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Über 80 Zusagen für Aufnahme von LGBTIQ aus Afghanistan

Der LSVD sieht aber noch Schwachstellen

Afghanistan
Symboldbild: Unsplash/Ehimetalor Akhere

Der LSVD warnt: Das geplante Aufnahmeprogramm könnte afghanische LGBTIQ durch den Fokus auf menschenrechtliches Engagement und die „Kernfamilie“ so gut wie ausschliessen.

In ihrer Antwort auf eine schriftliche Anfrage der Bundestagsabgeordneten Cornelia Möhring (Die Linke) hat die Bundesregierung mitgeteilt, dass «mehr als 80 afghanischen LGBTIQ-Menschenrechtsverteidigerinnen und -verteidiger» eine Aufnahmezusage für Deutschland bekommen haben. Zudem soll die Situation von LGBTIQ Eingang in dem angekündigten humanitären Aufnahmeprogramm für Afghanistan finden.

Es bewegt sich was: Die ersten Aufnahmezusagen für afghanische LSBTI-Menschenrechtsverteidiger*innen sind erfolgt. Dennoch: Die Kriterien für eine Aufnahme können viele Queers vor Ort nicht erfüllen, so @lsvd. Was passiert mit den anderen Hilfegesuchen? https://t.co/STRJihyJHN

— magda albrecht (@magda_albrecht) January 20, 2022

Patrick Dörr, Mitglied im Bundesvorstand des LSVD, erklärte: «Wir begrüssen die mehr als 80 Aufnahmezusagen für afghanische Lesben, Schwule, bisexuelle, trans- und intergeschlechtliche Menschen. Die Bundesregierung muss diese Menschen jetzt so schnell wie möglich nach Deutschland holen.» Der LSVD fordert, dass alle von LGBTIQ-Organisationen benannten und noch zu benennenden afghanischen Menschen eine Chance bekommen, gerettet zu werden.

Im geplanten Aufnahmeprogramm für Afghanistan dürfe ein menschenrechtliches Engagement mit Blick auf LGBTIQ nicht alleiniges Kriterium für eine mögliche Aufnahme sein. Da Homosexualität und ein Engagement für LGBTIQ-Rechte auch unter der vorherigen afghanischen Regierung verboten waren, schliesse solch ein Vorgehen queere Personen faktisch fast aus.


Der LSVD kritisiert solch einen Ausschluss von LGBTIQ auch bei der Familienzusammenführung. Nur die als Eheleute und leibliche Kinder definierte «Kernfamilie» werde berücksichtigt. Damit würden gleichgeschlechtliche Paare dafür bestraft, dass ihre Beziehungen in Afghanistan lebensgefährlich sind und nicht rechtlich anerkannt werden. Gleichgeschlechtliche Paare, die im Herkunftsland verfolgt wurden, müssten vom Auswärtigen Amt bei der Familienzusammenführung mit Ehepaaren gleichgestellt werden.

LGBTIQ befinden sich laut LSVD in Lebensgefahr. Ihnen drohen nach der Machtübernahme durch die Taliban Verfolgung, Folter und Mord. Da sie ungeoutet leben, oftmals nicht zu den Ortskräften gehören oder offen in Menschenrechts-NGO arbeiten, ist es schwer, sie zu identifizieren. Umso wichtiger ist es, die Hilfegesuche von Menschen, die sich uns gegenüber zu erkennen geben, ernst zu nehmen. Es muss alles dafür getan werden, ihre Leben zu retten.

Der LSVD hat mit dieser Forderung die Petition «Afghanische LSBTI jetzt retten!» gestartet. Sie wird von der Bundesweiten Arbeitsgemeinschaft der psychosozialen Zentren für Flüchtlinge und Folteropfer (BAfF e.V.), dem CSD Bremen, dem Rat&Tat Zentrum für Queeres Leben Bremen, der Rosa Strippe in Bochum und der Schwulenberatung Berlin unterstützt. Sie wurde bisher von fast 10.000 Menschen unterschrieben.


Für die LGBTIQ-Community ist die Machtergreifung der Taliban eine Katastrophe. Berichten zufolge nutzen die neuen alten Machthaber die sozialen Medien, um ihren Opfern eine Falle zu stellen (MANNSCHAFT berichtete). Die Taliban sollen zudem «Todeslisten» berzüglich führen (MANNSCHAFT berichtete).


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