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Bangkok: 62 Männer bei Chemsex-Party in Schwulensauna verhaftet

Sind Chemsex-Partys «das neue Normal» in Corona-Zeiten? In Thailand hat die Polizei eine solche Veranstaltung aufgelöst, auch in Deutschland nimmt deren Zahl zu

Chemsex
Ein Mann am Pool einer Sauna (Symbolfoto: Mikey Wu / Unsplash)

Bei einer Chemsex-Party in der Faros-Sauna in Bangkok, bei der es sich laut Travelgay um die «grösste Schwulensauna in Südostasien» handelt, hat die thailändische Polizei 62 Männer verhaftet, die gegen die strengen Covid-19-Regeln des Landes verstossen haben.

Der Vorfall ereignete sich nach Medienberichten am vergangenen Samstag, dem 22. Mai. Der Leiter der Polizeistation des Wang-Thong-Lang-Bezirks von Bangkok, Oberst Ekapop Tanprayoon, sagte der Nachrichtenagentur Reuters, die Einsatzkräfte hätten Drogen, Spritzen und gebrauchte Kondome bei der Razzia gefunden.

Laut Travel Gay seien Touristen in der Faros-Sauna zwar «willkommen», aber: «the crowd is mostly Thai», es seien also vor allem Einheimische dort anzutreffen. (MANNSCHAFT berichtete über die vermeintliche Toleranz der thailändischen Regierung gegenüber LGBTIQ-Urlauber*innen.)

Bis zu zwei Jahren Gefängnis und Geldstrafen
Oberst Tanprayoon betonte, dass die Polizei zuletzt Menschen dafür zurechtgewiesen habe, dass sie sich mit anderen zuhause getroffen hätten, um zu trinken. Er sagte, es sollte angesichts der aktuellen Corona-Lage «nicht so viele Menschen in überfüllten Räumlichkeiten» geben. Die Faros-Sauna habe, laut Polizei, 50 Ruheräume in einem Gebäude, einen grossen Outdoor-Swimmingpool sowie eine Karaoke-Halle in einem weiteren Gebäude.


In Bangkok habe die Regierung seit März eine Reihe von Wirtschaftszweigen geschlossen, um die dritte Corona-Welle zu brechen, das betreffe u.a. Bars und Bordelle. Es sei untersagt Alkohol in öffentlichen Räumlichkeiten zu konsumieren und es dürften sich nur maximal 20 Personen versammeln. Darauf weist das Portal Coconuts.co im Rahmen seiner Berichterstattung über die Faros-Sauna hin.

Den Organisatoren und Teilnehmern der Party drohen nun Strafen wegen Verstosses gegen diese Corona-Regeln. Bei der Razzia wurde auch der 63-jährige Besitzer der Sauna, Jinna Kritjinda, als Partygast verhaftet. Laut Oberst Tanprayoon drohen ihm und den anderen Teilnehmern bis zu zwei Jahre Gefängnis und Geldstrafen von 40.000 Baht (das entspricht zirka 1.145 Franken oder 1.044 Euro).

Oberst Tanprayoon erklärte, dass mindestens 30 Männer positiv auf Drogen getestet wurden. D.h. ihnen drohen zusätzliche Gerichtsverfahren wegen unerlaubten Drogenkonsums.


Reuters zufolge handle es sich um die grösste Razzia gegen Chemsex-Partys in Thailand während der aktuellen Pandemie, «ein guter Samariter» habe die Polizei kontaktiert und zur Faros-Sauna gerufen, sagte Oberst Tanprayoon.

«Chemsex ist das neue Normal»
Der Präsident der LGBTIQ-Gruppe «Bangkok Rainbow Organization», Nikom Chimkong, sagte der Nachrichtenagentur, dass solche Partys «das neue Normal» seien in Corona-Zeiten. 30 bis 40 Menschen würden demnach aktuell pro Monat seine Organisation kontaktieren, um PrEP zu erhalten als Vorbeugemassnahme gegen HIV. Vor Corona seien es weniger als 10 Anfragen gewesen. (MANNSCHAFT berichtete über eine neue Studie zu Chemsex unter schwulen und bisexuellen Männern.)

Die Entwicklung entspricht dem, was der Sexualmediziner Hannes Ulrich von der Charité in Berlin und Urs Gamsavar von der Deutschen AIDS Hilfe unlängst im Podcast Queer As Berlin erzählten. Sie sagten, dass viele schwule Männer auch in Deutschland momentan verstärkt auf Chems zurückgreifen würden bzw. mit dem Konsum überhaupt erst angefangen hätten, weil es «so schrecklich» gewesen sei, alleine zu sein im Lockdown. Oder: Treffen mit anderen seien «so angsterfüllt», dass Chems helfen, diese Angst zu vergessen.

Treffen mit anderen seien «so angsterfüllt», dass Chems helfen, diese Angst zu vergessen

Ausserdem hätten Leute während des Lockdowns mehr Zeit, um intensiver zu konsumierten. Gamsavar betont, dass Chemsex-Partys üblicherweise zuhause stattfänden. Während des Lockdowns hätten Nachbarn öfter als sonst die Polizei gerufen, weil auffallend viele Menschen ein und aus gingen. Die Beamten in Berlin hätten deswegen mehrere entsprechende Privatveranstaltungen «hochgehen lassen». Die Angst vor solchen «Party-Crashern» stresse schwule Männer massiv. (MANNSCHAFT berichtete über eine Fachtagung zu Chemsex und STIs in Köln.)

Der Sexualmediziner der Charité bestätigt, dass das Phänomen Chemsex nicht weniger, sondern in Corona-Zeiten «eher mehr» geworden sei. Das betreffe auch die Häufigkeit von Chemsex-Partys: Weil viele Menschen im Homeoffice seien und übliche Formen der sozialen Kontrolle fehlten, würden vermehrt private Treffen mit anderen organisiert – gegen die Einsamkeit und Langeweile.



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