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Berlin gibt sich einen Rio-Reiser-Platz

Beschlossen wurde die Umbenennung am Mittwoch von der zuständigen Bezirksverordnetenversammlung von Friedrichshain-Kreuzberg

Rio-Reiser-Platz
(Foto: Screenshot/YouTube: Junimond)
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Berlin gibt sich einen Rio-Reiser-Platz. Der offen schwule Musiker («König von Deutschland», «Junimond») war 1950 in der heutigen Hauptstadt geboren worden und am 20. August 1996 in Nordfriesland verstorben.

Berlin-Kreuzberg bekommt einen Rio-Reiser-Platz, dafür wird der Heinrichplatz nahe des Clubs «SO 36» umbenannt. «Rio Reiser und Ton Steine Scherben haben Rockgeschichte und die Geschichte Kreuzbergs geprägt», erklärte das Bezirksamt am Donnerstag. An den Musiker zu erinnern, sei im Sinne der Diversität. «Schwulsein war für ihn in den 70ern selbstverständlich, während es damals in weiten Teilen der Gesellschaft und auch in der linken Szene noch lange nicht als gängig galt.»

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Der Heinrichplatz liegt an der Oranienstrasse in Kreuzberg. Der Platz soll durch eine Gedenkinstallation oder ein Gedenkzeichen ergänzt werden. Geplant ist die Umbenennung im September des nächsten Jahres. 2020 wäre Reiser nämlich 70 Jahre alt geworden, die Gründung der Band Ton Steine Scherben liegt dann 50 Jahre zurück.

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Beschlossen wurde die Umbenennung am Mittwoch von der Bezirksverordnetenversammlung von Friedrichshain-Kreuzberg. Es hat lange gedauert: Pascal Meiser, Linke-Politiker aus Friedrichshain-Kreuzberg, lud schon vor zwei Jahren zu einer symbolischen Platzumbenennung an den Mariannenplatz. Nun wurde es also der Heinrichplatz, ein paar Hundert Meter weiter. Seit 1849 trägt der Platz den Namen Heinrichs Prinz von Preussen.

Umfrage zu Rio-Reiser-Platz
Im vergangenen Jahr hatte der Bezirk eine Befragung in 5000 Haushalten durchgeführt, immerhin jeder fünfte antwortete. Ein Viertel sprach sich dafür aus, einen Teil des Mariannenplatzes in Rio-Reiser-Platz umzubenennen. Mehr aber, nämlich 33 Prozent, befürworteten den Heinrichplatz.

Kritik an der Umbennenung hatte es im Vorfeld aus der CDU gegeben. Kurt Wansner aus dem Wahlkreis Friedrichshain-Kreuzberg erklärte vor einem Jahr, er sehe keinen Grund, nach Herrn Reiser irgendetwas in Kreuzberg umzubenennen. «Er hat für den Bezirk nichts getan», so der CDU-Mann. Zur Berliner Morgenpost sagte Wasner damals, man müsse aufpassen, «dass der Bezirk nicht zur Beute linksradikaler Kreise» werde.

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Eigentlich hatte die Bezirksverordnetenversammlung vor ein paar Jahren beschlossen, dass erstmal Frauen bei neuen Strassennnamen zu berücksichtigen seien – es gebe nämlich einen Männerüberschuss. Für Rio macht man aber nun eine Ausnahme.

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Im nordrheinwestfälischen Unna gibt schon seit 2012 einen Rio-Reiser-Weg. Die Strasse soll an das Engagement des Musikers und Schauspielers für die alternative Kulturszene der Stadt erinnern: Reiser hatte dort in den 80er Jahren unter anderem ein freies Theater-Ensemble unterstützt.

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