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Generation Z: Immer mehr Jugendliche outen sich vor Eltern

US-Wissenschaftler haben untersucht, wie sich das Coming-out-Verhalten von männlichen Teenagern verändert hat, sie sich nicht als heterosexuell identifizieren

Generation Z
Mit Generation Z sind diejenigen gemeint, die zwischen 1998 und 2018 geboren wurden (Symbolfoto: Joel Bengs / Unsplash)

Die Zahl von schwulen und bisexuellen männlichen Teenagern der Generation Z, die sich gegenüber ihren Eltern outen, hat ein Rekordhoch erreicht. Das ist das Ergebnis einer neuen US-Studie.

Seit 2005 habe es bei männlichen Teenagern einen Zuwachs von 60 Prozent gegeben, die sich als schwul, bisexuell, queer bzw. questioning oder pansexuell identifizieren, schreiben die US-Forscher in ihrem Bericht. Und ergänzen, dass es bisher keine parallelen Untersuchungen dazu gegeben habe, wie der entsprechende Coming-out-Prozess bei Mitgliedern der Generation Z verlaufen sei. Mit Generation Z sind diejenigen gemeint, die zwischen 1998 und 2018 geboren wurden.

Ihnen und ihrem Coming-out-Verhalten widmet sich die neue Studie. An ihr nahmen 1.194 schwule, bisexuelle, queere und pansexuelle Jugendliche im Alter von 13 bis 18 Jahren teil, deren Geschlecht bei Geburt als «männlich» bestimmt worden war. Die Studie war Teil eines HIV-Projekts und wurde zwischen Januar 2019 und Januar 2020 durchgeführt, also kurz vor der Corona-Pandemie.

Die Ergebnisse wurden in dem Fachblatt Psychology of Sexual Orientation and Gender Diversity veröffentlicht. Sie zeigen, dass 66 Prozent der Teilnehmer sich gegenüber ihren Müttern geoutet haben, aber nur 49 Prozent gegenüber ihren Vätern. Das sei ein deutlicher Zuwachs verglichen mit bisher vorliegenden Zahlen zu älteren Generationen. In den 1990er-Jahren waren beispielsweise nur 40 Prozent der männlichen Jugendlichen gegenüber ihren Müttern geoutet und weniger als 30 Prozent gegenüber ihren Vätern.


Vorsicht geboten
Auch wenn man die abstrakten Zahlen als positiv einstufen kann, verweist Dr. David A. Moskowitz als Leiter der Studie darauf, dass es immer noch Hürden gibt, die es zu überwinden gelte. «Die Studie stimmt hoffnungsvoll, weil sie zeigt, dass viele Teenager sich wohl fühlen mit ihrer Sexualität», sagt Moskowitz. «Gleichzeitig ist Vorsicht geboten, denn die Ergebnisse der Umfrage deuten auch auf Diskriminierungen hin, die schon frühere Generationen betroffen haben. Es liegt also noch Arbeit vor uns», so Moskowitz. (MANNSCHAFT berichtete über einen Mann, der erst mit 90 den Mut zum Coming-out fand.)

Die Studie stimmt hoffnungsvoll, weil sie zeigt, dass viele Teenager sich wohl fühlen mit ihrer Sexualität

Der Grad, inwieweit Jugendliche sich sicher fühlen, sich gegenüber ihren Eltern zu outen, hänge von Faktoren wie ethnischer Zugehörigkeit («Race»), Religion und Identität ab, heisst es. So waren beispielsweise weisse Jugendliche öfter geoutet als afro-amerikanische, schwule waren öfter out als bisexuelle. Und Teenager aus weniger religiös geprägten Familien waren eher geoutet als solche aus stark religiösen Familien. (MANNSCHAFT berichtete über die Coming-out-Situation von Jugendlichen mit Migrations- und Fluchthintergrund in Deutschland.)

Was ist mit jungen Frauen?
«Daraus lassen sich die Faktoren ableiten, die Teenager beeinflussen, wenn sie entscheiden, ob sie Informationen über ihre Sexualität mit denen teilen, die ihnen am nächsten stehen», meint Moskowitz. «Wir können das jetzt Punkt für Punkt vergleichen mit der Situation von älteren Männern und fragen, was das für künftige Generationen bedeutet.»


Laut Moskowitz habe die Studie eine Tür geöffnet, um Fragen rund um Sexualität innerhalb der Generation Z weiter zu untersuchen, dazu gehöre auch die Frage, wie es ums Coming-out von jungen Frauen stehe. «Unsere Ergebnisse bilden so etwas wie einen Fahrplan für weitere Studien», sagt der US-Wissenschaftler. «Bis dahin sind diese ersten Ergebnisse hilfreich für alle, die mit Teenagern arbeiten, die sich einer sexuellen Minderheit zugehörig fühlen.»

 


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