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150 Jahre Magnus Hirschfeld – eine queere Ikone wird gefeiert

Am 14. Mai 1868 wurde Magnus Hirschfeld im früheren Kolberg geboren, damals Preußen, heute Polen (Kołobrzeg). Was
der Mitbegründer der weltweit ersten Homosexuellen-Bewegung im Bereich der Sexualwissenschaften erreichte, brachte ihm den Titel “Einstein des Sex” ein – er war es etwa, der 1923 den Begriff Transsexualität prägte. Weil der Arzt und Sexualforscher nicht nur Deutschland und Europa als sein Forschungsfeld betrachtete, reiste er durch die Welt: u.a. nach Japan, China, Indonesien, Indien, Ägypten, USA. Es gebe nicht zwei Länder, deren Bevölkerung sich, was sexuelle Charakteristika angeht, vollkommen gleichen, schrieb er.

Hirschfeld war schwul, Jude und Sozialist und somit  Hitler und seinen Anhängern gleich aus mehreren Gründen ein Dorn im Auge. Als Hitler 1933 Reichskanzler wurde, hatte Hirschfeld das Land bereits verlassen. Die Nazis stürmten und plünderten in jenem Jahr sein Institut für Sexualwissenschaften in Berlin. Sie skandierten “Brenne Hirschfeld!”, als sie vernichteten, was damals der bedeutendste Archivschatz im Bereich der Sexualwissenschaften war.

Verewigt in der Amazon-Serie „Transparent“

Dieses Institut hatte auch der Schriftsteller Christopher Isherwood besucht, in den Jahren 1929 and 1930 wohnte er dort auch eine Zeitlang. In seinem Roman “Goodbye to Berlin” — der als Vorlage für das Musical und den Film “Cabaret” diente — machte er seine Leser bekannt mit der lebhaften Subkultur von gleichgeschlechtlichen Beziehungen, Bi- sowie Transsexualität in der deutschen Hauptstadt. Die preisgekrönte US-Serie „Transparent“ setzte in der 2. Staffel dem Forscher, auf dessen Agenda u.a. die Entkriminalisierung von Homosexualität stand, und seinem Institut mit mehreren Rückblicken in das Berlin kurz vor der Machtübernahme der Nationalsozialisten ein Denkmal.

Magnus Hirschfeld
Foto: Bundesstiftung Magnus Hirschfeld

A propos Gedenken: In Berlin erinnert seit September 2017 ein Denkmal an die von Hirschfeld mitinitiierte erste Emanzipationsbewegung für Homosexuelle: Das Ensemble aus sechs übergroßen Blüten der Calla-Lilie in den Farben des Regenbogens befindet sich am Magnus-Hirschfeld-Ufer an der Spree, in Höhe des Bundeskanzleramtes.

Bekommt Heidelberg eine Magnus-Hirschfeld-Straße?

Bereits im Mai, zum 149. Geburtstag der queeren Ikone, wurde in Sachsen-Anhalts Landeshauptstadt Magdeburg eine Gedenktafel für Hirschfeld offiziell im Rahmen einer öffentlichen Veranstaltung eingeweiht – dort betrieb er einst eine naturheilkundliche Praxis, bevor er sich in Berlin niederließ und im Jahr 1919 das Institut gründete. In Heidelberg, wo Hirschfeld einst drei Semester studierte, will eine Initiative eine Straße nach ihm benennen; in Oranienburg ist das längst geschehen.

Am Montag nun wird mit einem großen Festakt im Berliner Haus der Kulturen der Welt – dort stand früher das Institut für Sexualwissenschaft – der 150. Geburtstag Hirschfelds gefeiert. Teilnehmen werden diverse Bundes- und Landesminister. Auch die
Präsidenten der Zentralräte der Juden und der Muslime haben sich angekündigt. Erwartet wird zudem Hirschfelds Großnichte Gaby Cohen, die dem Tagesspiegel erzählte, dass sie lange gar nicht wusste, wie bedeutend ihr Großonkel war – bis sie Rosa von Praunheims Film „Der Einstein des Sex“ über ihn sah. „Meine Eltern haben uns erzählt, dass Magnus ein Institut hatte, die Nazis das Institut zerstörten und Magnus Berlin verlassen musste. Das alles wussten wir“, so Cohen. „Aber dass er der erste homosexuelle Aktivist der Welt war, wusste ich nicht – und auch nicht, wie bahnbrechend seine Forschungen und Ansichten waren und wie stolz wir darauf sein können.“

Bundesjustizministerin Katarina Barley, zugleich Vorsitzende im Kuratorium der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld, würdigte vorab gegenüber Gay City News Hirschfelds Mut und seine gesellschaftliche Vision, sich dem Kampf für LGBTIQ-Rechte zu widmen.
Wörtlich sagte sie: “Unsere heutige Gesellschaft braucht Menschen, die aus gewohnten Denkmustern ausbrechen und dabei weder Widerstand noch Zurückweisung fürchten.”

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