutschen Print-Ausgabe tätig.

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