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Die Gay Ikone Julianne Moore wird 60

Die Donald-Trump-Gegnerin setzt sich für LGBTIQ-Rechte ein

60. Geburtstag
Bild: Facebook/Julianne Moore

Von «Boogie Nights»über «The Kids Are All Right» bis «Still Alice»: Julianne Moore gehört zu den wandelbarsten Schauspielerinnen von Hollywood. Die unverkennbare rote Mähne trägt die Oscar-Preisträgerin noch immer zur Schau und wird am 3. Dezember 60 Jahre alt.

In der Romanverfilmung «A Single Man» mit Colin Firth als homosexueller Literaturprofessor, der seinen Selbstmord plant, wird sie zur Alkoholikerin. Zweimal spielte Julianne Moore eine lesbische Partnerin, mit Annette Bening in der Familienkomödie «The Kids Are All Right», mit Ellen Page in dem Drama «Freeheld – Jede Liebe ist gleich».

Moore hat in diesem Sommer gegenüber Variety erklärt, dass sie sich heute unwohl fühlen würde, wieder eine queere Rolle zu übernehmen. Sie habe viel darüber nachgedacht, warum die Hauptdarstellerinnen von «The Kids Are All Right» Heteras waren. «Ich schaue zurück und denke mir: Ouch. Ich weiss nicht, ob wir das heute nochmal so machen würden und ob ich mich wohl dabei fühlen würde», so die Schauspielerin und erklärte, dass queere Schauspieler*innen queere Rollen übernehmen sollten. Auch wenn sie nach wie vor dankbar für die Rolle sei.

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Lange rote Haare, blasse Haut, hohe Wangenknochen: An diesen äusseren Markenzeichen ist Julianne Moore leicht zu erkennen- auch mit 60 Jahren, auf dem Cover der jüngsten Herbst-Ausgabe des Magazins DuJour. Hollywoods Verwandlungskünstlerin, mit einem Emmy, Oscar und Golden Globes in ihrer Trophäensammlung, feiert am 3. Dezember das runde Jubiläum.

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Coronabedingt dürfte dies keine grössere Feier werden. Mit Beginn der Pandemie sei sie mit ihrem Mann, dem Regisseur Bart Freundlich, und Tochter Liv aus Manhattan in ihr Landhaus auf Long Island gezogen, erzählt Moore im DuJour-Interview: «Mein Mann kocht, ich mache sauber», dazu Online-Yoga, Spaziergänge, Puzzles und Lesen als Zeitvertreib.

Noch vor der Corona-Krise entstand ihr jüngster Film «The Glorias» über das Leben der Journalistin und Frauenrechts-Ikone Gloria Steinem. Vier Schauspielerinnen stellen Steinem in unterschiedlichen Etappen ihres Lebens dar, darunter Alicia Vikander und Moore. Sie sei völlig «eingeschüchtert» gewesen, der heute 86-jährigen Feministin zu begegnen. «Sie ist so eine grossartige und beeindruckende Frau und der Inbegriff einer Aktivistin», schwärmt Moore.

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Der Hollywood-Star hat selbst längst den Ruf als liberale Kämpferin weg. Sie engagiert sich im Kampf gegen Waffengewalt, setzt sich für LGBTIQ-Rechte ein und gesellte sich lautstark zur Promi-Riege der Gegner von Donald Trump. So vertonte sie unter anderem eine kritische Doku über den scheidenden US-Präsidenten oder drohte keine Filme mehr in Georgia drehen zu wollen, sollte das homofeindliche Gesetz durchkommen (MANNSCHAFT berichtete). Die neuesten Entwicklungen in den USA zeigen, dass solche Einsätze dringend notwendig sind (MANNSCHAFT berichtete).

Steinem darzustellen habe sie als Schauspielerin sehr herausgefordert, sagt Moore, denn das Auftreten und die Stimme der Aktivistin seien sehr subtil und nuanciert. Doch genau das ist Moores grosse Stärke auf der Leinwand, die ihr in «Still Alice – Mein Leben ohne Gestern» (2015) – im fünften Anlauf – den ersten Oscar einbrachte. Als eine Linguistik-Professorin, die an Alzheimer erkrankt, ist ihre Darstellung gleichzeitig feinfühlig und doch schonungslos. Mit emotionaler Wucht und extrem berührend spielt sie die kranke Alice, die sich immer mehr verliert.

Julianne Moores Bandbreite vor der Kamera ist legendär – ihre erste Oscar-Chance hatte sie schliesslich als Pornodarstellerin in Paul Thomas Andersons «Boogie Nights» (1997), gefolgt von Nominierungen für die Graham-Greene-Verfilmung «Das Ende einer Affäre», «Dem Himmel so fern» und die Romanverfilmung «The Hours», mit Moore als lebensmüder Frau in den 1950er Jahren. In dem Horrordrama «Hannibal» mit Anthony Hopkins als Serienmörder wird sie zur FBI-Agentin Starling, unter der Regie von Alfonso Cuarón drehte Moore den Endzeitzeitthriller «Children of Men». In dem TV-Film «Game Change» wird sie zur umstrittenen US-Politikerin Sarah Palin, in dem Fantasy-Blockbuster «Tribute von Panem» zur Präsidentin Alma Coin.

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Es geht auch lustig – in der Beziehungskomödie «Maggie’s Plan» als egozentrische Ex-Ehefrau oder mit Komiker Steve Carell in «Crazy Stupid Love». 2016 begeisterte Moore in Hamburg bei der Verleihung der Goldenen Kamera mit einem ganz anderen Talent. Die Oscar-Preisträgerin bedankte sich für den Preis als «Beste Schauspielerin International» in gebrochenem Deutsch – und erzählte von ihrer Zeit als Teenager in Frankfurt am Main.

Ihr Vater war Militärrichter, und sie wuchs auf Stützpunkten in den USA, Panama und Deutschland auf. Ihren High-School-Abschluss machte sie 1979 an der American High School in Frankfurt. Sie erinnert sich gerne an den Karneval und an ihre Theatergruppe. Zurück in den USA studierte sie Schauspiel in Boston, dann ging es an Theaterbühnen in New York. Nach Fernsehrollen in Seifenopern und Mini-Serien schaffte sie den Sprung auf die Leinwand.

2003 heiratete Moore nach ihrer ersten kinderlosen Ehe mit dem Schauspieler John Gould Rubin ihren langjährigen Freund Bart Freundlich. Sie hatten sich in den 90er Jahren bei den Dreharbeiten zu dem Independent-Streifen «Das Familiengeheimnis» kennengelernt, bei dem Freundlich Regie führte. Zur Familie gehören Sohn Caleb (22) und Tochter Liv (18). Für ihren Mann trat Moore zusammen mit Michelle Williams im vorigen Jahr vor die Kamera. Das Familiendrama «After the Wedding» war ein Remake des dänischen Films «Nach der Hochzeit».

Freundlich hält auf seine Frau offenbar grosse Stücke. Als Moore nach Empfang des Oscars für «Still Alice» Backstage vor die Presse trat, dankte sie ausdrücklich ihrem Mann. Er habe vor langer Zeit als erster den Film im Rohschnitt gesehen und dabei geweint. Schon damals habe er prophezeit, sie werde dafür einen Oscar gewinnen, sagte Moore. (dpa)

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