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Völkisch und homophob: Umstrittener Verband für WDR-Rundfunkrat

Zu verdanken ist das offenbar der Laschet-CDU in NRW

WDR
Der WDR in Düsseldorf (Foto: AdobeStock)

Die CDU in NRW soll einer umstrittenen Organisation zu einem Platz im WDR-Rundfunkrat verholfen haben: Der Verband kinderreicher Familien. In dessen Beirat sitzt u.a. ein Ex-CDUler, der sich homofeindlich äussert, berichtet der Spiegel (bezahlpflichtiger Artikel).

Dank der CDU-Fraktion im NRW-Landtag hat die Organisation nun Einfluss auf den WDR und sein Programm. Auf der Homepage des Verbands kinderreicher Familien Deutschland lassen sich Testimonials prominenter, meist konservativer Politikerin*innen nachlesen, etwa von Ex-CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer. Sie wird zitiert mit den Worten: Kinder «verdienen unseren Respekt und unsere Unterstützung. Der Verband kinderreicher Familien Deutschland e.V. geht hier seit Jahren mit grossem Engagement voran. Dafür danke ich Ihnen von Herzen.»

Die Initiative zugunsten des Verbandes kinderreicher Familien Deutschland kam wohl von der CDU-Fraktion in NRW. Nathanael Liminski, Chef der Staatskanzlei unter Ministerpräsident Armin Laschet, soll sich in der Vergangenheit mit Vertreter*innen des Verbandes getroffen haben. Ende Juni habe das Parlament in abendlicher Sitzung den gemeinsamen Wahlvorschlag von CDU, FDP, SPD und Grünen abgesegnet und fünf neue Rundfunkrats-Mitglieder mit Zwei-Drittel-Mehrheit bestellt. Aber offenbar wussten sie nicht genau, wen sie da wählten.

Trotz völkisch-nationalistischen Ideen und einer Mitgliedschaft bei Opus-Dei im Beirat: Die CDU-Fraktion von Armin #Laschet im NRW-Landtag hievte den Verband kinderreicher Familien in den WDR-Rudfunkrat. (S+) https://t.co/lJqczbwlBi

— DER SPIEGEL (@derspiegel) July 12, 2021

Der Verband mit nach eigenen Angaben 6.000 Mitgliedern setzt sich dafür ein, Menschen Mut zu machen, drei oder auch mehr Kinder zu bekommen. Offiziell tritt er als «konfessionell ungebunden und über­parteilich» auf. Einer der Berater des Verbands ist jedoch der Sozialwissenschaftler Manfred Spieker, Mitglied der Organisation Opus Dei, eine der einflussreichsten und konservativsten Gruppierungen in der katholischen Kirche.


Spieker bezeichnete Homosexualität  als «lebensfeindlich» und behauptete, die meisten schwulen Jugendlichen würden als Erwachsene wieder hetero. Spieker war einst CDU-Mitglied, ist aber nach dem Beschluss der Ehe für alle ausgetreten, nach 43 Jahren Parteizugehörigkeit. Angela Merkels Verhalten in der Sache bezeichnete er damals als «unerträglich».

Auch der Demographie-Forscher Herwig Birg, der gerne auf AfD-Veranstaltungen spricht und davor warnt, dass die Deutschen werden immer älter und weniger würden und Zuwanderung keine Lösung sei, gehöre zum Verbandsbeirat.

Der Verband veröffentlichte auf seiner Homepage eine Stellungnahme zum Spiegel-Artikel. Auf den Vorwurf, «erzkonservative, fragwürdige Positionen» zu vertreten, ging man aber nicht ein. Man monierte stattdessen, dass der Spiegel die konkrete Arbeit für Mehrkindfamilien mit keinem Wort erwähne.


Die neue Zusammensetzung des WDR-Rundfunkrates zeige einmal mehr, dass «eine dauerhafte Vertretung von säkularen, religionsfreien Menschen» von den Regierungsfraktionen nicht gewünscht war, monierte zudem der Humanistische Pressedienst (HPD)

Zwar gab es einen Änderungsantrag der sozialdemokratischen Opposition, der einen ständigen Sitz im WDR-Rundfunkrat für den Humanistischen Verband Nordrhein-Westfalen (HVD NRW), die Giordano-Bruno-Stiftung (gbs) und den Internationalen Bund der Konfessionslosen und Atheisten (IBKA) gemeinsam forderte, eine Mehrheit für diesen Antrag habe es aber nicht gegeben.


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