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Disney-Film übers sexuelle Erwachen eines 13-jährigen Musicalcracks?

Im April kommt die Verfilmung von «Better Nate Than Ever» heraus – ob mit oder ohne Sex muss man abwarten

«Better Nate Than Ever»
Rueby Wood als Nate in der Filmversion von «Better Nate Than Ever» (Foto: Disney)

Die Disney Studios haben den ersten Trailer der Verfilmung des Jugendbuchs «Better Nate Than Ever» veröffentlicht und bekannt gegeben, dass der Film ab 1. April bei Disney+ verfügbar sein werde. Es ist die Geschichte des 13-jährigen schwulen Jungen Nate Forster und seiner schier grenzenlosen Broadwaymusicalleidenschaft.

Die Young-Adult-Romanvorlage hatte 2013 Tim Federle geschrieben, selbst ein musicalbessener schwuler Mann, der später für Disney die Serie «High School Musical: The Musical: The Series» entwickelte, in der es darum geht, dass die Schüler in Salt Lake City – an der Schule, wo einst der Zac-Efron-Film gedreht wurde – eine Bühnenversion des Filmmusicals rausbringen wollen.

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Dabei kommen mehrere LGBTIQ-Figuren in Nebenrollen vor, aber Schlagzeilen machte das Ganze erst, als sich Joshua Basset als Darsteller der heterosexuellen Hauptrolle Ricky als nicht-heterosexuelle outete. Auf Instagram schrieb er: «Es ist 2021. Wir sind eine Generation der Liebe und Weiterentwicklung. Ob ihr mich mögt oder hasst oder mir die Hölle wünscht, ich hab‘ euch alle gleich lieb.»

Weiter hiess es: «Liebt diejenigen, die ihr liebt, ohne Scham. Es ist okay, wenn man noch herausfindet, wer man ist. Das Leben ist zu kurz, um Ignoranz und Hass gewinnen zu lassen. Ich entscheide mich für die Liebe.» Unter dem Text fanden sich Herzen in den Farben des Regenbogens.


«Boyfriends in Real Life»
Weniger als einen Monat später outete sich Bassetts «HSM»-Kollege Larry Saperstein via TikTok als bi – mit einem 15-sekündigen Videoclip zur Pride-Saison. Beide, also Bassett und Saperstein, spielen in der Serie heterosexuelle Charaktere. Nochmals einen Monat später erklärten Frankie Rodriguez und Joe Serafini, dass sie nicht nur in der Serie als Carlos und Seb, sondern auch «IRL» («in real life») Boyfriends seien. Einige Kommentaror*innen fragten damals ironisch, ob in der Serie überhaupt noch jemand mitspiele, der heterosexuell sei.

 

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Worum geht’s in «Better Nate Than Ever»? Nate Foster aus dem mittleren Westen der USA bricht ohne Erlaubnis seiner Eltern mit dem Bus nach New York City auf, um an einer Audition für ein neues Musical teilzunehmen. Im Original handelt es sich dabei um «E.T.: The Musical» (Nate hofft auf die Rolle des Elliott oder des Ausserirdischen), in der neuen Filmfassung wird daraus «Lilo & Stitch». Disney lässt bekanntlich keine Gelegenheit aus, eigene Klassiker zu promoten und neu ins Bewusstsein nachwachsender Generationen zu rücken. (MANNSCHAFT berichtete über das neue Musical von Florian Klein und Thomas Zaufke, das in der schwulen Pornoindustrie von Los Angeles spielt.)

Das mit dem Vorsprechen und -singen in New York läuft für Nate nicht ganz so, wie er sich das gedacht hat. Und so braucht er in der fremden grossen Stadt Hilfe. Er wendet sich in seiner Not an seine Tante, mit der die Familie seit Jahren jeden Kontakt abgebrochen hatte. Diese Tante hatte einst selbst Showbusinessträume – und arbeitet jetzt als Kellnerin. Gespielt wird sie von der grandiosen Lisa Kudrow.


«Better Nate Than Ever»
Die Taschenbuchausgabe von Tim Federles Roman

Tante Heide kommt ihrem Neffen zu Hilfe und päppelt ihn für die Audition auf. Als aus seinem Kurzausflug nach NYC mehrere Tage werden, gibt sie ihm auch einen Schlafplatz, bei dem Nate – zumindest im Roman – ihren schwulen Mitbewohner kennenlernt, der ebenfalls als Kellner arbeitet.

Sexuelles Erwachen eines Teenagers
Während Simon James Green in seinem jüngsten YA-Buch die Geschichte eines 11-Jährigen erzählt, der noch nicht weiss, dass er queer ist – obwohl man das als Leser*in durchweg ahnt – und der entsprechend auch (noch) nicht über Fragen rund um Sex nachdenkt (MANNSCHAFT berichtete), ist das bei «Better Nate Than Ever» anders.

Aufgrund seiner Musicalbegeisterung wird Nate permanent gefragt, ob er schwul sei. Er antwortet immer ausweichend und meint, dafür sei er zu jung und habe darüber noch gar nicht nachgedacht. Aber gleichzeitig gesteht er sich im Roman in inneren Monologen ein, dass er vom Mitbewohner seiner Tante angezogen wird und diesen als Vorbild sieht, wie er selbst irgendwann einmal als schwuler Mann-mit-Freund in New York leben will.

«Better Nate Than Ever»
Joshua Bassett (l.) in der Filmversion von «Better Nate Than Ever» (Foto: Disney)

Im Grund ist es die Geschichte von Joshua Bassett, der aber für die Rolle des Nate inzwischen zu alt ist, weswegen sie an Rueby Wood ging. Bassett spielt den vermeintlich heterosexuellen älteren Bruder Nates und leider nicht den Mitbewohner von Tante Heidi. Der ist als Rolle scheinbar aus der Besetzungsliste des Films gestrichen, vielleicht weil Disney das sexuelle Erwachen Nates aus dem Stoff herausnehmen wollte, um das Ganze «sauber» zu halten?

Hier ist jedenfalls der Trailer, der deutlich macht, wie Disney und Regisseur Federle den Stoff umgesetzt haben:

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Federle hat die Abenteuer seines Helden Nate übrigens fortgesetzt mit «Five, Six, Seven, Nate!» (2014) und «Nate Expectations» (2018), bevor er sich «HSM» widmete.

Disney+ und queere Storylines
Im Oktober wird bei Querverlag ein Buch zu Musicals aus LGBTIQ-Perspektive erscheinen, in dem auch das Phänomen der High-School-Musicals behandelt wird, inklusive Bassett, Efron, Federle und «Nate». Und während Disney+ die High-School-Serie «Love, Victor» nach der dritten Staffel abgesetzt hat (MANNSCHAFT berichtete), wird es mit «High School Musical: The Musical: The Series» weitergehen – dem Vernehmen nach sogar mit einer möglichen queeren Storyline für die von Bassett gespielte Rolle des Ricky.

Joshua_Bassett
Joshua Bassettauf dem Cover der Zeitschrift «Attitude» im Sommer 2021

Bassett selbst sagte in einem Interview mit der Zeitschrift Attitude, er sei «offen» für entsprechende Ideen der Drehbuchautor*innen und würde sich über Vorschläge freuen. Man darf also gespannt sein, was sich Disney traut – oder auch nicht. (MANNSCHAFT berichtete über die Disney+-Doku über das schwule Musicalgenie Howard Ashman, der für die Disney-Studios Erfolge wie «Little Mermaid», «Beauty and the Beast» und «Aladdin» schuf und in den 1990er-Jahren an AIDS starb.)


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