Wie queer ist ... Daniel Radcliffe?
«Du musst einfach ein Mensch sein» – Der britische Schauspieler verzaubert auch LGBTIQ
Der Harry Potter-Star ist ein Unterstützer queerer Menschen seit seiner Jugend. Dass er selbst gelegentlich für schwul gehalten wird, stört ihn nicht. Im Gegenteil – er lässt es oft so stehen.
#1 «Trans Frauen sind Frauen. Punkt» Zu JK Rowling hat Daniel Radcliffe natürlich eine ganz besondere Beziehung. Ohne ihr Buch wäre er nicht so weltberühmt geworden, wie er es mittlerweile ist. Lange war die Beziehung zu ihr auch gut, sagt Daniel. Doch als die Harry Potter-Autorin dann vor einigen Jahren anfing, sich transfeindlich zu äussern, wurde es Daniel zu viel. Im Juni 2020 reagierte er mit einer Erklärung auf Kommentare, die JK Rowling auf Twitter über trans Frauen abgegeben hatte. «Trans Frauen sind Frauen», sagte Daniel. «Jede gegenteilige Aussage negiert die Identität und Würde von trans Personen und widerspricht allen Empfehlungen der Gesundheitsverbände, die weitaus mehr Fachwissen zu diesem Thema haben als Joanne oder ich.»
Mit der Kritik an Rowling war Daniel unter den Potter-Stars auch nicht allein. Hermine-Darstellerin Emma Watson und Miriam Margolyes, die Prof. Sprout spielte, widersprachen ihr auch deutlich.
#2 Trevor Project Seit vielen Jahren unterstützt Daniel Radcliffe queere Jugendliche im US-amerikanischen Trevor Project. Immer wieder spricht er sich öffentlich in social Media-Postings, auf Preisverleihungen und Pressekonferenzen für die Achtung queerer Rechte aus. «Du musst nicht schwul sein, um queere Menschen zu unterstützen. Du musst einfach ein Mensch sein», sagte er einmal öffentlich.
#3 Talkshow mit trans Personen Im Jahr 2023 moderierte Daniel eine Talkshow mit trans Personen. Das Ganze war Teil der Serie «Sharing Space» und fand am Transgender Day of Visibility statt. Daniel sprach dort mit sechs jungen trans- und nicht-binären Menschen. Es ging dabei um Gender, Pronomen, Selbstfindung und darüber, wie man queere Menschen wirklich unterstützen kann - jenseits von Publicity, Likes und nur oberflächlichem Support.
#4 «Ally»? Als Daniel mal von queeren Organisationen als «Queer Ally» bezeichnet wurde, reagierte er nachdenklich. Das rief zunächst ein paar Irritationen innerhalb der Community hervor. Doch Daniel meinte etwas anderes damit. «Immer wenn ich jemanden höre, der sich selbst als Verbündeten bezeichnet, denke ich: Ich bin misstrauisch dir gegenüber», sagte Daniel.
Was er damit sagen wollte: Er finde es schwierig, wenn nicht-queere Personen sich selbst zu «Allys» machen, ohne selbst Teil der queeren Community zu sein. Sie könnten also, meint Daniel, queeres Leben gar nicht aus eigenem Erleben nachvollziehen. Deswegen sei es besser, meint er, queeren Menschen mit Respekt zu begegnen, sie zu unterstützen, aber sie nicht vereinnahmen zu wollen.
#5 Schwule Filmrolle Die bisher einzige klar queere Rolle von Daniel ist aus dem Film «Kill your darlings» von 2013. Dort spielt er den berühmten schwulen amerikanischen Dichter Allan Ginsberg, der Teil der Beat-Generation war. Der Film spielt in den 40er Jahren in den USA, also einer absolut queerfeindlichen Umgebung. An der Columbia University in New York City verliebt sich Allen Ginsberg ich in den späteren Verleger Lucien Carr und lernt dort immer mehr queere Menschen in den amerikanischen Literaturzirkeln kennen.
