Mehr als Lindenbergs Band – Doku stellt Panikorchester in Fokus
Statements gegen Homophobie und Rechtsradikalismus spielten immer eine Rolle
Udo Lindenberg ist ein beeindruckender Mensch und Musiker. Doch ohne die Band in seinem Rücken wäre er wohl so weit nicht gekommen. Was das Panikorchester ausmacht, zeigt nun eine Doku.
Von Christiane Bosch
Wer «Panikorchester» hört, denkt in aller Regel sofort an Udo Lindenberg. Die Mitglieder dieser bunten Familie stehen deshalb meist im Schatten des Rockers. Das will eine Arte-Doku im Jahr des 50. Bandjubiläums ändern. Die Dokumentation «Udo Lindenberg & das Panikorchester – 50 Jahre Rock ’n‘ Roll in der bunten Republik» schaut dabei nicht nur auf die fünf Jahrzehnte der Band und ihrer Mitglieder. Es geht auch darum, was hinter den Kulissen los war und welche Verdienste sich die Kombo und Lindenberg auf die Fahnen schreiben können.
Natürlich ist das Panikorchester ohne Udo Lindenberg kein Panikorchester. Deshalb ist es selbstverständlich auch eine Doku, die sich um Udo dreht. Aber sie zeigt die Perspektiven der anderen auf ihn. Die Gedanken der Panikfamilie bekommen Platz, sie dürfen sich erinnern und ihren Frontmann und die gemeinsame Geschichte würdigen.
Und nicht nur die. Zu Wort kommen beispielsweise auch Otto Waalkes, Clueso, Jan Delay, Adel Tawil, Peter Maffay und Axel Prahl – Menschen, die Lindenberg und seiner Band menschlich und/oder musikalisch verbunden sind.
Die vom MDR gemachte Doku lässt auch Platz, um Lindenbergs klare politische Einstellungen hervorzuheben – Lindenberg hat sich früh gegen Homophobie, Intoleranz, Rechtsradikalismus und Krieg stark gemacht. Das hat er auch immer öffentlich vertreten – auch bei Auftritten in der damaligen DDR.
Sie haben mir die Schminke ins Gesicht gemalt, mir gezeigt, wie man das macht mit den grösseren Augen.
Gegenüber der MoPo erklärte er vor drei Jahren in einem Interview, in Hamburg habe er sich einst auch von der Schwulenszene inspirieren lassen. «Ich hatte immer David Bowie im Ohr. Der hat sich zu der Zeit auch neu erfunden als Ziggy Stardust.»
In der Schwulenszene und bei den Drags habe er sich einiges abgeschaut: «Sie haben mir die Schminke ins Gesicht gemalt, mir gezeigt, wie man das macht mit den grösseren Augen. Wie du noch ’ne Ecke schärfer aussiehst. Das haben die ja total drauf.» Es habe damals auch die deutschen Bands gegeben, die in Jute, Sack und Lumpen auftraten, eine richtige deutsche Rockglamourband habe es nicht gegeben.
Natürlich dreht sich die Doku auch um Zwischenmenschliches, das das Panikorchester miteinander erlebt hat. In den 50 Jahren haben etliche Musiker aus verschiedensten Gründen die Band verlassen – manchen war es musikalisch zu wild oder zu abgedreht, anderen zu feucht-fröhlich. Auch Gründungsmitglieder kehrten dem Panikorchester zwischenzeitlich den Rücken – Steffi Stephan, Udos bester Freund ist einer von ihnen.
Das führte zu noch mehr Alkoholexzessen, Konzerte fielen aus, die Hallen wurden kleiner – die Stammbesetzung des Panikorchesters fiel kurz vor dem Fall der Mauer auseinander. Das gab anderen Musikern die Chance, mit Lindenberg Musik zu machen.
Wie sich das Panikorchester am Ende wieder gefunden, und nicht nur zu alter, sondern auch zu neuer Stärke gefunden hat, zeichnet die Arte-Doku kurzweilig nach. Fans von Lindenberg und Panikorchester können mit vielen alten sowie neuen Bildern und Videos in die Panikwelt abtauchen.
«Udo Lindenberg & das Panikorchester – 50 Jahre Rock ’n‘ Roll in der bunten Republik» läuft diesen Freitag auf Arte, 21.45 Uhr)
Das könnte dich auch interessieren
Lust
Umfrage in Deutschland: Gruppensex ist verbreiteter, als du denkst
Zwei von drei Befragten haben ihre Fantasien ausgelebt und Sex mit mehreren Partner*innen gleichzeitig erlebt. Eifersucht sei dabei kein grosses Thema, wie die Umfrage der Erotikcommunity Joy Club ergibt.
Von Newsdesk Staff
Queer
Musik
«Leute sollen meine Musik nicht nur hören, weil ich eine queere Frau bin»
Soukey ist gerade mit ihrem neuen Album auf Tour
Von Newsdesk Staff
Unterhaltung
Schweiz
People
USA
Bekommt Trumps schwuler Buddy Richard Grenell UN-Botschafterposten?
Während seiner Zeit in Berlin machte sich Richard Grenell als US-Botschafter wenig Freunde (Jens Spahn offenbar abgesehen).
Von Newsdesk/©DPA
News
International
Kultur
International
Trinidad und Tobago verbieten Homosexualität erneut
Ein Berufungsgericht in Trinidad und Tobago hat einvernehmliche gleichgeschlechtliche sexuelle Beziehungen im Land wieder unter Strafe gestellt. Ein LGBTIQ-Aktivist aus dem Land hatte die Legalisierung vor sieben Jahren erwirkt.
Von Newsdesk Staff
Schwul
News
Politik