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++ FDP-General kritisiert Kapitänsbinde ++ Berlin hisst Bi-Flagge ++

Die LGBTIQ News: kurz, knapp, queer

Nationalspieler Jonas Hofmann zeigt die neue Kapitänsbinde (Foto: Sebastian Gollnow/dpa)

Für den schnellen Überblick: Unsere LGBTIQ-News aus Deutschland ab dem 19. September 2022.

++ FDP-Generalsekretär kritisiert Kapitänsbinde ++

Bijan Djir-Sarai hat falsche Rücksichtnahmen der deutschen Nationalmannschaft auf den WM-Gastgeber Katar kritisiert. «Wenn man glaubwürdig gegen Diskriminierung und für Menschenrechte und Vielfalt einstehen möchte, dann sollte man auch das notwendige Rückgrat haben. Auch – und insbesondere – in einem Land wie Katar, in dem die Lage der Menschenrechte immer noch problematisch ist», sagte der FDP-Politiker der Deutschen Presse-Agentur am Freitag.

Er reagierte auf die Präsentation einer der Regenbogenflagge ähnelnden Farbgebung einer Kapitänsbinde der DFB-Elf und anderer grosser Fussball-Nationen wie England, Frankreich oder den Niederlanden (MANNSCHAFT berichtete). (dpa)

++ Flaggenhissung zum Tag der Bisexualität ++

Zum Internationalen Tag der Bisexualität am Freitag hisst Berlins Senatorin für Justiz, Vielfalt und Antidiskriminierung Lena Kreck mit dem Verein BiBerlin vor dem Dienstgebäude der Senatsverwaltung für Justiz, Vielfalt und Antidiskriminierung die «Bi-Flagge».


LGBTIQ
Foto: Paul Zinken/dpa

«Berlin als Regenbogenstadt muss sicherstellen, dass das ‹B› nicht nur im Akronym LGBTIQ mit erwähnt wird, sondern auch beachtet und sichtbar wird. Mit der Beflaggung setzt Berlin ein klares Zeichen für die Sichtbarkeit von Bi+ Personen und gegen Ausgrenzung», so Kreck.

++ Geschlechtliche und sexuelle Vielfalt in der Sozialen Arbeit ++

Mit der Pluralität der Lebens- und Liebeskonzepte seien auch Fachkräfte in der Sozialen Arbeit gefordert, denn sexuelle Minderheiten sollten die Unterstützung erhalten, die sie sich wünschen und auf die sie ein Recht haben. Dem will das Weiterbildungsreferat am Fachbereich Sozialwesen der FH Münster mit einem neuen Angebot Rechnung tragen: Der Hochschulzertifikatskurs «Geschlechtliche, sexuelle und amouröse Vielfalt in der Sozialen Arbeit» wurde entwickelt.

«Das Ziel ist es, die Fachkräfte in ihrer Regenbogenkompetenz zu stärken, damit sie professionell, vorurteilsbewusst und diskriminierungsfrei mit der Pluralität sexueller Orientierungen und geschlechtlichen Identitäten umgehen können», so Referentin Ellen Bogorinsky. «Wir richten uns mit dem Kurs an Fachkräfte aus gesundheits- und sozialberuflichen Arbeitsfeldern, also unter anderem an Fachkräfte der Sozialen Arbeit, Erziehungswissenschaften, Heilpädagogik und Psychologie.» Für den Kurs ab Februar 2023 sind jetzt Anmeldungen möglich.


++ Gremium gegen Anti-LGBTIQ-Gewalt steht ++

Für Dienstag Nachmittag hatte das Bundesministerium des Innern zur Auftaktsitzung des Arbeitsgremiums «Bekämpfung homophober und transfeindlicher Gewalt» eingeladen. Das unabhängige Expertengremium aus Wissenschaft, Praxis und LGBTIQ-Community soll über konkrete Handlungsempfehlungen beraten. Ziel ist u.a., das Dunkelfeld bei anti-queerer Hassgewalt aufzuhellen.

Homophobe und transfeindliche Hassgewalt sichtbar machen und besser bekämpfen. Das ist das Ziel eines Expertenkreises, der sich heute zum ersten Mal im BMI getroffen hat. Vertreter von Sicherheitsbehörden, Wissenschaft und der queeren Community arbeiten gemeinsam an Lösungen. pic.twitter.com/7Omo0Zob0S

— Bundesministerium des Innern und für Heimat (@BMI_Bund) September 20, 2022

Bei den registrierten Straftaten gegen LGBTIQ haben die Polizeibehörden im vergangenen Jahr eine deutliche Steigerung festgestellt: Straftaten aufgrund der sexuellen Orientierung sind um rund 50 Prozent auf 870 Delikte angestiegen. Im Themenfeld «Geschlecht oder sexuelle Identität» sogar auf 340 Delikte (plus 66 Prozent).

++ Queere Geflüchtete werden besser geschützt ++

Eine entsprechende Dienstanweisung aus dem Bundesinnenministerium für das BAMF soll ab Oktober gelten. Dies wird von Filiz Polat, stellvertrtendes Mitglied im Innenausschuss, und Ulle Schauws, LGBTIQ-Sprecherin (beide Grüne), begrüsst: «Dass der Staat vorschreibt, dass Menschen in Ländern, in denen sie aufgrund ihrer sexuellen Identität verfolgt werden, diskret zu leben haben und in dessen Folge kein Asyl erhalten, war und ist ein Skandal. Es ist gut, dass die Ampel diese Vorgabe jetzt abschafft.» Auch der LSVD zeigt sich «glücklich und erleichtert»; die SPDqueer spricht von einer mehr als «überfälligen und klaren Absage» an das Diskretionsgebot.

