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Aladins Zimmerservice und horizontale Desserts

«Shwule Grüsse vom Balkan» FOLGE 5: Wiener Schnitzel mit Würstchen

Wien
Symbolbild: Alex Block/Unsplash

Kaum ist Aleksandar aus unserer Kolumne «Shwule Grüsse vom Balkan» in Wien angekommen, stellt Aladin den shwulen Teddy auf die Probe. Und was ist eigentlich mit den Wiener Würstchen?

Was bisher geschah, kannst du hier lesen …  Kaum haben Lasses Gedanken aufgehört, sich um Panik, Spucktüte und Todesangst zu drehen, plagt ihn Aleks’ böiges Liebesgeständnis. «Hat er mir wirklich seine Liebe gestanden? Ich kenne ihn doch erst wenige Wochen!» So Lasses Blickwinkel. Ganz anders dagegen sieht das Aleks: «Er hat meine Hand gedrückt, als ich ihm gesagt habe, dass ich ihn liebe. Will er mich wohl heiraten?»

So unterschiedlich die Gedankengänge der beiden sind, so unterschiedlich sind auch ihre Erwartungen an den Kurztrip nach Wien: Im 25 Hours Hotel eingecheckt packt Lasse seinen Koffer aus und putzt sich heraus, um Wien zu erkunden. Aleks hingegen liegt auf dem Bett und schmachtet seinen neuen Schwarm an: «Jetzt würde ich gerne mit dir Arm in Arm einschlafen.»

Lasse wirkt etwas hilflos, lässt sich aber auf Aleks’ romantische Ader ein und nimmt ihn kraftvoll in den Arm, was Aleks wieder auf seine rosa Wolke 7 bringt. Bis es plötzlich an der Tür klopft. «Zimmerservice.» Lasse löst sich von Aleks, der sich weiterhin in den weichen Kissen suhlt, geht zur Tür und öffnet sie: Da steht ein attraktiver Dienstbote mit schwarzem dichten Haar, einem kecken Lächeln und Augen, denen schwarze Oliven nie das Wasser geschweige das Öl reichen könnten.


Adults-only-Hotels: Keine Kinder, bitte

«Ja, bitte?», fragt Lasse den «Aladin» unter den Dienstboten, der ihm einen Flyer in die Hand drückt: «Unser Hotel feiert dieses Wochenende eine spezielle Party mit Karaoke, guten Drinks und leckerem Essen. Wenn Sie mögen, dürfen Sie gerne vorbeischauen.» Der Hotel-Aladin zwinkert Lasse schelmisch zu, der von seinem Gegenüber sichtlich angetan ist und sich breit grinsend für die Einladung bedankt.

Währenddessen hat sich Aleks’ rosa Wolke zu einem Cumulonimbus aufgetürmt, einer massiven Gewitterwolke. Seine Augen blitzen vor Eifersucht, seine Nasenlöcher weiten sich zu Nüstern, ehe er losschnaubt: «Wer war das? Und warum geiferst du diesen Typen so an?» «Das, äh, das war der Dienstbote des Hotels … Er hat uns zu einer Karaoke-Party im Hotel eingeladen. Warum bist du plötzlich so angriffslustig? Da ist doch nichts dabei», verteidigt sich Lasse.

«Er hat dich angemacht!», raunzt Aleks zurück. Lasse schüttelt verdattert den Kopf und meint, dass der Dienstbote bloss nett war und sie sich doch deswegen ihren Trip nicht verderben lassen sollten. Er umarmt Aleks und küsst ihn: «Hey, es ist so schönes Wetter – lass uns doch zum Naschmarkt gehen und dort was essen.» Aleks’ düstere Wolken lichten sich nun bei seinem Bärenhunger, den er gerade verspürt: «Oh ja – dazu hätte ich grosse Lust.»


Durch die majestätischen Strassen Wiens schlendernd erreichen Aleks und Lasse den Naschmarkt und staunen über die Vielfalt der Angebote, Düfte und Menschen, die sie hier antreffen: «Worauf hättest du so Lust: Asiatisch, Indisch, Persisch, Vegetarisch … ?», fragt Lasse, dem bei der Aufzählung förmlich das Wasser im Mund zusammenläuft. Aleks – als Jugo ein typischer Fleischtiger – entgegnet: «Also, wenn wir schon mal in Wien sind, dann ist ein Wiener Schnitzel mit Kartoffel- und Gurkensalat ein Muss.» Lasse nickt ihm zu und setzt noch einen drauf: «Und nicht zu vergessen die Wiener Würstchen.»

Aleks sieht ihn zuerst fragend an, liest aber schnell aus Lasses neckischem Lächeln heraus, dass er damit auf den «Nachtisch in der Horizontalen» anspielt. «Nun, dann gibt’s heute Wiener Schnitzel mit Würstchen», grinst Aleks in Emoji-Manier, ein Auge zukneifend und seine Zunge weit rausstreckend. «Ich kann es kaum erwarten», haucht ihm Lasse ins Ohr und lässt Aleks wie Butterschmalz in einer heissen Pfanne zergehen, ehe sich das Schnitzel darin zurechtbrutzelt. «Zum Bierwirt?», fragt Lasse. Aleks nickt leicht nervös und geht mit ihm hinein.

*Wir schreiben in dieser Kolumne «shwul» statt «schwul», um den Balkan-­Slang wiederzugeben. Die ersten fünf Folgen sind nun frei verfügbar, alle folgenden Texte nur mit MANNSCHAFT+ lesbar.


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