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Nach Mord in Dresden: Stadtrat entscheidet über Erinnerungsort

Der Täter hatte Anfang Oktober 2020 auf ein schwules Paar eingestochen, einer der Männer kam ums Leben

Dresden
Foto: CSD Dresden

Nach dem langen Gang durch die Gremien kommt der Antrag zum Erinnerungsort für die Opfer des homofeindlichen Anschlages auf der Schlossstrasse in Dresden nun in den Stadtrat.

Auf der Sitzung am 23. September wird abschliessend über das Thema entschieden werden.
Der Antrag selbst ist im Kulturausschuss leicht abgeändert worden. Die Beschlussempfehlung wurde schliesslich mit 11 Ja-Stimmen zu 2 Nein-Stimmen bei einer Enthaltung im Ausschuss für Kultur und Tourismus angenommen.

Darin heisst es: «Der Bürgermeister wird beauftragt, die Schaffung eines Erinnerungsortes an die Opfer homophob und transphob motivierter Gewalt im Bereich Schlossstrasse /Rosmaringasse konzeptionell vorzubereiten. Dazu ist eine Arbeitsgruppe unter Einbeziehung des Bundesstiftung Magnus Hirschfeld, des CSD Dresden und dem Gerede Dresden e.V. zu gründen.»

Dem Stadtrat soll dann bis zum 30. März 2022 ein Vorschlag zur Gestaltung des Erinnerungsortes vorgelegt werden. Der CSD Verein äusserte sich gegenüber MANNSCHAFT zuversichtlich.


«Der CSD Dresden hat sich nachdrücklich für ein würdiges Gedenken an die Opfer des islamistischen Mordanschlags vom 4. Oktober 2020 eingesetzt. Wir haben dafür einen Erinnerungsort an die Opfer homophober Gewalt am Ort dieser schrecklichen Tat vorgeschlagen.
Der Stadtrat der Landeshauptstadt Dresden soll nun am 23. September die Schaffung eines solchen Erinnerungsortes an die Opfer homo- und transphober Gewalt beschliessen. Das begrüssen wir ausdrücklich.»

Wir wollen, dass sich eine Gedenkkultur entwickelt, um nachhaltig Homo- und Transfeindlichkeit entgegenzutreten.

Man werde sich in dieser Arbeitsgruppe konstruktiv einbringen und auf eine zügige Umsetzung drängen. «Über die genaue Ausgestaltung werden wir in der Arbeitsgruppe sprechen. Uns ist aber wichtig, dass es nicht nur ein physischer Ort wird, sondern dass sich auch eine Gedenkkultur dazu entwickelt wird – mit Veranstaltungen, Kunst oder auch Bildungsangeboten, um nachhaltig Homo- und Transfeindlichkeit entgegenzutreten», so der CSD Dresden.

Der Verein hatte wenige Wochen nach dem tödlichen Angriff am Tatort eine Mahnwache veranstaltet. Rund 300 Menschen hatten mit einer Schweigeminute des Opfers der Messerattacke gedacht.


Bei dem Angriff am Abend des 4. Oktober hatte der Täter unvermittelt auf die beiden Touristen (55 und 53 Jahre alt) eingestochen, ein schwules Paar aus NRW (MANNSCHAFT berichtete). Der polizeibekannte islamistische Extremist soll mehrere Küchenmesser bei sich getragen haben.

Die FDP-Fraktion der Stadt hatte im Herbst 2020 erklärt, man befürworte das Anliegen des CSD Dresden, dass die Stadt eine angemessene Form des Gedenkens an den am 4. Oktober ermordeten Thomas L. finde. Mit Dirk Hilbert stellt die Partei den Oberbürgermeister in Dresden.


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