#6 Aufgewachsen mit queeren Menschen Dass sich Daniel für queere Menschen einsetzt, war keine Folge seiner Berühmtheit oder entwickelte sich erst im Laufe seines Lebens. Er hatte stattdessen schon als Kind Kontakt zu queeren Menschen. «Ich bin umgeben von queeren Menschen aufgewachsen. Deshalb mag ich auch den Camp-Stil», sagt er. Vielleicht finde in seiner Branche auch ein Generationswechsel statt, erklärte er einmal «Wir haben keine Angst mehr, für schwul gehalten zu werden, nur weil wir uns für die Rechte von Homosexuellen einsetzen. Das Tabu ist weg, und der entspannte Umgang damit wirkt sich auch auf die Kids aus».
#7 Wagt den Perspektivwechsel «Man sieht nie einen schwulen Schauspieler, der gefragt wird: Wie ist es, einen heterosexuellen Charakter zu spielen?», sagte Daniel einmal verwundert. Damit wies er auf eine Haltung hin, die noch immer von vielen für selbstverständlich gehalten wird: Dass nur die queere Perspektive begründet werden muss, nicht aber die heterosexuelle.
Man solle doch aber stattdessen einmal versuchen, die Perspektive zu wechseln, rief er seinen heterosexuellen Kolleg*innen zu. «Soweit ich weiss, gibt es keinen Unterschied darin, wie heterosexuelle und homosexuelle Menschen sich verlieben,» sagte Daniel.
Das erinnert ein bisschen an seinen Schauspielkollegen Ian McKellen, der auch diesen anderen Blick einmal gefordert hat. Der sagte einmal, dass er es gar nicht verstehe, dass Menschen Angst hätten, durch Kontakt zu queeren Menschen schwul zu werden. Ihm selbst sei es bis heute – und er sei mittlerweile über 80 – nicht passiert, dass er durch den Kontakt mit den vielen heterosexuellen Menschen selbst heterosexuell geworden sei.
Die Casa Resistencias ist ein Schutzhaus in Rio de Janeiro mit einer Mission: Menschen aus der Community ein (vorübergehendes) Zuhause bieten (MANNSCHAFT-Story)
#8 Viele queere Harry Potter-Fans Seine Rolle als Harry Potter hat ihn nicht nur berühmt gemacht, sondern war auch der Ausgangspunkt dafür, dass Daniel meinte, sich für queere Menschen engagieren zu müssen. «Der Grund, warum ich das Gefühl hatte, unbedingt etwas sagen zu müssen, war, dass ich insbesondere seit dem Ende von Potter so viele queere und transsexuelle Kinder und Jugendliche getroffen habe, die sich in dieser Hinsicht sehr mit Potter identifizieren», sagte er.
#9 Ehe für alle Schon vor mehr als 10 Jahren setzte sich Daniel für die Ehe für Alle ein. Was heute weitestgehend selbstverständlich scheint, zumindest in weiten Teilen Europas, war es damals nicht. Im Jahr 2012 gab es in den USA grosse Kämpfe zu dem Thema. Und Daniel war einer derjenigen, die sich vorwagten als er öffentlich sagte: «Ich bin der Meinung, dass die Ehe auch für queere Paare möglich sein sollte. Queere Paare sollten rechtliche Gleichheit auf allen Gebieten erhalten».
#10 Ein «schwules Gesicht» Als Daniel mit Harry Potter berühmt wurde, vermuteten viele Medien, dass er schwul sei, wie er später berichtete. «Sie sagten, ich hätte ein schwules Gesicht und eine schwule Stimme – was immer das ist.» Er wusste lange nicht so recht damit umzugehen. Nicht weil er es problematisch gefunden hätte, sondern, weil er diese Spekulationen ziemlich dämlich fand. «Manche Leute denken, wenn sie mich treffen, ich sei schwul. Das ist wunderbar ist. Es ist immer gut, sie in der Annahme zu lassen,» sagt der Schauspieler, der seit vielen Jahren mit seiner Freundin zusammenlebt. «Und wenn man weiss, dass ein schwuler Mann in einen verliebt ist, ist das das Schönste, was es gibt.»
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