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«Tove» – Die Schöpferin der Mumins und die sexuelle Selbstbestimmung

Alma Pöysti strahlt in der Titelrolle der bisexuellen Schriftstellerin

Foto: Salzgeber

Tove Jansson ist die Schöpferin der Mumins, die seit über 70 Jahren Kinder und Erwachsene auf der ganzen Welt verzaubern. Das mitreissende Biopic «Tove» erzählt nun vom aufregenden Leben der wohl bekanntesten Autorin und Zeichnerin Finnlands. Von Toves turbulenter Suche nach Identität, künstlerischer Freiheit und sexueller Selbstbestimmung.

Die Mumins, also die liebenswerten, dezent an kleine Nilpferde erinnernden Trolle der finnland-schwedischen Schriftstellerin und Zeichnerin Tove Jansson, die ab Mitte der 1940er durch zahlreiche Bücher und später auch diversen Serien bekannt wurden, haben Millionen Fans auf der ganzen Welt. Und nicht nur Kinder. Doch wie viele von denen wissen wohl, dass beispielsweise Tofslan und Vifslan – die beiden kleinen, Händchen haltenden Rüsselwesen, die immer mal wieder im Mumintal auftauchen – nach den Spitznamen benannt sind, die Jansson und ihre Geliebte Vivica für sich hatten?

Solche und andere spannende Einblicke in ein ganz besonderes Künstlerinnenleben gibt nun der Spielfilm «Tove», der ab Donnerstag nun auch in den deutschen Kinos zu sehen ist. Der Filmstart in Österreich ist am 8. April.

Die finnische Regisseurin Zaida Bergroth konzentriert sich in ihrem Film im Wesentlichen auf die zehn Jahre zwischen 1944 und 1954 und Janssons Weg zum Erfolg. Als knapp Dreissigjährige kann die lebensfrohe Künstlerin mit dem blonden Kurzhaarschnitt von ihren eigenen Werken zunächst kaum leben: für ihre Ölgemälde interessieren nicht einmal die staatlichen Fördereinrichtungen besonders, geschweige denn der eigene Vater, dessen Schatten als berühmtem Bildhauer Tove kaum zu entkommen vermag. Für ihre kleinen Troll-Zeichnungen, die sie eher nebenbei zu Papier bringt, hat er gleich noch viel weniger übrig.


Doch die Dinge ändern sich, nicht nur beruflich, als Tove endlich dem Elternhaus entkommt, um recht mittellos im Nachkriegs-Helsinki auf eigenen Beinen zu stehen. Was das Private angeht, geniesst sie derweil das Leben in vollen Zügen, und hat nicht nur eine intensive Affäre mit dem verheirateten Politiker und Autor Atos Wirtanen (Shanti Roney), sondern bald auch mit der aus reichem Hause kommenden und ebenfalls verheirateten Theatermacherin Vivica Bandler (Krista Kosonen).

Weil der Plot des Films erfreulicherweise ohne künstlich hinzuerfundenes Drama auskommt, darf man dieses Biopic auf nett gemeinte Weise durchaus als unaufgeregt beschreiben. Sehenswert ist «Tove» allerdings trotzdem allemal, und das nicht nur, weil Bergroth nicht verheimlicht, dass Jansson mit den Mumins und ihrem Erfolg und vor allem dessen Bedeutung für ihre Selbstwahrnehmung als Künstlerin durchaus gerungen hat.

Ganz besonders sehenswert an dem Film über die 2001 verstorbene bisexuelle Schriftstellerin ist nicht zuletzt die Hauptdarstellerin Alma Pöysti, die in der Titelrolle geradezu strahlt vor Energie. Dass im Abspann des Films, an dessen Ende noch der Beginn von Janssons Beziehung zu ihrer langjährigen Lebensgefährtin Tuulikki Pietillä gezeigt wird, auch hinreissende Super8-Aufnahmen der echten Tove Jansson zu sehen sind, stellt dann das herzerwärmende i-Tüpfelchen dar.


«Tove» war in Finnland ein riesiger Publikumshit, wurde ins Oscar-Rennen geschickt und beim Filmpreis Jussi in sieben Kategorien ausgezeichnet, u.a. als Bester Film.

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