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«Obama war supercool»

Warum sterben so viele junge Amerikaner an einer Überdosis?
Weil die Drogen hier einerseits extrem leicht zu bekommen sind. Ich war mal in einem deutschen Krankenhaus. Dort wurden Schmerzmittel nicht so leichtfertig verschrieben wie bei uns. Wir haben eine riesige Überversorgung mit pharmazeutischen Narkotika in Amerika. Jeder kommt ohne weiteres an den Stoff ran. Andererseits leben wir im Zeitalter des Eskapismus. Die Leute wollen ihr Gehirn auch mal ausschalten.

Was tut Präsident Donald Trump gegen die Opioidkrise?
Nichts. Er tut gar nichts. Er kürzt sogar die Mittel für Drogentherapieprogramme. Mit diesem Präsidenten bewegen wir uns rückwärts. Das ist sehr traurig.

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Was kannst du persönlich dagegen tun?
Ich kann darüber reden und auf das Problem aufmerksam machen. Ich habe Dutzende Songs über Drogen gemacht und in die Welt hinaus geschickt. Aber ich wirke auch viel hinter den Kulissen in meiner Gemeinschaft.

[perfectpullquote align=“full“ cite=““ link=““ color=““ class=““ size=““]«Donald Trump tut gar nichts. Er kürzt sogar die Mittel für Drogentherapieprogramme. Mit diesem Präsidenten bewegen wir uns rückwärts.»[/perfectpullquote]

Ich sage den jungen Leuten, dass sie nüchtern bleiben und die verordneten Pillen auf keinen Fall schlucken sollen. Ich bin jetzt vielleicht clean, aber Tausende andere in Amerika sind es nicht.

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Lebst du bewusster, seit du Vater geworden bist?
Vater zu werden, war bisher die schönste Erfahrung meines Lebens. Vorher hätte ich mir das nicht vorstellen können. Meine Tochter bringt so viel Freude in mein Leben, ich liebe sie bedingunsglos. Jeden Tag entdecke ich ein bisschen mehr, wer sie ist. Natürlich ist sie mir und meiner Frau ähnlich, aber sie ist eine eigene kleine Persönlichkeit. Bis zu ihrem zweiten Lebensjahr habe ich sie immer mit auf Tour genommen, aber jetzt ist sie fast drei und ich bin der Meinung, ein Tourbus ist nicht unbedingt die beste Umgebung für ein kleines Mädchen.

Es heisst, in dem Moment, wo dein Erfolg am grössten ist, beginnt dein Privatleben sich selbst zu zerstören. Ist da was dran?
Ja, das kann ich tatsächlich bestätigen. Auf dem Höhepunkt meines Erfolges war ich so krank wie nie zuvor. Natürlich geht es auch anders, wenn man es schafft, Prioritäten zu setzen. Das probiere ich gerade aus.

Warum bist du Musiker geworden? Wolltest du reich und berühmt werden?
Musik war schon immer ein Ventil für meine Gefühle. Sie ist nicht nur der Schlüssel zum Erfolg, sondern auch zur Mitmenschlichkeit. Sie fordert mich heraus und erfüllt mich. Natürlich wollte ich immer von der Musik leben können, aber Ruhm war nie mein Antrieb. Er ist mir einfach so passiert.

Wo bist du jetzt in deiner Karriere?
Ich glaube, ich bin jetzt in einer wirklich komfortablen Situation. Ich bin sehr gespannt, wie mein Album ankommen wird, und freue mich auf die Tournee. Für mich ist es immer noch unfassbar, dass Menschen, die nicht einmal meine Sprache sprechen, meine Texte mitsingen. Das erscheint mir wie ein Wunder. Ich liebe es, um die Welt zu touren und Shows zu spielen.

Was macht dich traurig?
Egoismus! Es wäre sehr traurig, wenn ich mich nur für meine Karriere interessieren würde. Das wäre eigentlich das Ende.

Was ist deine Philosophie als Entertainer?
Ich will, dass das Publikum eine besondere Erfahrung macht. Ich gehe nicht auf die Bühne und rattere meine Songs runter, sondern ich möchte eine Atmosphäre erschaffen, in der ich gemeinsam mit den Leuten die Musik und das Leben feiere. Das Publikum soll Teil der Performance werden. Deshalb versuche ich immer so intensiv zu spielen, dass ich mich noch Jahre später an jede einzelne Show erinnern kann. Das möchte ich auch beim Publikum bewirken.

Macklemore_gemini
Nach zwei Nummer-1-Albem mit Ryan Lewis erschien nun Macklemores Soloplatte «Gemini».

Und was wünscht du dir für dein Land?
Ich wünsche mir, dass die weisse Vorherrschaft endet. Dass wir alle Menschen gleich behandeln und die Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgender dieselben Rechte haben wie alle anderen Amerikaner. Dass Farbige dieselben Rechte haben wie Weisse. Dass die Schere zwischen Arm und Reich kleiner und es eine Krankenversicherung für alle geben wird.

Wie weit ist Amerika davon entfernt?
Offensichtlich noch sehr weit. Wir haben noch einen langen Weg vor uns. Ich persönlich werde das nicht mehr erleben. Vielleicht die Krankenversicherung für alle.

Warum kämpfst du trotzdem weiter?
Man muss kämpfen. Es geht mir ja nicht nur um meine eigene Generation, sondern auch um die meiner Tochter. Was wollen wir denen hinterlassen, die nach uns kommen? Die Generationen vor uns haben ja auch für unsere Rechte gekämpft. Und zwar mit Liebe, Geduld und Leidenschaft.

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