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Armin Laschet – eine homophobe «Mogelpackung der Freundlichkeit»

Unser Autor hält fest: Bei den Kandidaten zur AKK-Nachfolge lohnt sich das genaue Hinsehen

Armin Laschet
Armin Laschet (CDU) (Foto: Federico Gambarini/dpa-Pool/dpa)

Für den CDU-Vorsitz kandidieren NRW-Ministerpräsident Armin Laschet, der Wirtschaftspolitiker Friedrich Merz und der Aussenpolitiker Norbert Röttgen. Entschieden wird 2021, das Delegiert*innentreffen zur Wahl war wegen der Corona-Pandemie mehrfach verschoben worden. Wer nun meint, der schlimmste und homophobste der drei sei Merz, den warnt unser Samstagskommentator* und erinnert an Laschets Positionen zur Lebenspartnerschaft und später zur Ehe für alle.

Im Januar geht es für viele Konservative vielleicht nicht um alles, aber um vieles. Gewählt werden muss dann ein neuer Parteichef. Es ist nicht so, dass von den drei Kandidaten – alles Männer, alle heterosexuell-klassisch-familiär orientiert – auch nur irgendeiner so diese gewisse Härte (plus Jovialität) ausstrahlen, die Nachkriegs- und Wehrmachtspersonen so eigen war. Nein, die Anwärter auf die Nachfolge Annegret Kramp-Karrenbauers auf den Posten des CDU-Vorsitzenden verströmen allesamt die gewisse dröge Modernität der Jetztzeit aus, der konservativen Art natürlich.

Wer Kramp-Karrenbauer, die es als Verteidigungsministerin immerhin durchsetzte, dass homophob gedisste Soldaten entschädigt werden, ja, dass die Bundeswehr sich bei ihnen für erlittene Schmach entschuldigt (MANNSCHAFT berichtete), wer dieser Politikerin anhing, hat Pech: Sie eignet sich offenbar nicht für das, was die eigentlich entscheidende Thronfolge ist: die der Kanzlerin Merkel. Nach 16 Jahren wird sie im kommenden Herbst ihren Job beenden.


Wer aber wird es? Armin Laschet, Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident oder Friedrich Merz, einst von Merkel aus allen wichtigen Ämtern gekegelt, was nicht schwer war, denn Merz, der ultrakonservative Sauerländer, verliess sich zu sehr auf die Kunst der Durchsetzung nach dem Modus alter Kameraden. Das ging schief, die ostdeutsche Merkel war bitchiger und machtbewusster. Oder doch Norbert Röttgen, der aussenpolitische Experte, der noch nie Wahlen gewonnen hat, was ihn allerdings von Friedrich Merz weder im Guten noch im Schlechten unterscheidet.

Aber wir müssen fragen: Wie sehr steht ein kommender CDU-Vorsitzender eigentlich zu unseren Angelegenheiten, nicht allein im Hinblick auf die 2017 mit vielen (aber weitaus nicht allen) Unionsstimmen verabschiedeten Ehe für alle (MANNSCHAFT berichtete)? Sondern auf auch das Atmosphärische hin geprüft – also mit der Perspektive: Propagiert da einer das Modell der heterosexuellen Norm und findet unsere politisch-kulturellen Anliegen eher unappetitlich bis vernachlässigbar?

Bei Norbert Röttgen ist es einfach. Der momentan nur als Bundestagsabgeordneter profiliert sich als ausgleichende Natur, aber bei der Bundestagsabstimmung zur Ehe für alle war er bei den Nein-Stimmen. Der Mann – nun ja – hat wohl offenbar die Zeichen der Zeit nicht erkannt: Konservativen, wie CDU-Gesundheitsminister Jens Spahn sagen würde (und gesagt hat), muss an der Institution der Ehe besonders gelegen sein, denn sie unterstützt diese Lebensform der verbindlichen Zweisamkeit. Röttgen hat nicht die intellektuelle Tiefe, um das erkennen zu können. Insofern: No-go!


