Mehr ältere Menschen mit HIV von Diskriminierung betroffen

Mahnung der Aids-Hilfe Schweiz

ARCHIV - 22.11.2012, Hessen, Frankfurt/Main: ILLUSTRATION - Ein mit dem HI-Virus infizierter Mann hält eine rote Schleife als Symbol der Solidarität mit HIV-Positiven und Aids-Kranken
Symbolbild (Bild: Arne Dedert/dpa)

Für Menschen mit HIV bleibt Diskriminierung eine tägliche Realität. Das zeigt sich auch in Altersheimen.

Trotz medizinischen Fortschritts und wachsender Sensibilisierung bleibt die Diskriminierung von Menschen mit HIV in der Schweiz eine Realität. Besonders bei Spitex und Altersheimen zeigen sich weiterhin Vorurteile und Benachteiligungen, heisst es in einer Mitteilung der Aids-Hilfe Schweiz zum Zero Discrimination Day am 1. März.

­Der Diskriminierungsbericht 2024 der Aids-Hilfe Schweiz Bericht beleuchtet die anhaltenden Schwierigkeiten, mit denen Menschen mit HIV konfrontiert sind, und dokumentiert Fälle von Diskriminierung im vergangenen Jahr 2024. Besonders alarmierend sei es, dass ein signifikanter Anteil dieser Vorfälle im Gesundheitssektor auftritt, was die psychische Gesundheit der Betroffenen stark beeinträchtigt. Menschen mit HIV werden in Arztpraxen und Spitälern abgewiesen, erhielten unnötige Sonderbehandlungen oder erlebten, dass ihre Diagnose ohne Einwilligung offengelegt werde

Zusätzlich rücke die Altersfrage stärker in den Fokus. Der Altersmedian von Menschen mit HIV in der Schweiz liege inzwischen bei 54 Jahren, mehr als die Hälfte sind zwischen 45 und 64 Jahre alt, heisst es in der Mitteilung. Die Zahl älterer Menschen mit HIV werde weiter steigen. «Besonders in der geriatrischen Versorgung – also der medizinischen Betreuung älterer Menschen – fehlt es jedoch immer wieder an Wissen über HIV, was zu Fehlbehandlungen und unnötiger Stigmatisierung führt. Fachpersonen müssen besser geschult werden, um eine diskriminierungsfreie Versorgung sicherzustellen.»

«Der Umgang mit älteren Menschen, die mit HIV leben, bereitet uns grosse Sorgen.»

Andreas Lehner, Aids-Hilfe Schweiz

Andreas Lehner, Geschäftsleiter der Aids-Hilfe Schweiz, äussert sich besorgt: «Die aktuellen Zahlen sollten als dringender Weckruf dienen. Es ist ein unhaltbarer Zustand, dass Menschen mit HIV sowohl im Gesundheitswesen als auch in anderen Lebensbereichen Diskriminierung erfahren. Insbesondere der Umgang mit älteren Menschen, die mit HIV leben, bereitet uns grosse Sorgen. Sie haben oft jahrzehntelange Diskriminierung erlebt, auch die traumatischen Zeiten von Aids.» Eine gezielte Schulung von Fachpersonen, um Diskriminierung zu erkennen und zu verhindern, sei unabdingbar.

Auch die Aids-Hilfe Wien ruft zum Zero Discrimination Day dazu auf, die Stigmatisierung und Diskriminierung von Menschen, die mit HIV leben zu beenden. Das betreffe insbesondere das Gesundheitswesen, wo im Jahr 2024 erneut 70% der gemeldeten Vorfälle stattgefunden hätten. Betroffene berichteten immer wieder von ablehnendem Verhalten des medizinischen Personals und erlebten mitunter sogar, dass eine Behandlung verweigert wird.

Auch im privaten Umfeld seien HIV-positive Menschen oftmals Diskriminierung ausgesetzt, etwa durch Drohungen, den HIV-Status gegen ihren Willen preiszugeben.

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