«Schwule sind keine Bedrohung»: «Dawson's Creek»-Star war echter Ally
US-Schauspieler James Van Der Beek wurde durch die Teenieserie «Dawson's Creek» bekannt und setzte sich für die Ehe für alle ein. Nun ist er mit 48 Jahren gestorben.
In der Kultserie «Dawson's Creek» um das Leben von Teenagern in der fiktiven US-Stadt Capeside glänzte James Van Der Beek als der filmbegeisterte Highschool-Schüler Dawson Leery. Seine beste Freundin ist Joey Potter, gespielt von Katie Holmes. Zum jungen Cast gehörten auch Michelle Williams und Joshua Jackson, die alle später in Hollywood Karriere machten. Die Hit-Serie ums Erwachsenwerden, mit Liebessorgen und Teen-Ängsten, zog über sechs Staffeln (1998–2003) hinweg ein Millionenpublikum in ihren Bann.
Newcomer Van Der Beek wurde über Nacht zum Teenie-Star. Nun ist der Schauspieler mit 48 Jahren gestorben. Er sei «friedlich» am Morgen gestorben, teilte seine Familie am Mittwoch auf Instagram mit. Van Der Beeks Sprecherin bestätigte seinen Tod auf Nachfrage der dpa. Er sei seinen letzten Tagen «mit Mut, Glauben und Anmut» begegnet, hiess es in dem Beitrag der Familie weiter.
«Es ist Krebs» Im November 2024 hatte der sechsfache Vater eine Darmkrebserkrankung öffentlich gemacht. «Es ist Krebs», schrieb der damals 47-Jährige auf Instagram. Weltweit bekämen jedes Jahr viele Menschen diese Diagnose zu hören, schrieb er weiter. «Und ich bin einer von ihnen.» Die Krankheit war bei Van Der Beek schon im Jahr zuvor entdeckt worden.
Viele Kolleg*innen und Kollegen drückten ihre Trauer aus und zollten dem Serien-Star Tribut. Sarah Michelle Gellar (48) postete in einer Instagramstory ein gemeinsames Foto aus alten Zeiten. Sie sei zusammen mit ihm aufgewachsen. «Er war einer der guten Jungen. Dies ist ein echter Verlust», schrieb die Schauspielerin. Auch Katie Holmes, Selma Blair, Ashton Kutcher, Sharon Stone, und Jennifer Garner waren unter den Vielen, die ihre Trauer bekundeten. Rumer Willis (37), die älteste Tochter von Bruce Willis und Demi Moore, pries Van der Beek als Vater und Ehemann, der seine Familie mit Liebe und Respekt behandelt habe. In einer Instagramstory verlinkte sie einen GoFundMe-Spendenaufruf für die Witwe Kimberly Van Der Beek und ihre sechs Kinder im Alter von 4 bis 15 Jahren. Die teure Krebsbehandlung habe das Vermögen der Familie aufgezehrt, heisst es in dem Aufruf. Sie würden einer «ungewissen Zukunft» entgegensehen. Sie bräuchten Geld, um den Lebensunterhalt und die Ausbildung der Kinder zu finanzieren. Am Donnerstagmorgen waren bereits mehr als eine Million Dollar gespendet worden.
Engagierter Unterstützer der Ehe für alle Neben seiner Schauspielkarriere wird Van Der Beek auch als verlässlicher Ally der LGBTIQ-Community in Erinnerung bleiben. Bereits vor dem historischen Urteil des Obersten Gerichtshofs der USA im Fall Obergefell v. Hodges, das 2015 die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare landesweit legalisierte, positionierte er sich klar für die Gleichstellung.
2013 schrieb er auf Facebook: «Ich bin verwirrt … wie sind zwei Schwule, die heiraten, eine Bedrohung für meine Ehe? Mache ich es falsch?» Mit dieser pointierten Frage stellte er sich öffentlich gegen die damals noch verbreiteten Argumente der Gegner*innen der Ehe für alle – und wurde in der Community für seine deutlichen Worte gefeiert.
