Wegen Foto mit «Prince Charming» – Priesterschüler rausgeworfen
Ein Selfie kam in München nicht gut an
Ein Selfie mit einem schwulen Reality-TV-Star genügte, um Henry Frömmichens Traum zu beenden. Der ehemalige Priesterschüler wurde aus dem Seminar geworfen. Die Kirche zeigt damit ihren widersprüchlichen Umgang mit der Sexualität.
Als ein Priesterschüler eines Abends in München auf den früheren «Prince Charming» traf, bat er diesen um ein Selfie. Mit dem Hashtag #dubistgeliebtsowiedubist stellte er dieses Foto auf Instagram. Ob Absicht oder nicht, im Hintergrund befindet sich ausgerechnet die Theatinerkirche.
Eigentlich wollte Henry Frömmichen mit Alexander Schäfer zeigen, dass auch ein Priesterkandidat über Homosexualität sprechen könne. Doch das Priesterseminar «St. Johannes der Täufer» konnte mit seiner Offenheit nicht umgehen.
Der 21-jährige Schwabe wurde nach nur drei Monaten von der Schule geworfen. «Ihr Umgang mit sozialen Medien lässt erkennen, dass sie derzeit nicht die für eine Ausbildung zum Priester geeigneten Voraussetzungen mitbringen», steht in der offiziellen Begründung. Das passt wenig zur katholischen Kirche in Deutschland, nachdem sich derart viele Bischöfe gegen das Segnugsverbot ausgesprochen haben (MANNSCHAFT berichtete).
Gegenüber dem Deutschlandfunk erzählte Frömmichen, dass die Seminarsleitung ihm gegenüber konkretere Bezichtigungen vorbrachte. «Mir wurde dann aufgrund des Bildes vorgeworfen, ich würde das unterstützen und würde mich mit homosexuellen Menschen solidarisieren und diese Art von Homosexualität, wie sie da in dieser TV-Sendung dargestellt wird, das würde ich propagieren.»
In der aktuellen Lage alles andere als dienlich für die katholische Kirche.
Pfarrer Wolfgang Rothe vom Pfarrverband Perlach erklärte gegenüber BILD: «Das ist für mich unverständlich. Die betreffende Person hat sich ja nichts zuschulden kommen lassen! Solche Geschichten sind natürlich in der aktuellen Lage alles andere als dienlich für die katholische Kirche.»
Zum Rauswurf kam es bereits im November 2020, doch die Kontroverse um das Segnungsverbot aus dem Vatikan (MANNSCHAFT berichtete) bewegte Frömmichen und er beschloss, seine Geschichte zu erzählen. Der katholischen Kirche wirft er «Falschheit und Doppelmoral» vor. Heimliche Homosexualität werde geduldet, solange nichts davon an die Öffentlichkeit gelange.
Beim Kündigungsgespräch habe ihm der Seminarleiter Regens Wolfgang Lehner sogar mitgeteilt, dass er die ganze Zeit von Frömmichens Homosexualität gewusst habe. Das Bistum äussert sich nicht zum Rauswurf, aus «Datenschutzgründen» – er sei aber nach Rücksprache mit Bischof Marx ausgesprochen worden.
Henry Frömmichen ist inzwischen wieder zu seinem früheren Beruf als Bestatter zurückgekehrt. Die Geschichte habe seinen Glauben sogar bestärkt. Auf Instagram schreibt der 21-Jährige, dass er von nun an allen eine Stimme geben möchte, die unter der Amtskirche leiden.
Denn: «Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren», schreibt er Bertold Brecht zitierend.
Das könnte dich auch interessieren
People
Wie queer ist ... Tori Amos?
Sie spielte schon mit 13 Jahren in einer Schwulenbar
Von Sören Kittel
Queer
Musik
Unterhaltung
Lesbisch
Lust
Umfrage: Gruppensex ist verbreiteter, als du denkst
Zwei von drei Befragten haben ihre Fantasien ausgelebt und Sex mit mehreren Partner*innen gleichzeitig erlebt. Eifersucht sei dabei kein grosses Thema, wie die Umfrage der Erotikcommunity Joy Club ergibt.
Von Newsdesk Staff
Queer
International
Trinidad und Tobago verbieten Homosexualität erneut
Ein Berufungsgericht in Trinidad und Tobago hat einvernehmliche gleichgeschlechtliche sexuelle Beziehungen im Land wieder unter Strafe gestellt. Ein LGBTIQ-Aktivist aus dem Land hatte die Legalisierung vor sieben Jahren erwirkt.
Von Newsdesk Staff
Schwul
News
Politik
Österreich
«Neue Stufe der Eskalation» – Vermummte greifen queere Einrichtungen an
In Wien gibt es mit der Homosexuellen Initiative (HOSI) und der «Villa Vida» zwei grosse queere Einrichtungen. Diese werden immer öfters zur Zielscheibe von queerfeindlichen Gewalttaten.
Von Christian Höller
Queerfeindlichkeit