Italien feiert Olympia-Eröffnung als knallbunte Oper
So viele LGBTIQ-Athlet*innen wie nie zuvor bei Olympischen Winterspielen
Eine Auftaktshow an vier Orten, zwei olympische Feuer: Noch nie war Olympia so dezentral und so queer. Die Winterspiele in Mailand und Cortina d’Ampezzo werden feierlich eröffnet – und typisch italienisch.
Olympia als ganz grosse Oper: Mit einem dreistündigen Spektakel in buntesten Farben haben die 25. Olympischen Winterspiele von Mailand und Cortina d’Ampezzo begonnen. Italiens Staatspräsident Sergio Mattarella erklärte die Spiele um 22.51 Uhr feierlich für eröffnet. Damit sind die Wettbewerbe nach einer Pause von 20 Jahren wieder zurück in den Alpen. Bis zum Sonntag in zwei Wochen kämpfen 2’900 Athlet*innen aus mehr als 90 Ländern um Gold, Silber und Bronze.
Laut dem Nachrichtenportal OutSports sind diesmal rekordverdächtige 46 offen LGBTIQ-Athlet*innen dabei (MANNSCHAFT berichtete). Darunter sind 35 Frauen und elf Männer – ein Verhältnis von etwa drei zu eins. Bei den Sommerspielen lag dieses Verhältnis noch bei neun zu eins, was unter anderem daran liegt, dass es bei Winterspielen weniger Teamsportarten gibt, in denen offen lesbische Athletinnen besonders häufig vertreten sind.
In Mailand werden 23 offen queere Eishockeyspielerinnen antreten – allesamt Frauen. Damit ist Eishockey mit Abstand die Sportart mit den meisten LGBTIQ-Athlet*innen, während die TV-Serie «Heated Rivalry» gerade zeigt, dass das bei den Männer sehr anders ist (MANNSCHAFT berichtete).
Im legendären Fussballstadion San Siro von Mailand verfolgten 67’000 Zuschauer*innen die Eröffnungsshow mit der üblichen Parade der Athlet*innen. Parallel dazu wurde erstmals an gleich drei weiteren Orten gefeiert – in Cortina, der zweiten Gastgeberstadt, sowie in Predazzo und Livigno. Den grössten Applaus gab es für das italienische Team. Pfiffe waren zu hören, als das israelische Team ins Stadion kam, und auch, als US-Vizepräsident JD Vance gross auf dem Bildschirm gezeigt wurde.
Zum Auftakt bot Italien vieles auf, wofür es weltweit bekannt ist: Opernlegenden wie Giuseppe Verdi und Giacomo Puccini als Pappmaché-Figuren, den Kinderbuchhelden Pinocchio ebenso wie Paparazzi. Mehrere Dutzend Models trugen Kostüme in den Nationalfarben, die der verstorbene schwule Modemacher Giorgio Armani noch entworfen hatte.
Zur Begeisterung des Stadionpublikums sang US-Popdiva Mariah Carey einen Klassiker des italienischen Liedguts auf Italienisch: «Nel blu, dipinto di blu», besser bekannt als «Volare». «Ein absoluter Traum ist wahr geworden: Ich durfte bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Winterspiele 2026 in Mailand-Cortina auf Italienisch auftreten! Vielen Dank an alle, die das möglich gemacht haben. Nichts ist unmöglich!», schrieb sie anschliessend auf Instagram. Die Nationalhymne trug die Italienerin Laura Pausini vor.
Bei der Parade der Athlet*innen wechselte der DJ auf Techno.
Die Eröffnungsfeier unter dem Motto «Armonia» (Harmonie) sollte den dezentralen Charakter der Spiele widerspiegeln: Zum ersten Mal in der Olympia-Geschichte gibt es zwei Gastgeberstädte. Die Wettbewerbe finden sogar an sieben verschiedenen Orten im Norden Italiens statt. Grössere Entfernungen gab es bei Winterspielen noch nie. Die teils mehrstündigen Fahrtwege stellen alle Beteiligten auf die Probe, auch die Athlet'innen.
Erstmals zwei olympische Feuer Erstmals brennen bis zum Ende der Spiele am 22. Februar zwei olympische Feuer – eines am Arco della Pace (Friedensbogen) in der Innenstadt von Mailand und eines auf der Piazza Dibona in Cortina. In dem Nobel-Skiort gab es vor 70 Jahren schon einmal Olympia – der Auftakt für den Aufstieg des Bergdorfs zur «Königin der Dolomiten». Entzündet wurden die olympischen Flammen von italienischen Alpin-Legenden: den Olympiasiegern Deborah Compagnoni und Alberto Tomba in Mailand sowie Sofia Goggia in Cortina, wo sie am Sonntag in der Abfahrt startet.
