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So viele LGBTIQ-Kandidat*innen wie nie wollen in den US-Kongress

Am 3. November wird in den USA gewählt

US-Kongress
Fotos: Gina Ortiz Jones (li) und Ritchie Torres wollen in den US-Kongress (Fotos: Facebook)

Die Anzahl der offen queeren Abgeordneten im US-Kongress hat sich in den letzten vier Jahren mehr als verdoppelt – und es könnten sogar noch mehr werden.

Der am Donnerstag veröffentlichte «Out For America»-Bericht des LGBTQ Victory Institute umfasst aktuell 843 LGBTIQ-Abgeordnete auf allen Regierungsebenen, gegenüber 417 im Juni 2016. Dem Institut zufolge kandidieren in diesem Jahr 850 LGBTIQ-Personen, darunter mehrere Kandidaten mit hohen Chancen auf die Wahl in den Kongress.

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Die Präsidentin des Instituts, die ehemalige Bürgermeisterin von Houston, Annise Parker, gibt jedoch zu bedenken, dass trotz erheblicher Fortschritte LGBTIQ «in jedem Bundesstaat und auf jeder Regierungsebene immer noch deutlich unterrepräsentiert sind».

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Während LGBTIQ-Personen etwa 4,5% der erwachsenen Bevölkerung in den USA ausmachen, haben nur 0,17% ein politisches Amt – sei es im Kongress oder im Stadtrat. Um eine angemessene Vertretung zu erreichen, müssten LGBTIQ mehr als 22.500 zusätzliche Positionen gewonnen werden.

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Das hat sich allein in den letzten 12 Monaten in den USA getan (Grafik: LGBTQ Victory Institute)

Die Daten des Victory Institute zeigen eine bemerkenswerte Kluft zwischen den politischen Lagern. Ab 2018 zählten 438 gewählte LGBTIQ-Abgeordnete der Demokratischen Partei und nur 16 Republikaner*innen. Unter den LGBTIQ-Kandidaten mit soliden Gewinnchancen im November befinden sich mehrere demokratische Kandidat*innen.

Das lässt hoffen, dass der Anti-LGBTIQ-Kurs, den die Trump-Administration fährt (MANNSCHAFT berichtete), sich nach der Wahl umkehren lässt. Parker sagt: «Wenn LGBTIQ-Abgeordnete in den Hallen der Macht sitzen, ändern sie die Herzen und Gedanken ihrer Kolleg*innen, besiegen Anti-LGBTIQ-Gesetze und inspirieren zu einer umfassenderen Gesetzgebung.» Fortschritte, die derzeit erzielt werden, sind dem Supreme Court zu verdanken (MANNSCHAFT berichtete).

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Eine der queeren Anwärter*innen für den Kongress ist Gina Ortiz Jones, Veteranin der Luftwaffe, die vor zwei Jahren den republikanischen Amtsinhaber Will Hurd in einem Distrikt im Südwesten von Texas beinahe geschlagen hätte und die jetzt nach Hurds Rücktritt mit noch besseren Aussichten im grösstenteils hispanischen Distrikt antritt.

Laut Jones ist die Gesundheitsversorgung für viele Wähler*innen des Distrikts das dominierende Thema , aber im Wahlkampf spricht sie auch häufig über die Notwendigkeit der Gleichstellung von LGBTIQ-Personen.

Als sie mit einem Stipendium der Luftwaffe aufs College ging und später als Geheimdienstoffizierin im Irak diente, galt noch die später unter Obama abgeschaffte Don’t Ask, Don’t Tell-Richtlinie, die schwule und lesbische Soldat*innen dazu verpflichtete, ihre sexuelle Identität geheimzuhalten.

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«Wenn sie herausgefunden hätten, dass ich lesbisch bin, hätte ich mein Stipendium verloren», sagt die Politikerin. «Ich gehe mit meinem ganzes Ich in dieses Rennen – die Leute wollen ein Gefühl für das Leben bekommen, das man gelebt hast.»

Im US-Bundesstaat New York wurde Mondaire Jones, ein schwuler schwarzer Anwalt, diese Woche zum Gewinner der demokratischen Vorwahl für einen Kongresssitz in den nördlichen Vororten von New York City erklärt, schreibt die HuffPost. Es ist ein überwiegend demokratischer Bezirk, daher hat Jones eine grosse Chance, im Kongress Geschichte zu schreiben – als erster schwarzer LGBTIQ-Vertreter.

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Auch der schwule New Yorker Stadtrat Ritchie Torres hat gute Chancen, einen Kongresssitz in der Bronx zu gewinnen. «Als ich arm, schwarz und schwul aufgewachsen bin, hätte ich nie gedacht, dass jemand wie ich für den Kongress kandidieren oder gar gewinnen könnte», sagte er.

Am 3. November wird in den USA gewählt. In den Umfragen führt aktuell Trumps Herausforderer Joe Biden, der die Unterstützung der grössten LGBTIQ-Organisation der USA hat (MANNSCHAFT berichtete). Der amtierende Präsident ist offenbar nervös – dreieinhalb Monate vor der Wahl hat er seinen Wahlkampfmanager gefeuert.

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