Auch beruflich suchte er immer wieder die Nähe zu queeren Stoffen und Kreativen. 2018 war er in der ersten Staffel der Serie «Pose» von Ryan Murphy zu sehen, die mit der grössten Besetzung trans Frauen in der Geschichte einer TV-Serie Massstäbe setzte. Van Der Beek spielte darin einen unsympathischen Kollegen – und lobte Murphy später öffentlich für dessen Engagement für marginalisierte Gruppen. Dieser habe statt Verbitterung «ein Imperium aufgebaut» und nutze seine Macht, um Menschen eine Stimme und Jobs zu geben, die sonst zu oft übergangen würden.
Zuletzt war Van Der Beek in der queeren College-Comedy «Overcompensating» zu sehen (MANNSCHAFT berichtete). Auch in früheren Jahren hatte er sich nicht gescheut, Rollen mit queeren Bezügen anzunehmen. Für den Film «Storytelling» (2001) stand er als ungeouteter College-Footballstar mit einer expliziten schwulen Szene vor der Kamera – die entsprechenden Sequenzen schafften es allerdings nicht in die finale Fassung.
«Wunder geschehen» – Hoffnung bis zuletzt Häufiger teilte Schauspieler Van Der Beek seinen 1,8 Millionen Followern auf Instagram mit, wie er sich körperlich und seelisch fühle. Er würde offen über seine Krankheit sprechen, um andere aufzurufen, Vorsorge ernst zu nehmen und sich frühzeitig untersuchen zu lassen, sagte Van Der Beek in einer emotionalen Videobotschaft im November 2024. So eine Diagnose sei beängstigend und überwältigend, aber er glaube an Heilung – «Wunder geschehen».
Im März 2025, an seinem 48. Geburtstag, schaute er auf «das schwierigste Jahr» seines Lebens zurück. «Ich musste der eigenen Sterblichkeit ins Auge sehen», sagte Van Der Beek. Er habe während der Behandlung nicht mehr als Vater, Ehemann und Geldverdiener seiner Familie helfen können. Aber durch den Krebs habe er die Erkenntnis gewonnen, um Hilfe zu bitten und es wert zu sein, geliebt zu werden.
Sechsfacher Vater Dankbarkeit zeigte er vor allem seiner Familie. Nach der Scheidung von seiner ersten Frau, Schauspielerin Heather McComb, heiratete er 2010 die Produzentin Kimberly Brook. Einen Monat nach der Hochzeit kam ihre erste Tochter zur Welt, gefolgt von drei weiteren Mädchen und zwei Jungen.
Die Familie war im September 2025 dabei, als die Besetzung von «Dawson's Creek» zusammentraf, um den krebskranken Star auf einer Wohltätigkeitsveranstaltung der Organisation «Fuck Cancer» zu unterstützen. Stars wie Michelle Williams, Katie Holmes und Joshua Jackson standen in New York vor Fans auf der Bühne, um die Pilotfolge der alten Hit-Serie live zu sprechen. Van Der Beek hatte allerdings wegen einer akuten Viruserkrankung kurzfristig absagen müssen. Von seinem Haus in Austin (US-Bundesstaat Texas) meldete er sich in einem berührenden Video, sichtlich vom Krebs gezeichnet, zu Wort.
Van Der Beek stand schon als Schüler auf der Theaterbühne – und träumte nach eigenen Angaben davon, als Sänger am New Yorker Broadway berühmt zu werden. Die ersten Filmrollen hatte er in der Komödie «Angus – voll cool» (1995) und an der Seite von Claire Danes und Jude Law in der Drama-Romanze «I Love You, I Love You Not».
Dann kam die «Dawson's Creek»-Hauptrolle, die ihn zu einem beliebten Serienstar machte. Es folgten weitere TV-Auftritte in Serien wie «How I Met Your Mother», «Apartment 23» oder «Friends with Better Lives». Auch vor der Filmkamera hatte er Erfolg. Seine Rolle als Football-Spieler in dem Drama «Varsity Blues» brachte ihm bei den MTV Movie Awards 1999 die Trophäe für die beste «Breakthrough Performance» als herausragender Newcomer ein. Weitere Filmauftritte hatte er unter anderem in «Texas Rangers», «Die Regeln des Spiels», «Labor Day», «Downsizing» und 2020 in der Horrorkomödie «Bad Hair».
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