«Budapest ist nach wie vor eine vielfältige und lebendige Stadt»

Was die zunehmenden Repressionen gegen LGBTIQ für das Sziget-Festival bedeuten

Die Themen Gender und Sexualität lässt man sich am Sziget-Festival nicht verbieten (Bild: zVg)
Die Themen Gender und Sexualität lässt man sich beim Sziget-Festival nicht verbieten (Bild: zVg)

Seit über 30 Jahren findet in Budapest das Sziget-Festival statt. Fester Bestandteil ist das Magic-Mirror-Zelt. Hier werden offen queere Themen verhandelt – den LGBTIQ-feindlichen Gesetzen und dem gerade beschlossenen Pride-Verbot zum Trotz (MANNSCHAFT berichtete).

Gäste des Festivals dürfen den gleichen Respekt und den gleichen Schutz erwarten wie bisher, sagt der Programm-Macher György Ujvári-Pintér.

Bisher demonstrierte und feierte die queere Community auch in Budapest mit einer Pride-Parade. Doch die rechtspopulistische Regierung hat dies vor zwei Wochen verboten. Was bedeutet das für das international beliebte Sziget Festival?

Es entstand vor über 30 Jahren in Ungarn – und wir sind mit den Menschen, der Kultur und den Veränderungen der Stadt gewachsen, erklärt der Kultur-Manager György Ujvári-Pintér auf MANNSCHAFT-Anfrage. «Wir sind stolz darauf, Teil dieses Ortes zu sein, und damit geht auch die Verantwortung einher, Raum für Offenheit, Vielfalt und Meinungsfreiheit zu schaffen. Das war schon immer unser Kern.»

Ujvári-Pintér hat seine Heimat längst verlassen und lebt in Spanien. «So habe ich mehr Möglichkeiten, Dinge zu sehen und kriege mehr mit. Auch mein Vorgänger lebte nicht in Ungarn», sagt er.

«Budapest ist nach wie vor eine kulturell offene, vielfältige und lebendige Stadt. Sziget spiegelt dies wider – und mehr als das.»

Programm-Macher György Ujvári-Pintér

Er verstehe die Bedenken hinsichtlich der jüngsten Entwicklungen im ungarischen Parlament. «Es ist jedoch wichtig, diese im Kontext zu sehen: Sie sind Teil einer breiteren politischen Dynamik, insbesondere im Vorfeld der Wahlen. Vor Ort – insbesondere in Budapest – sieht die Realität im Alltag ganz anders aus. Budapest ist nach wie vor eine kulturell offene, vielfältige und lebendige Stadt. Sziget spiegelt dies wider – und mehr als das.»

Ujvári-Pintér verspricht: «Alle Festivalbesucher*innen – Künstler*innen, Crew, Fans – dürfen die gleiche Sorgfalt, den gleichen Respekt und den gleichen Schutz erwarten, den wir schon immer an erster Stelle hatten. Wir arbeiten mit vertrauenswürdigen Partnern zusammen, um sicherzustellen, dass dies auch weiterhin so bleibt.» Der Programm-Macher ist sicher, dass gerade jetzt Festivals wie das Sziget eine wichtige Rolle dabei spielen, Räume zu schaffen – für Menschen, Ideen und Meinungsfreiheit.

Vor allem handelt es sich hier um einen queeren Safe Space, den man in Ungarn so nicht erwarten würde – in dem Land, das seit 2021 per Gesetz Informationen über LGBTIQ in den Medien beziehungsweise vor Kindern verbietet und neuerdings auch Prides untersag sind (MANNSCHAFT berichtete). Obwohl in Ungarn über Queeres nicht gesprochen werden darf, stehen bei den täglichen Magic-Mirror-Talks im Spiegelzelt Themen wie Mode, Drag oder Gender auf der Tagesordnung. (zur MANNSCHAFT-Story)

Neben Live-Musik – dieses Jahr wird Chappell Roan erwartet – gibt es Workshops, Yoga und Vorträge an verschiedenen Schauplätzen, am auffälligsten ist wohl die Magic-Mirror-Bühne im Zelt. Es ist beliebt für seine Partys, zu denen auch viele Nicht-Queers kommen; viele andere Bühnen müssen bereits um 23 Uhr schliessen.

«Wir sind eine Bastion der freien Meinungsäusserung», sagt der Programm-Manager des Magic-Mirror-Zeltes stolz. Auch wenn sie von der Politik bisher in Ruhe gelassen werden: Der Fidesz-Regierung sind die Veranstaltungen hier ein Dorn im Auge.

Der Kultur-Manager György Ujvári-Pintér hat seine Heimat längst verlassen: Er lebt in Spanien (Bild: Endre Fazekas)
Kultur-Manager György Ujvári-Pintér (Bild: Endre Fazekas)

Sziget ist viel zu wichtig, sagt György. «Es lockt eine Menge Tourist*innen an, das Festival bringt viel Geld nach Ungarn. Es ist eine super Werbung.» Die Regierung könne sagen: «Schaut her, wir sind doch ein freies Land – wir haben schliesslich dieses Festival!»

USA gegen Diversity: Jetzt sind Unis und Medien dran. Angeblich geht es um «LGBTIQ-Indoktrination von Kindern» (MANNSCHAFT berichtete).

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