«Wir müssen queere Lebensgeschichten selbstverständlicher erzählen»

Film Baumgeflüster
(Bild: ZDF Susanne Bernhard)

Das ZDF zeigt einen schwulen Liebesfilm zur Primetime. Auch Jochen Schropp ist dabei und spricht mit MANNSCHAFT darüber, wie es war, mit Robert Stadlober ein Paar zu spielen.

«Baumgeflüster» ist der erste schwule Liebesfilm, der zur besten Sendezeit vom ZDF ins Programm genommen wird. Damit setzt der Sender ein starkes Signal für mehr Diversität und Offenheit und versucht auch endlich Lücken zu schliessen, die seit vielen Jahren bestehen.

Darum geht es in dem Film: In «Baumgeflüster» verliebt sich der Forstwirt Yascha Krüger, gespielt von Linus Schütz, in den Fotografen Mats Stein, verkörpert von Aaron Friesz. Yascha ist eigentlich nur zufällig an dem Ort, an dem sie sich treffen, weil er dort eine Försterstelle vertretungsweise ausfüllen soll. Im Liebesleben hatte Yascha bisher kein grosses Glück, weil er die sich ihm bietenden Chancen eher verstolpert als ergreift.

Gerade frisch an seiner neuen Stelle angekommen, erhält Yascha neben der Pflege des Waldes dann auf einmal noch eine weitere Aufgabe von seiner Chefin. Er soll ein Areal für sie erwerben, das sie zu einem öffentlichen Waldgebiet machen will. Doch die bisherige Besitzerin weigert sich beharrlich, den Wald zu verkaufen. Als diese stirbt, muss ihr Erbe, der Fotograf Mats, entscheiden, was mit dem Wald geschehen soll. Nun beginnt ein Spiel aus kleinen und grossen Unwahrheiten und Fallstricken, in dem Yascha versucht, beides zu bekommen: Den Wald und Mats.

Es sei eine «charmante, hoffentlich lustige und auch berührende Liebesgeschichte zwischen zwei Menschen», sagt Linus Schütz, der Yascha spielt, gegenüber MANNSCHAFT. Die Konflikte, Missverständnisse und Glücksmomente im Verlieben der beiden seien universell, findet er. «Es könnten ebenso gut zwei Frauen sein oder ein Mann und eine Frau.»

Linus findet es ein bisschen «erschreckend, dass das immer noch so etwas Besonderes oder Aussergewöhnlich zu sein scheint», wenn eine queere Geschichte erzählt werde. Es sei seiner Meinung nach bei diesem Thema noch «ordentlich Luft nach oben».

Gleichzeitig wünscht sich Linus, dass man zukünftig nicht mehr so viel Aufregung damit verursachen würde, wenn sich «zwei Männer im Öffentlich-Rechtlichen um 20.15 küssen», sondern, dass es «dann einfach um den Film, die Geschichte und die Figuren geht.»

Film Baumgeflüster
(Bild: ZDF Susanne Bernhard)

Im Film kriegt Yascha Unterstützung von seinen beiden Freunden, Holger und dessen Partner Mirko. Beide versuchen, Yascha durch die komplexe Situation möglichst gut durchzumanövrieren. Die schwulen Freunde werden gespielt von Jochen Schropp und Robert Stadlober.

Für Jochen Schropp war es die erste gemeinsame Rolle an der Seite von Stadlober. «Robert und ich kennen uns schon seit vielen Jahren flüchtig, hatten aber noch nie miteinander gearbeitet», sagt Jochen gegenüber MANNSCHAFT. «Wir hatten beim Spielen sofort einen Vibe und keine Berührungsängste.» Der Regisseur Dirk Kummer sei sehr sensibel mit den Szenen umgegangen und auch mit dem Kostüm- und Make Up-Department hätten sie ihre Figuren gut erarbeiten können.

Film Baumgeflüster
(Bild: ZDF Susanne Bernhard)

Regisseur Dirk Kummer ist für seine queersensible Arbeit bekannt und sagte über seinen neusten Film gegenüber dem ZDF: Die Natur sei für ihn eine «Kulisse für eine Geschichte um Liebe, Lügen und andere knorrige Verirrungen im forstwirtschaftlichen Alltag.» Kummer selbst war auch in früheren Jahren als Darsteller tätig. So etwa in dem ersten und letzten schwulen Film der DDR aus dem Jahr 1989 mit dem Titel «Coming Out».

Jochen Schropp war gleich begeistert, als er gefragt wurde, bei «Baumgeflüster» mitzumachen. «Ich habe mich wahnsinnig gefreut, beim ersten schwulen Film in der ZDF Herzkino Reihe dabei sein zu dürfen», sagt er. «Als ich hörte, welch tollen Kollg*innen bereits zugesagt hatten, war es für mich ein No Brainer.»

Film Baumgeflüster
(Bild: ZDF Susanne Bernhard)

Dass «Baumgeflüster» nun ausgerechnet den Sendeplatz in der ZDF-Primetime erhalten hat., findet Jochen sehr gut. «Dass wir jetzt ein Publikum bedienen, welches sich wahrscheinlich eher selten mit queeren Lebensrealitäten auseinander setzt, freut mich immens», erklärt Jochen.

Diesen Film sieht Jochen eher als Beginn von etwas, denn als einmalige Sache. So hofft er, dass es noch viele Produktionen mit dieser oder eine ähnlichen Thematik geben werde - «und gerne mit mir!», wie er sagt. «Die Hauptgeschichte kann ja auch mal eine Geschichte mit schwuler Liebe im mittleren Alter erzählen.»

Dass so etwa dringend wäre, betont Jochen auch noch einmal nachdrücklich. «Wir haben uns leider wieder zurück entwickelt», was die Sichtbarkeit queerer Themen im Mainstream angeht, beklagt der Schauspieler. Während vor einigen Jahren queere Sichtbarkeit und Diversität nicht habe fehlen dürfen, habe die Politik in den letzten Jahren alles dafür getan, uns wieder unsichtbar oder gar zum Feindbild zu machen, ärgert sich Jochen Schropp.

«Wir müssen versuchen, queere Lebens- und Liebesgeschichten selbstverständlicher zu erzählen», fordert er. Es gehe nicht darum, nur in einzelnen Erzählsträngen heteronormativer Serien und Filmen, queere Personen zu zeigen, sondern auch als Hauptthema. «Ich hoffe», sagt Jochen, «dass uns Heated Rivalry und auch Baumgeflüster den Weg dafür ebnen!»

«Baumgeflüster» feiert seine Premiere am 29. März um 20:15 Uhr im ZDF, ist jedoch bereits ab dem 21. März in der ZDF-Mediathek verfügbar

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