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Württemberg bleibt stur: keine Segnung von Homopaaren

Es war verdammt knapp: Die Herbstsynode der evangelischen Landeskirche Württemberg hat einen Kompromiss-Vorschlag für die Segnung von Homopaaren abgelehnt. Es fehlten nur wenige Stimmen für die nötige Zwei-Drittel-Mehrheit für einen Vorschlag des Oberkirchenrates, wie ein Kirchensprecher am Mittwoch in Stuttgart sagte. Zuvor war die Initiative „Offene Kirche – Evangelische Vereinigung in Württemberg“ mit einem Antrag für eine Trauung gleichgeschlechtlicher Paare gescheitert.

Alle evangelischen Landeskirchen haben sich im Laufe der Jahre mehr oder weniger für schwule und lesbische Paare geöffnet. Erst am Wochenende hatte die evangelisch-reformierte Kirche mit 175.000 Mitgliedern beschlossen, auch gleichgeschlechtliche Paare zu segnen. In Württemberg bleibt man dagegen stur.

Gleichgeschlechtliche Liebe ist hier auch künftig eine Liebe zweiter Klasse; Homopaare bekommen weiterhin keinen Segen. Wie die Pfarrer in diesem Teil der Republik ticken, zeigen zwei Beispiele, die die dpa zitiert. So gab Pfarrer Cornelius Küttner aus Merklingen zu Protokoll: Er sei sich nicht sicher, ob er eine Segnung homosexueller Paare vornehmen würde, sollte das seitens der Landeskirche erlaubt werden. „Das ist ein sehr brisantes Thema, denn es geht um Menschen.“ Immerhin sagt Küttner: Man müsse auf die einzelnen Menschen eingehen, die eine Anfrage stellen. „Ich täte mir schwer, zu sagen: Ich mach’ das nicht.“

Homosexuell veranlagte Menschen können als Einzelne im Gottesdienst und in der Seelsorge gesegnet werden

Pfarrer Karl-Hermann Gruhler aus Laichingen ist ebenfalls nicht für die Segnung von schwulen Paaren. Für interessierte Homosexuelle hat er einen sehr lahmen Trost parat. „Homosexuell veranlagte Menschen können als Einzelne im Gottesdienst und in der Seelsorge gesegnet werden, da ist jeder und jede eingeladen, unabhängig von Lebensstil und Lebensform.“

Württemberg hat noch einen sehr weiten Weg vor sich, bis die Landeskirche im 21. Jahrhundert ankommt.

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