Das sind echt gute Nachrichten! 🏳️‍🌈🏳️‍⚧️ Danke an @NancyFaeser, die mit der Abschaffung des sogenannten #Diskretionsgebot|es dafür sorgt, dass #LSBTI, die in ihren Herkunftsländern nicht frei und sicher leben können, endlich konsequent Schutz bei uns erhalten!

— Saskia Esken (@EskenSaskia) September 20, 2022

Polat und Schauws weiter: «Asylanträge von LGBTIQ-Geflüchteten dürfen nicht mehr mit Verweis auf ein ,diskretes‘ Leben oder Prognosen über ein zukünftiges Coming-out im Herkunftsland abgelehnt werden. Damit folgt unsere Koalition nicht zuletzt höchstrichterlicher Rechtsprechung des EuGH und des BVerfG: Das Diskretionsgebot ist und war unzulässig.» Man erwarte nun, dass bei allen laufenden behördlichen Verfahren die Bescheide zeitnah korrigiert würden.

++ Demos zum Abtreibungsrecht ++

Der Streit ums Abtreibungsrecht hat einige Tausend Menschen in Berlin auf die Strasse gebracht. Am Brandenburger Tor demonstrierten am Samstag Abtreibungsgegner mit einem «Marsch für das Leben». Nach Angaben eines Polizeisprechers vom Sonntag kamen zu Spitzenzeiten rund 3000 Menschen zusammen, die Veranstalter sprachen von etwa 4000.

Es gab auch mehrere Gegenproteste, an denen nach Schätzung der Polizei etwa 600 Menschen teilnahmen. Sie hielten dort Schilder hoch, die zum Beispiel «Schluss mit der Kriminalisierung von Abtreibungen» forderten. Die Veranstalter*innen der queer-feministischen Demos sprachen von 800 Teilnehmer*innen. Bei den Demos sei es vereinzelt zu Störungen gekommen, sagte der Polizeisprecher. So habe etwa eine kleinere Gruppe versucht, den Start des «Marsch für das Leben» am Brandenburger Tor zu stören.

++ Schäuble tritt 2025 nicht mehr an ++

Der frühere Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble will nach der laufenden Legislaturperiode nicht noch einmal für den Bundestag kandidieren. Im Interview mit dem Tagesspiegel (Sonntag) antwortete er auf die Frage, ob er noch einmal im Jahr 2025 antreten würde: «Nein, aber das ist nicht einmal eine Nachricht wert.» Schäuble ist am Sonntag 80 Jahre alt geworden. Der gelernte Jurist gehört dem Bundestag seit 1972 an und ist damit dienstältester Abgeordneter.

Im Tagesspiegel machte der CDU-Politiker klar, dass er zwar konservativ geblieben sei, sich einige Haltungen aber auch geändert hätten. «Als ich ein junger Mensch war, hat man in Deutschland noch eine Zeit lang gebraucht, um zu begreifen, dass zum Beispiel die Diskriminierung von Homosexualität völlig indiskutabel ist. Auf der anderen Seite finde ich es nach wie vor legitim, zu sagen, dass in der Biologie die Zweigeschlechtlichkeit zur Fortpflanzung die Regel ist», sagte Schäuble.

++ Mehr Hochzeiten in Hamburg ++

Während 2021 für viele heiratswillige Paare wegen der coronabedingten Einschränkungen eher schwierig war und einige deshalb ihre Trauung abgesagt oder verschoben haben, wurden im ersten Halbjahr dieses Jahres wieder mehr Ehen geschlossen. So haben zwischen Januar und Juni in Hamburg 2158 Paare Ja gesagt, sagte ein Sprecher des zuständigen Bezirksamtes Harburg der dpa. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres waren es 2065, also 93 weniger. Unter den Liebenden im ersten Halbjahr 2022 waren 114 gleichgeschlechtliche Paare, 14 mehr als Vorjahreszeitraum.

Gleichzeitig liegen die Zahlen damit weiterhin unter denen der Vor-Corona-Zeit: 2020 haben sich 4780 Paare trauen lassen, 2019 waren es noch fast 6000.

++ Berlin Art Week ++

Mit ,Art Extravaganza‘ lädt der Potsdamer Platz während der Berlin Art Week zu einer frei zugänglichen Kunstausstellung ein, die von Brookfield Arts zusammen mit der Kunstagentur Alter-Projects kuratiert wurde. Die Ausstellung bietet mit ihren zahlreichen Werken, die auf einem Kunstpfad zu erkunden sind, einen Blick in die ikonische Vergangenheit des Potsdamer Platz und erfindet damit das historische Epizentrum von Kultur und Erlebnis neu. Insgesamt acht renommierte nationale und internationale Künstler*innen zeigen ihre Werke in «The Playce» und an unterschiedlichen Orten im Potsdamer Platz Quartier.

LGBTIQ
Esra Gülmen (Foto: Promo)

Das Eingangstor der «Esravaganza World» wurde von der in Berlin lebenden, türkischen Künstlerin Esra Gülmen geschaffen, die in ihren Arbeiten oft Typographie und Bilder verschmelzen lässt und gegenseitig ergänzt. Das farbenfrohe Tor zeigt Katzen, Regenbogen und Sprechblasen, die ihre Wertschätzung für Popkultur und die Berliner LGBTIQ-Szene ausdrücken sollen.


Regenbogenbinde

Manuel Neuer mit Pseudo-Regenbogenbinde bei WM in Katar

Kirche

Pro Homosexuelle, pro Frauen: Katholische Reformkräfte gehen voran