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Erfurt will «Hass-Bus» der Demo für alle stoppen

Der Lesben- und Schwulenverband Thüringen ruft für Sonntag zur Gegenkundgebung auf

Demo für alle
Symbolbild: Pixabay

Der sogenannte «Hass-Bus» der Demo für alle tourt vom 6. bis 12. September wieder durch Deutschland. Am kommenden Sonntag machen die erzkonservativen Aktivist*innen Station in Erfurt. Der LSVD ruft zur Gegenkundgebung.

Die Bewegung Demo für alle selbst nennt ihn «Bus der Meinungsfreiheit» und macht Stimmung gegen das Thematisieren von sexueller und geschlechtlicher Vielfalt im Unterricht. Man will ein Zeichen «für den Schutz unserer Kinder und gegen Kindesmissbrauch» setzen. Zum Protest dagegen ruft der LSVD auf.

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«Die Demo für alle ist ein antifeministisches Bündnis aus dem ultrakatholischen Spektrum, das regelmässig gegen die Akzeptanz von LGBTIQ Stimmung macht», heisst es in der Ankündigung des LSVD Thüringen. Er ruft unter dem Motto «Kein Millimeter nach Rechts – Queerfeindlichkeit konsequent entgegenstellen!» gemeinsam mit weiteren Organisationen zu Protesten in Erfurt auf. Auch die CSD-Vereine aus Erfurt, Jena und Weimar, die Mitte Oktober zur gemeinsamen Pride einladen (MANNSCHAFT berichtete), rufen zur Teilnahme auf.



Die Anhängerschaft aus dem «Hass-Bus» der Demo für alle wolle aus Kita und Schule verdrängen, was heute schon Realität ist, heisst es in der Ankündigung weiter. «Familien und Kinder sind vielfältig. Diese Vielfalt muss sich genauso in Kinder- und Schulbüchern wiederfinden, wie auch im Unterricht.»

Die Demo-für-alle-Bewegung sieht darin einen Angriff auf Ehe und Familie. «Statt Kinder und Jugendliche vor Anfeindungen und Ausgrenzungen zu schützen, gefährdet sie besonders junge Menschen mit ihren kruden Thesen», erklärt Sabine Stelzl aus dem Landesvorstand LSVD Thüringen.

Initiatorin der bundesweiten Stimmungsmache ist Hedwig von Beverfoerde. Das ehemalige CDU-Mitglied ist Autorin der rechtpopulistischen Freien Welt und war lange Zeit Sprecherin der Initiative Familienschutz um die AfD-Politikerin Beatrix von Storch.


Beverfoerde und ihre Mitstreiter*innen polemisieren gegen Vielfalt und Aufklärung im Unterricht. Lehrpläne mit dem Ziel, Homophobie abzubauen und eine offene, respektvolle Gesellschaft zu schaffen, werden von Hedwig von Beverfoerde und den evangelikalen Christ*innen um sie herum als «übergriffiger Sex-Unterricht» verleumdet.

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Es gehe im Kern darum, die «natürlichen Schamgrenzen der Kinder und Jugendlichen zu überwinden und zu durchbrechen», wird etwa auf dem demofueralle.blog behauptet. Mit solchen Argumenten ist man ganz auf Linie der AfD, die immer wieder gegen «Frühsexualisierung» hetzt.

Bruder im Geiste der Demo für alle ist Polens Kommissar für Kinderrechte. Mikołaj Pawlak behauptet nämlich, Sexualerzieher*innen pumpten Kinder mit Drogen voll, um deren Geschlecht zu ändern (MANNSCHAFT berichtete).

Die Demo für alle unterstütze laut LSVD die Hetze gegen Lesben, Schwule, Bisexuelle, trans, inter und queere Menschen in Polen und agitiere gegen die Istanbul-Konvention, die sich für den Gewaltschutz von Frauen ausspricht. In Deutschland setze sich das LGBTIQ-feindliche Bündnis gegen die Aufnahme der Kinderrechte ins Grundgesetz ein und zeige damit «ihr wahres Verständnis von Kinderschutz».

Die Gegenkundgebung findet am Sonntag, den 6. September ab 11.30 Uhr auf dem Domplatz in Erfurt statt. Zwei Tage später, am Dienstag, will der Bus um 15 Uhr vor dem Roten Rathaus in Berlin Station machen.

Die Anti-LGBTIQ-Aktivist*innen kündigen eine siebentägige Bustour an, die erneut in Kooperation mit der Petitionsplattform CitizenGO durchgeführt werde. Man wolle «aufgrund pandemie-begründeter behördlicher Einschränkungen» auf weitere Kundgebungen verzichten.


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