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Pink Summits – Bergsteigen für queere Sichtbarkeit

2022 nehmen sie den höchsten Berg Südamerikas in Angriff

Pink Summits
Das Gipfelfoto von Dastan Kasmamytoy und der Bergsteigergruppe von Pink Summits auf dem Mont Blanc. (Bild: zvg)

Die Kampagne Pink Summits will die Regenbogenfahne auf allen Gipfeln der Seven Summits hissen und damit für LGBTIQ-Sichtbarkeit sorgen. Das gefährlichste an der Unternehmung sind dabei nicht die Naturgewalten sondern queerfeindliche Regierungen und Hassnachrichten, die das Team rund um Dastan Kasmamytov erreichen.

Am 21. September 2021 gegen 7:45 Uhr hat es das Bergsteigerteam von Dastan Kasmamytov endlich geschafft: Der Mont Blanc ist bezwungen, die Regenbogenfahne gehisst. Es ist bereits der vierte Gipfel, der das Queere Team von Pink Summits besteigt und damit sind sie noch nicht mal in der Hälfte ihres Projekts: die neun Gipfel der «Seven Summits».

Die Kampagne Pink Summits bekämpft Vorurteile und Hass gegenüber LGBTIQ-Personen. Im Rahmen der Aktion erklimmt ein queeres Bergsteigerteam die höchsten Gipfel aller Kontinente, hisst dort die Regenbogenfahne und sorgt damit für Sichtbarkeit. Zudem möchte das Team junge Queers dazu inspirieren, an ihre Kräfte und Fähigkeiten zu glauben und damit die Welt zu verändern.

Angefangen hat die ganze Idee damit, dass der leidenschaftliche Bergsteiger Dastan von seinem Geburtsort Bischkek in Kirgistan durch 13 Länder hindurch in seine neue Heimat Berlin geradelt ist. «Ich habe unterwegs eine Freundin getroffen, die über die ‹Seven Summits› gesprochen hat», erzählt Dastan gegenüber MANNSCHAFT. «Ich dachte mir, das ist eine super Idee! Es wäre cool, wenn ich weitere queere Bergsteiger finde und die Gipfel für LGBTIQ-Sichtbarkeit besteige.»


Die Berge haben für den Wahlberliner ebenfalls eine besondere Bedeutung. «In Kirgistan, wo ich herkomme, waren die Berge sehr wichtig für mich. Sie waren ein Ort, wohin ich einfach gehen konnte, fliehen konnte, von dem, was in Bischkek so passierte.»


Was sind die «Seven Summits?»
Zu den «Seven Summits», zu Deutsch «Sieben Gipfel» zählen die jeweils höchsten Berge aller sieben Kontinente. Dazu gehören nach der Liste des Amerikaners Dick Bass der Mount Everest (Asien), Kibo, auch Kilimanscharo (Afrika), Mount Vinson (Antarktis), Mount Kosciuszko (Australien), Aconcagua (Südamerika), Denali (Nordamerika) sowie der Elbrus in Russland, der zu Europa gezählt wird. Der österreichische Bergsteiger Reinhold Messner ersetzte für seine Liste den Mount Kosciuszko durch Puncak Jaya in Neuguinea, da der australische Kontinent auch die Insel Neuguinea mit einbezieht. Viele Seven-Summit-Bezwinger erklimmen zudem den Mont Blanc in Frankreich, auch wenn er auf keiner der beiden Listen zu finden ist. Pink Summits hat ebenfalls alle neun erwähnten Gipfel auf seiner Liste. Vier davon sind bereits erklommen.


Auf ihren Bergreisen musste das Team von Pink Summits schon richtige Tortouren überwinden. Als sie versuchten, die Staatsgrenze zwischen Georgien und Russland zu überschreiten, um den Elbrus zu besteigen, wurden sie vom FSB, dem Geheimdienst Russlands angehalten und verhört. Nach eigenen Angaben erreichten sie nach dem Bezwingen der ersten drei Gipfel zudem besonders aus Russland und Zentralasien viele Hassnachrichten und sogar Todesdrohungen. Dass Russland queerfeindlich eingestellt ist, ist bekannt. Letzens wurde sogar ein Film über eine lesbische Nonne verboten.


Um diesen Hass in Liebe umzuwandeln hat Pink Summit auf gofundme.com ein Crowdfunding gestartet. Ziel ist es, für jeden negativen Kommentar 1-5 Euro zu sammeln. Vom Endbetrag sollen dann jeweils 50% an LGBTIQ-Projekte in Russland und Zentralasien und 50% an Pink Summits gehen.

Die Seven Summits zu bezwingen ist schon an sich eine starke, sportliche und mentale Leistung. Doch für Dastan ist das nicht der schwierigste Teil der Unternehmung. «Natürlich geht man an seine Grenzen und muss sich manchmal etwas pushen, damit man dann auch auf dem Gipfel steht. Das Schwierigste ist aber die Öffentlichkeitsarbeit und der Hass und die Drohungen in den Kommentaren. Besonders aus Kirgistan bekomme ich viele Nachrichten.»

Deshalb die Kampagne abzubrechen kommt für Pink Summits aber nicht in Frage. «Wir versuchen es so sicher wie möglich zu machen. Als ich in Kirgistan aktivistisch unterwegs war, war das viel gefährlicher. Ich hatte Probleme mit dem Staat und der Polizei, manchmal war auch Gewalt im Spiel. In diesem Ausmass erleben wir das in der Kampagne nicht.»

Natürlich hat das Abenteuer auch seine schönen Seiten. Dastan berichtet zum Beispiel von Nachrichten von Menschen aus kleinen Dörfern in China oder Kirgistan, die dank seiner Arbeit zu sich stehen können oder ihm für sein Engagement danken. Auch das Gefühl, auf dem Gipfel des Elbrus zu stehen, gehört für ihn zu den Highlights. «Dieses Gefühl von Stolz, allen Schwierigkeiten zu trotzen, Schneesturm und Kälte. Aber auch dass wir das im homophobsten Teil des Landes gemacht haben.»

Bisher hat das Team, das mittlerweile aus acht Leuten besteht, vier Gipfel bezwungen. Im Januar 2022 nehmen sie den Mount Aconcagua, den höchsten Berg Südamerika in Angriff. Zudem ist er der höchste Berg ausserhalb Asiens. Es ist der fünfte der neun Gipfel, die auf ihrer To-Do-Liste stehen. Danach folgen der Denali (2023), Mount Vinson (Antarktis), Puncak Jaya (2024) und Mount Everest (2025), die alle schon in Planung stehen.

Pink Summits geht es aber nicht nur darum, Berge zu besteigen und Flaggen zu hissen. Sie dokumentieren ihre Reisen, tauschen Erfahrungen aus und sammeln Spenden für lokale LGBTIQ-Organisationen. Es ist eine langfristige Kampagne, die viel Planung und Zeit verlangt. Auch wenn die Kampagne mit dem Bezwingen des Mount Everests in vier Jahren dann abgeschlossen sein wird, wollen Pink Summits nicht aufhören. Sie planen, einen Dokumentarfilm, einen Podcast und sogar ein Buch über ihre Reisen und Abenteuer zu produzieren. Auf diese Weise möchten sie mehr Menschen erreichen können.

Bereits heute kann man die Abenteuer von Pink Summits auf ihrem Blog und Instagram-Kanal verfolgen!

Schwierigkeiten fangen manchmal aber auch schon am Fusse eines Berges an, wie eine österreichische Regenbogenfamilie erleben musste. Die Bergbahn verweigerte ihr das Familenticket.


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