«Es reicht nicht, am 17. Mai die Regenbogenfahne auszupacken»
Der Schutz von inter Kindern und Jugendliche wird angemahnt
Inter Kinder und Jugendliche sollen vor nicht-notwendigen medizinischen Eingriffen geschützt werden. Das fordern 60 Organisationen in einem offenen Brief.
«Die Bundesregierung muss endlich ihren Job erledigen und ein Gesetz zum Schutz von intergeschlechtlichen (VdG) Kindern und Jugendlichen vorlegen. Wie lange sollen wir noch warten?“ ärgert sich Luan Pertl, Vorstandsmitglied des Vereins Intergeschlechtlicher Menschen Österreich (VIMÖ) sowie Mitglied der Plattform Intersex Österreich. «Bis heute erleben intergeschlechtliche Kinder und Jugendliche medizinische Eingriffe, die weder selbstbestimmt noch notwendig sind. Das führt oft zu grossem Leid, Traumatisierungen und körperlichen Beschwerden.»
Mit einem offenen Brief und einer Online-Petition richten sich über 60 Organisationen und bereits mehrere hundert Einzelpersonen an Gesundheitsminister Johannes Rauch, Justinisterin Alma Zadić und Familienministerin Susanne Raab. Die Minister*innen wurden bereits im Juni 2021 vom Nationalrat per Entschliessungsantrag aufgefordert, inter Kinder und Jugendliche vor nicht-notwendigen medizinischen Eingriffen zu schützen. Eingebracht haben den Antrag die Nationalratsabgeordneten Ewa Ernst-Dziedzic (Grüne) und Nico Marchetti (ÖVP). Auch SPÖ, Neos und FPÖ stimmten geschlossen dafür. Seit Herbst 2022 liege laut Justizministerin Zadić ein fertiger Gesetzesentwurf bei der ÖVP, wie aus der Beantwortung einer parlamentarischen Anfrage von Mario Lindner (SPÖ) hervorgeht.
Schon vor über drei Jahren wurde Österreich gerügt wegen unnötiger OPs an inter Kindern: Der UN-Ausschuss für die Rechte des Kindes forderte, Genital-Verstümmelungen und sonstige nicht-notwendige und nicht-konsensuelle Behandlungen zu unterlassen (MANNSCHAFT berichtete).
Als inter bezeichnen sich Menschen mit Variationen der Geschlechtsmerkmale (VdG). Auch der Verein Klinefelter* Inter und die MRKH Austria Selbsthilfegruppe unterstützen die Petition und den offenen Brief. «Wenn ein paar Jahre mehr gewartet werden kann mit einem medizinischen Eingriff, auch wenn die Diagnose bereits steht, dann muss nicht zwingend operiert werden, sondern besser wäre, wenn man noch warten kann, mehr Zeit dafür ist, sich selbst noch damit zu befassen. Damit wäre vielen von uns sehr geholfen», sagt Elizabeth Higgins Pösinger, stellvertretend für die Selbsthilfegruppe MRKH Austria (Mayer Rokitansky Küster Hauser Syndrom Frauen* Selbsthilfegruppe Österreich).
Es reicht nicht am 17. Mai oder im Pride-Monat Juni die Regenbogenfahne auszupacken.
«Es reicht nicht am 17. Mai oder im Pride-Monat Juni die Regenbogenfahne auszupacken, wenn im restlichen Jahr nicht an der Verbesserung der Lebensrealitäten von LGBTIQ-Menschen gearbeitet wird. Die Bundesregierung muss endlich ein Gesetz zum Schutz von intergeschlechtlichen Kindern und Jugendlichen vorlegen», sagt Mart Enzendorfer, Obmensch der Plattform Intersex Österreich.
«Geschlechtliche Vielfalt ist keine Bedrohung, sondern eine Bereicherung. Kinder mit Variationen der Geschlechtsmerkmale müssen endlich wirkungsvoll geschützt werden», ergänzt Wolfgang Rögner vom Verein Klinefelter*Inter.
Das könnte dich auch interessieren
Religion
Zentralkomitee-Chefin kritisiert Bischöfe – auch wegen Umgang mit Homosexuellen
Die Präsidentin der katholischen Laien verliert die Geduld.
Von Newsdesk/©DPA
Deutschland
News
Gesellschaft
USA
Nach Schiesserei in Minneapolis – Massive Hetze gegen trans Community
Der Bürgermeister und Menschenrechtsorganisationen warnen vor Schuldzuweisungen. Derweil wird untersucht, ob Hass auf die katholische Kirche zur Tat geführt haben könnte.
Von Newsdesk Staff
Polizei
Bildung
Religion
News
TIN
Kultur
Genderverbot in Behörden? Es geht auch anders
Der deutsche Kulturstaatsekretär Weimer will Gendern auf Behördenebene verbieten. Seine Kolleg*innen zogen nicht mit. Einige Städte etwa in der Schweiz zeigen aber, wie es gehen kann.
Von Michael Freckmann
Deutschland
Gendern
TIN
Politik
Schweiz
Hamburg
Nach schwulenfeindlicher Bedrohung – Hinweise dringend erbeten
Ein 55-Jähriger wird auf St. Pauli homofeindlich beleidigt und bedroht. Der Täter flieht. Die Polizei bittet nach dem Vorfall um Hinweise aus der Bevölkerung.
Von Newsdesk Staff
Schwul
News