Die deutschen Fahnenträger Katharina Schmid und Leon Draisaitl traten ebenfalls an verschiedenen Orten auf. Skispringerin Schmid, die schon am Samstag auf der Normalschanze ihren ersten Wettkampf bestreitet, übernahm ihre Rolle in Predazzo und hatte sichtlich Spass, als sie sich schwungvoll mit der Fahne zu ihren Teamgefährten umdrehte. «Es war mega-mega-cool, ich habe mich so gefreut. Es war ein ganz besonderer Moment, der wird für immer bleiben», sagte Schmid.
Eishockey-Superstar Draisaitl – erst kurz vor der Eröffnung gelandet – führte einen anderen Teil des Teams in die Mailänder Arena. «Das ist auf jeden Fall ein Moment, den ich niemals vergessen werde – wahrscheinlich der grösste in meinem Leben bis jetzt», sagte der 30-Jährige.
Auftritte von Mariah Carey und Andrea Bocelli Für die Eröffnung hatten sich 130 der insgesamt 185 deutschen Olympia-Teilnehmer*innen angekündigt. So gross war ein deutsches Team bei Winterspielen noch nie. «Mein Eindruck aus den ersten Tagen in Italien ist, dass unser Team D voller Vorfreude und absolut bereit ist, das Beste aus sich herauszuholen und unsere Sportnation würdig zu vertreten», sagte Thomas Weikert, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes.
Die deutsche Delegation kam als 32. von 92 Teilnehmernationen ins Stadion. Wie so oft stiess das Team-Outfit – ein übergrosser schwarzer Poncho mit Fischerhut – auf geteiltes Echo. Während die Mode unter den Athlet*innen durchaus positiven Anklang fand, meinte Modeschöpfer Harald Glööckler zur Deutschen Presse-Agentur: «Was einem hier geboten wird, ist weder innovativ noch erfrischend neu – geschweige denn ansprechend.»
Begrüsst wurden die Deutschen im San Siro trotzdem mit viel Applaus. Und immerhin waren die deutschen Teilnehmenden in Mailand tatsächlich zu sehen: Von vielen Nationen wurde lediglich das Namensschild ins Stadion getragen – die Athlet*innen waren anderswo.
Der erste Teil der Show fand bereits vor der Athletenparade statt, mit internationalen Musikstars aus Klassik und Pop. Neben Mariah Carey und Laura Pausini standen Andrea Bocelli, Cecilia Bartoli und der Pianist Lang Lang auf der Besetzungsliste. Star-Tenor Bocelli sang die weltberühmte Arie «Nessun dorma» aus der Puccini-Oper «Turandot», bevor die olympische Fackel ins Stadion kam.
US-Vize Vance auf der Ehrentribüne Auf der Tribüne sass neben der neuen IOC-Chefin Kirsty Coventry – Nachfolgerin des Deutschen Thomas Bach an der Spitze des Internationalen Olympischen Komitees – zahlreiche politische Prominenz. US-Vizepräsident JD Vance hatte seine Familie und Aussenminister Marco Rubio dabei. Vance wurde beim Einlauf des US-Teams hörbar ausgebuht, als sein Bild auf der Videoleinwand erschien.
Insgesamt waren rund 50 Staats- und Regierungschefs angekündigt. Deutschland wurde durch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier vertreten.
6’000 zusätzliche Sicherheitskräfte bei Olympia Im Vorfeld gab es Ärger über die Umstände des Besuchs der US-Delegation. Um den Schutz der Offiziellen kümmern sich auch Beamte der US-Einwanderungspolizei ICE, die wegen ihres teils brutalen Vorgehens gegen Migrantinnen und Migranten in den Vereinigten Staaten in der Kritik steht. Am Eröffnungstag demonstrierten Hunderte in Mailand friedlich gegen deren Anwesenheit. Aus Sorge vor Anschlägen und Störaktionen hat Italien während der Spiele mehr als 6’000 zusätzliche Sicherheitskräfte im Einsatz.
Mit «Milanocortina» kehren die Winterspiele 20 Jahre nach Turin 2006 wieder in die Alpen zurück. Die Hoffnung ruht darauf, dass mit der Rückkehr von Winter-Olympia in die Alpen auch wieder mehr Stimmung aufkommt. Die vorangegangenen Spiele in Sotschi (Russland), Pyeongchang (Südkorea) und Peking (China) hatten in dieser Hinsicht nicht alle Erwartungen erfüllt. 2030 finden die Spiele erneut in den Alpen statt: in Frankreich.
Von Christoph Sator, Meyel Löning, Florian Lütticke und Martin Kloth, dpa
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