Mögliches Social-Media-Verbot: Sorge um queere Jugendliche

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Symbolbild (Bild: Kampus Production, Pexels)

In Deutschland diskutiert die Politik über ein mögliches Social-Media-Verbot für Minderjährige. Kritik gibt es aus der queeren Community: Das Jugendnetzwerk Lambda warnt vor gravierenden Folgen für junge LGBTIQ-Personen.

Die Debatte um strengere Regeln für soziale Netzwerke nimmt Fahrt auf. Nach Angaben der Deutschen Presse-Agentur (dpa) rechnet Familienministerin Karin Prien in den kommenden Monaten mit neuen EU-Vorgaben zur Durchsetzung von Altersgrenzen. Ziel ist es, Kinder und Jugendliche besser vor Risiken wie Hass, Suchtmechanismen und pornografischen Inhalten zu schützen. Sollte die EU nicht schnell genug handeln, schliesst Prien auch nationale Massnahmen nicht aus.

Doch während die Politik auf Einschränkungen drängt, wächst der Widerstand aus der Zivilgesellschaft. Besonders deutlich äussert sich das Jugendnetzwerk Lambda, eine bundesweite Selbstorganisation queerer junger Menschen. In einer aktuellen Stellungnahme warnt der Verband vor den Folgen eines pauschalen Verbots, insbesondere für queere Jugendliche.

«Wir halten ein pauschales Verbot für den falschen politischen Ansatz. Es ignoriert die Lebensrealität junger Menschen - insbesondere queerer Jugendlicher – und löst keines der zugrunde liegenden Probleme», heisst es in der Mitteilung der Organisation mit Sitz in Berlin.

Digitale Räume als Lebensader Für viele queere Jugendliche seien soziale Medien nicht nur Unterhaltung, sondern ein zentraler Ort für Austausch, Unterstützung und Identitätsfindung. Gerade in der Phase des Coming-outs oder der Selbstverortung würden im direkten Umfeld häufig sichere Räume fehlen. «Der digitale Raum ist für viele queere Jugendliche genau ein solcher Ort», betont Lambda in der Medienmitteilung.

Soziale Netzwerke ermöglichten es, «Fragen zu stellen, Informationen zu erhalten und erste Kontakte zu knüpfen». Gleichzeitig seien sie wichtige Räume der Repräsentation und gesellschaftlichen Teilhabe. Besonders im ländlichen Raum verschärfe sich die Situation: Dort fehlen häufig queere Jugendangebote vor Ort. Wenn analoge Strukturen zusätzlich unter Sparzwang geraten, gewinnen digitale Räume weiter an Bedeutung, so Lambda weiter.

Verbot als Scheinlösung? Die Politik argumentiert, ein Verbot könne Kinder und Jugendliche besser schützen. Prien betont etwa, Plattformen müssten stärker in die Verantwortung genommen werden, um gefährliche Inhalte einzudämmen. Auch andere politische Stimmen fordern Altersgrenzen – teils schon ab 14 Jahren.

Lambda sieht darin jedoch eine Verkürzung des Problems. Ein Verbot würde die Nutzung sozialer Medien nicht beenden, sondern lediglich verlagern, etwa in weniger regulierte Räume wie Messenger-Dienste. «Ein pauschales Social-Media-Verbot für Minderjährige ist keine Lösung, um junge Menschen im digitalen Raum zu schützen», heisst es in der Stellungnahme. Zudem kritisiert der Verband, dass die Verantwortung auf junge Menschen abgeschoben werde, obwohl viele Risiken strukturell bedingt seien, etwa durch Plattformdesign oder algorithmische Systeme.

Risiko für Sichtbarkeit und Schutz Ein weiterer Punkt: Ein Verbot könnte bestehende Schutzmechanismen schwächen. Wenn Plattformen offiziell nur noch für Erwachsene zugänglich wären, könnten spezifische Jugendschutzangebote zurückgefahren werden. Auch die Sichtbarkeit queerer Themen stehe auf dem Spiel. Lambda fordert deshalb, dass «queere Themen und Lebensrealitäten gleichberechtigt sichtbar bleiben». Darüber hinaus warnt die Organisation vor neuen Risiken durch Altersverifikationssysteme. Diese müssten so gestaltet sein, dass sie keine Gefahren für Privatsphäre oder unfreiwillige Outings schaffen.

Mehr: Nur wenige Länder schützen LGBTIQ-Jugendliche vor Mobbing in Schulen (MANNSCHAFT berichtete)

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