Österreichs älteste Schwulendisco steht zum Verkauf

Seit mehr als 45 Jahren ist das «Why Not» tief in der österreichischen Schwulenbewegung verwurzelt

«Why Not»-Bar in Wien
Wie es mit dem «Why Not» weitergeht, ist zurzeit noch offen. (Bild: Why Not/Google Maps)

Für viele Schwule ist das «Why Not» mehr als nur ein Ort zum Feiern. Die Disco steht für Selbstbestimmung, Sichtbarkeit und Freiheit. Noch bevor es in Österreich CSD-Paraden gab, konnten Schwule dorthin gehen, um andere Männer kennenzulernen.

Vieles hat sich in den vergangenen Jahrzehnten geändert. Heute feiern nicht nur Männer im «Why Not». Das Motto lautet: «Boys, Girls and everyone in between – Willkommen im Why Not». Veranstaltet werden Dragshows, Themenpartys, Fetischevents und Partys mit «Men Only Areas». Die Disco versteht sich als «Melting Pot» der queeren Wiener Szene. Queere Menschen sollen dort die besten Nächte ihres Lebens haben.

Doch wie es mit dem Club weitergehen wird, ist offen. Denn Geschäftsführer Richard Zanella möchte das «Why Not» verkaufen. «Man muss wissen, wann Schluss ist», sagte Zanella vor Kurzem der Wiener Tageszeitung Kurier. Er wünscht sich, dass das «Why Not» auch weiterhin als queere Disco erhalten bleibt. Ob das tatsächlich der Fall sein wird, wird sich nach dem Verkauf zeigen.

In den vergangenen Monaten schlossen in Wien immer mehr queere Lokale (MANNSCHAFT berichtete). Vor Kurzem stellte die Mango Bar, Wiens älteste Schwulenbar, den Betrieb ein. Auch die beliebte Felixx Bar in der Wiener Gumpendorfer Strasse ist Geschichte. Die Kiss Bar Vienna verabschiedete sich ebenfalls von ihren Gästen. In grosser Dankbarkeit «müssen wir uns leider von euch verabschieden. Aufgrund von gesundheitlichen Einschränkungen, sowie des auslaufenden Mietvertrages, haben wir uns entschlossen, das Kapitel Kisss Bar Vienna abzuschliessen», schrieben die Verantwortlichen der Bar in den sozialen Medien.

Die Schliessung von queeren Lokalen hat mehrere Gründe: wirtschaftliche Belastungen, steigende Mieten, weniger Einnahmen, ein steigender Drogenkonsum sowie ein geändertes Ausgeh- und Freizeitverhalten von jungen Menschen. Das Szenesterben löste nicht nur in der Community, sondern auch in der Politik grosses Bedauern aus. «Natürlich trifft es mich und uns alle, wenn queere Lokale und damit sichere Orte für unsere Community schliessen müssen», sagte Mario Lindner, LGBTIQ-Sprecher der Sozialdemokratischen Partei (SPÖ).

Ähnlich äusserte sich der grüne Parlamentsabgeordnete David Stögmüller: «Gerade in Zeiten, in denen die queere Community wieder stärker unter Druck gerät und Angriffe auf Sichtbarkeit und Selbstbestimmung zunehmen, ist es besonders schmerzhaft, wenn Orte verschwinden, die für viele Menschen mehr sind als nur ein Lokal: nämlich Safe Spaces, Treffpunkte, Orte der Zugehörigkeit, des Austauschs und auch der gegenseitigen Unterstützung» betonte Stögmüller.

Mehr: «United by Queerness»: Grosse ESC-Ausstellung in Wien eröffnet (MANNSCHAFT berichtete)

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