Grindr kündigt spezielle Massnahmen für Olympisches Dorf an
Wie die Dating-App Grindr bekannt gibt, werden die Standort-Features im Olympischen Dorf während Milano 2026 deaktiviert. Zusätzlich dürfen User vor Ort Privatsphären-Einstellungen kostenlos nutzen.
Grindr schränkt an den Olympischen Winterspielen Milano Cortina 2026 gezielt Funktionen ein, um die Sicherheit und Privatsphäre von schwulen und queeren Athleten zu schützen. Dies gibt die Dating-App auf ihrer Website bekannt.
Profile von Athlet*innen sind für User ausserhalb des Olympischen Dorfs nicht sichtbar. Betroffen sind unter anderem die Funktionen «Explore and Roam» sowie «Entfernung anzeigen». Damit können Personen ausserhalb des Dorfs weder Profile durchsuchen noch Entfernungen zu User im Dorf sehen. Die Massnahmen folgen früheren Regelungen bei den Olympischen Spielen in Peking 2022 und Paris 2024. Dort hatten uneingeschränkte Standortfunktionen Bedenken ausgelöst. Sie könnten Athleten unfreiwillig outen oder unerwünschter Aufmerksamkeit aussetzen. Das gelte besonders für Personen, die sich nicht öffentlich geoutet haben oder aus Ländern stammen, «in denen Schwulsein gefährlich oder kriminalisiert ist», schreibt Grindr im Blog.
Grindr betont zudem: «Bereits das Erscheinen in einer standortbasierten Vorschlagsliste kann also gefährlich sein.» Innerhalb des Olympischen Dorfs bleibt die Nutzung der App möglich.User können weiterhin andere Personen im abgeschlossenen Bereich kontaktieren. Die automatische Anzeige der Distanz ist jedoch standardmässig deaktiviert. Wer möchte, kann eine ungefähre Entfernung freiwillig freigeben. Genaue Standortdaten werden nicht übertragen.
Zusätzlich stellt Grindr während der Spiele kostenlose Privatsphäre-Tools zur Verfügung, die sonst kostenpflichtig sind. Dazu gehören selbstlöschende Nachrichten, das Zurückziehen gesendeter Inhalte und ein Schutz vor Screenshots. Die Funktion für private Videos, die nur einmal angesehen werden können, werde im Olympischen Dorf komplett abgeschaltet.
Laut Grindr reagieren die Massnahmen auf den besonderen Druck, dem LGBTIQ-Athlet*innen bei globalen Grossanlässen ausgesetzt sind. Die Aufmerksamkeit durch Medien und Öffentlichkeit sei aussergewöhnlich hoch. In der Vergangenheit sei Standortdaten-Missbrauch dokumentiert worden. Unter anderem bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro, als journalistische Recherchen Athleten potenziell outeten.
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