Friedrich Merz hingegen äusserte neulich in einem Interview, Homosexualität sei okay, aber sie dürfe nicht mit Strafgesetzen kollidieren – als ob unsereins pädo wäre (MANNSCHAFT berichtete). Für ihn gilt ein noch stärkeres No-go.

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Bleibt der irgendwie immer gemütlich vor sich hin sesselnde und räsonierende Armin Laschet. Niemand findet ihn grauslich oder hält ihn gar für reaktionär. Und doch, so sehr er auf Landesvater macht und grossen Integrator – ist er genau das. Ein Reaktionär, dass es nur so kracht. Er ist schlimmer als Röttgen und Merz, weil er so tut, er könne er normativ keiner queeren Fliege etwas zuleide tun.

2007 fiel er unangenehm auf, damals noch in einem CDU-geführten Kabinett in Nordrhein-Westfalen, als Integrationsminister, weil er alle möglichen Minderheiten (Migrant*innen, Behinderte etc.) an einen Konferenztisch für eine EU-Richtlinien lud – aber die Initiativen der Schwulen und Lesben ausdrücklich nicht. Was wie ein planerischer Patzer aussah, war aber keiner. In der Unionsdebatte um Lebenspartnerschaft und später Ehe für alle bezog Laschet stets die ungefähr rückwärtsgewandtesten Positionen. Ehegattensplitting für schwule und lesbische Paare? Nein! Öffnung der Ehe für Homosexuelle? Nein, das verbiete sogar das Grundgesetz, wie er sagte. Das war inhaltlich alles Bullshit, reaktionärer Mist – und nichts weiter.

Laschet versucht im Rennen um den Posten des Parteichefs womöglich die queere Scharte auszuwetzen, weil er öffentlich hörbar und durchaus offiziell Jens Spahn, als schwuler Mann mit einem Mann verheiratet, zu seinem Co nominierte. Aber davon abgesehen, dass an Spahn vom couragierten Coming-out in eigener Sache nichts Modernes und Liberales – u.a. weigert sich sein Haus, das Urteil des Bundesverfassungsgericht zum assistierten Suizid umzusetzen, weil der konservative westfälische Politiker nicht respektieren will, dass die Kirche bei ethischen Fragen wie der Selbsttötung nicht das letzte Wort haben soll –, verkörpert, ist Laschet nichts als Mogelpackung der Freundlichkeit. Hinter der Maske der Menschenfreundlichkeit verbirgt sich ein Politiker von gestern, der versucht, mit seinen Sekundärcharaktereigenschaften wie Jovialität und Verschmitztheit den reaktionären Kern seiner weltanschaulichen Grundlagen zu verhüllen.

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Insofern: Muss den Grünen ein Schrecken in die Glieder fahren, weil sie gern mit der schwarzen Union koalieren möchten, aber kein modernes Gegenüber finden werden? Nein, müssen sie nicht. Es gibt ja einen Politiker, der angenehm wendig und kein christlicher Fundamentalist ist: Markus Söder. Der sprach neulich in puncto Queeres cool und interessiert, ohne dies nun gleich als Offenbarung kundzutun. Er fand, sagte der bayerische Ministerpräsident in einem Podcast bei Ulrich Wickert, er «es schon immer seltsam, dass der Staat den Menschen vorschreiben will, wie sie zu leben haben. […,]  Ob sich jetzt Mann und Frau lieben oder Mann und Mann oder Frau und Frau – die Liebe ist per se segenswert. Da gibt’s ja keine Qualifikation dazu. Und das finde ich ehrlich nicht nur rückständig, sondern finde ich auch einfach falsch. Ich kann nicht jemand verurteilen, weil er jemand anders sehr mag oder liebt oder so».

Mit anderen Worten: Das wird ein spannendes Wahljahr, in jeder Hinsicht.

*Die Meinung der Autor*innen von Kolumnen, Kommentaren oder Gastbeiträgen spiegelt nicht zwangsläufig die Meinung der Redaktion wider.


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