Diese Acts wollen für Deutschland beim ESC antreten
Mit dabei auch Songs für Frauenpower, gegen Homophobie
Von Balladen bis Italo-Pop: Im deutschen ESC-Finale treten Musiker*innen an. Wer schafft den Sprung nach Wien?
Von Thomas Bremser, dpa
Neun Musik-Acts bewerben sich darum, Deutschland im Mai beim Eurovision Song Contest (ESC) in Wien zu vertreten. Das gab die ARD in Hamburg bekannt.
Die Musiker*innen wurden in einem internen Prozess ausgewählt, unter anderem nach Bewertungen durch Expert*innen aus der Musikbranche sowie einer internationalen Jury und Menschen aus dem Publikum. Die Deutsche Presse-Agentur hat mit den Acts vorab gesprochen.
- Sarah Engels (33) aus Köln: Die «Deutschland sucht den Superstar»-Finalistin von 2011 ist der wohl bekannteste Name beim Vorentscheid. «Ich liebe es, mich neuen Herausforderungen zu stellen. Aber das ist nochmal eine ganz andere Nummer», sagte Engels. Ihr Song «Fire» soll vor allem Frauen darin stärken, den eigenen Träumen zu folgen.
«Wenn man mich gefragt hat, was ich mir in meiner Karriere noch erträumen würde, war der ESC immer vorne mit dabei. Man hat einfach auf den passenden Moment gewartet und den passenden Song», sagte Engels der dpa. «Es ist eine sehr, sehr grosse Ehre, dass ich bei dem Finale dabei bin und rein theoretisch die Möglichkeit besteht, dass ich dann für Deutschland beim ESC antrete. Alleine dieser Gedanke. Ich glaub’, die nächsten Wochen habe ich schlaflose Nächte.»
- Ragazzki: Hinter dem neu gegründeten Duo stecken YouTuber Marti Fischer (35) aus Niedersachsen («Barbaras Rhabarberbar») und David «Miirtek» Starosciak (33) aus Flonheim (Rheinland-Pfalz). Ihr Gute-Laune-Song «Ciao Ragazzki» ist ein Mix aus Italo-Pop und osteuropäischen Beats. «Das Projekt auf so einer Bühne visuell komplett inszenieren zu können, ist eine megageile Chance», sagt Starosciak.
- Malou Lovis (26) aus Wettringen (NRW): Die Gewinnerin von «The Voice of Germany» (2023) stand schon mit Tokio Hotel auf der Bühne und steuerte mit ihnen den Soundtrack zum Kinofilm «Momo» bei. Ihre ESC-Ballade «When i´m with you» erzählt eine intensive Liebesgeschichte, die für sie persönlich in der Verbindung zwischen zwei Frauen verwurzelt ist. So thematisiert sie das Queersein und setzt damit ein klares Zeichen gegen Homophobie und Ausgrenzung und für Diversität. Malou sagt: «Ich hätte nie gedacht, dass ich mal hier bin. Aber es ist schon eine grosse Plattform, auf der man die Musik zeigen kann.»
- Myle (25) aus Ravensburg (Baden-Württemberg): Der Deutsch-Amerikaner begleitete bereits Popmusiker wie Wincent Weiss, Kamrad und Alvaro Soler auf ihren Tourneen und tritt mit dem gitarrenlastigen «A OK» an. «Ich bin absolut besessen von Popmusik und freue mich riesig.»
- Molly Sue (25) aus Laboe (Schleswig-Holstein): Die Norddeutsche stand bereits 2014 bei «The Voice Kids» im Team von ESC-Gewinnerin Lena Meyer-Landrut. «Genau in die Fusstapfen würde ich jetzt gerne treten.» Im Popsong «Optimist (Ha Ha Ha)» singt sie über innere Ängste.
- Wavvyboi (27), nicht-binär aus Liechtenstein: Simon Vogt-Grande ist mit den langen Haaren, Hand-Tattoos und ausgefallenen Klamotten sicher der optisch auffälligste Act. «black glitter» feiert Diversität und verbindet harte Gitarrenriffs mit epischem Gesang. «Es ist für mich eine Riesenchance, meine Musik zu präsentieren. Ich liebe es einfach, Livemusik zu machen.»
- Dreamboys The Band: Die vier Künstlerinnen, die sich Jo The Man The Music, Philippa Kinsky, VILLFORTH und Nina Caroline nennen und «zusammen rund 100 Jahre alt» sind, machen schon länger solo Musik und haben sich in Berlin als Band gefunden. Ihr ESC-Beitrag: der Indie-Pop-Song «Jeanie». «Wir wollen den Appell senden, dass man sich nicht unterschätzt und jeder seine Stärke hat.»
- Laura Nahr (25) aus Magdeburg: Nach einem Studium in London zog die Songwriterin vor einigen Wochen nach Berlin. In «Wonderland» beschreibt sie das Gefühl ihrer Generation, zwischen Aufbruch und Überforderung festzustecken. «Es ist schon etwas beängstigend, darüber nachzudenken, was auf einen jetzt zukommt. Aber ich freue mich sehr.»
- Bela (23) aus München: Der Songwriter macht seit Teenie-Zeiten Musik, arbeitete lang im Hintergrund und singt in «Herz» über den Versuch, in der Welt eines anderen Menschen Platz zu finden, obwohl sie ganz anders ist. «Es ist für mich der erste Auftritt überhaupt und dann direkt vor so vielen Menschen. Das fühlt sich einfach unglaublich an.»
Das Live-Event «Eurovision Song Contest - Das Deutsche Finale 2026» steigt am 28. Februar ab 20.15 Uhr im Ersten. Barbara Schöneberger und Hazel Brugger moderieren. Dabei wählt eine internationale Jury die drei besten Acts aus. Aus denen entscheidet das Publikum, wer für Deutschland nach Wien fährt.
Federführend für die ARD beim deutschen ESC-Finale und der Übertragung des Eurovision Song Contest ist in diesem Jahr erstmals der SWR in Zusammenarbeit mit BR und HR.
Die Kunstfigur Conchita Wurst ist seit Jahren eng mit dem Eurovision Song Contest verbunden. Nun lässt sie los und will neue Wege gehen. Die Jubiläumsausgabe des ESC muss ohne sie auskommen (MANNSCHAFT berichtete).
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