40 Jahre Sub: Münchens queeres Zentrum zieht Bilanz

Demo gegen Gauweilers Massnahmenkatalog am 4. April 1987 mit dem SchwuKK e.V.
Demo gegen Gauweilers Massnahmenkatalog am 4. April 1987 mit dem SchwuKK e.V. (Bild: privat)

Vom «schwulen Wohnzimmer» zum politischen Sprachrohr: Das Schwul-Queere Zentrum Sub in München feiert 2026 sein 40-jähriges Bestehen und nutzt das Jubiläum für einen selbstbewussten, aber auch nachdenklichen Blick zurück und nach vorn.

In einer Pressemitteilung zum Auftakt des Jubiläumsjahres erinnert der Verein an seine Gründung am 4. September 1986. Damals unterzeichneten zwölf von 21 anwesenden Männern die Satzung des «Schwulen Kommunikations- und Kulturzentrums München». Einer von ihnen war der damalige Rechtsreferendar Frank Ludwig. Rückblickend sagt er über den Gründungstag: «Ich muss an dem Tag sehr glücklich gewesen sein.»

Entstanden in der Aids-Krise Münchens Koordinierungsstelle zur Gleichstellung von LGBTIQ würdigte das Jubiläum als «eine bewegende und bewegte Geschichte». Andreas Unterforsthuber erinnerte daran: «Begonnen hat das Sub mitten in der Zeit der so genannten Aids-Krise, einer Zeit von Tod und Sterben bei schwulen Männern, von massiver Diskriminierung und Ausgrenzung.»

Heute gelte es erneut, «sich den verschlechternden gesellschaftlichen Rahmenbedingungen für queere Menschen zu stellen». Die Stadt stehe dabei weiterhin an der Seite der Community: «40 Jahre ist das Sub mit dabei, wenn es um die Gestaltung einer freiheitlichen, friedlichen und solidarischen Stadtgesellschaft geht. Dafür herzlichen Dank!»

Was als Schutzraum ohne Konsumzwang begann, entwickelte sich rasch zu einem festen Bestandteil der Münchner Community. 1988 eröffnete der «Sub, Infoladen für schwule Männer» mit Beratung, Bibliothek, Gruppenangeboten und Café. 1991 wurde der Verein in die Regelförderung der Stadt aufgenommen, 1995 als gemeinnützig anerkannt.

Das Sub unterwegs am IDAHOBIT 2025.
Das Sub unterwegs am IDAHOBIT 2025. (Bild: Mark Kamin)

Öffnung zur gesamten LGBTIQ-Community In den folgenden Jahrzehnten professionalisierte sich die Arbeit: Anti-Gewalt-Projekt, HIV-Prävention, Beratungsstelle, Angebote für queere Geflüchtete und später eine Queer-Akademie. 2019 entstand aus dem Anti-Gewalt-Projekt die bayernweite LGBTIQ-Fachstelle gegen Diskriminierung und Gewalt «Strong!». Immer wieder finden Ausstellungen statt.

Sub-Geschäftsführer Kai Kundrath betont die heutige Rolle des Zentrums: «Für die Community ist das Sub heute eines der wichtigsten Sprachrohre in München neben diversity München, LesCommunity und Münchner Aids-Hilfe, das queere Belange gegenüber Politik und Stadtgesellschaft vertritt. Diese Stimme brauchen wir auch.»

Mit inzwischen 461 Mitgliedern und 16 Hauptamtlichen versteht sich das Sub weiterhin als Safer Space, getragen von 180 Ehrenamtlichen. Vorstand Jörn Vogt unterstreicht die Bedeutung dieses Engagements: «Das Café im Sub hat 365 Tage im Jahr geöffnet und das ausschliesslich, weil sich so viele Menschen ehrenamtlich einbringen. Dieses Modell ist in Deutschland einzigartig. Es ist Ausdruck einer starken, lebendigen Community.» Gerade in rauer werdenden Zeiten seien solche Schutzräume wichtiger denn je.

Mehr Gewalt, raueres Klima Dass diese Schutzräume gebraucht werden, zeigen aktuelle Zahlen der Fachstelle «Strong!»: 2025 wurden 413 Vorfälle von Diskriminierung und Gewalt erfasst – ein deutlicher Anstieg gegenüber den Vorjahren. Die Bandbreite reicht von Alltagsdiskriminierung über Bedrohungen bis hin zu schwerer Körperverletzung.

«Strong!»-Beraterin Leonie L. beschreibt die Entwicklung so: «Das gesellschaftliche Klima gegenüber queeren Menschen ist aller Fortschritte der vergangenen Jahrzehnte zum Trotz aggressiver geworden. LGBTIQ-Themen lösen viel Empörung aus, dies schlägt oft in verbale Angriffe und mitunter in körperliche Gewalt um. Gerade im digitalen Raum scheint es wenig Hemmungen zu geben. Das trifft insbesondere trans, inter und nicht-binäre Menschen.»

Sub/München
Sub-Vorstände (v.l.) Markus Fischer, Jörn Vogt und Marcel Wiesner in der Müllerstraße 14. (Bild: Mark Kamin)

Sie kritisiert zudem politische Signale aus Berlin: «Das Signal, das die Bundesregierung aussendet, indem sie den nationalen Aktionsplan aussetzt, ist fatal. Wir benötigen im Gegenteil einen Ausbau der Aktionspläne in Land und Bund, einen umfassenden Diskriminierungsschutz, eine konsequente Strafverfolgung von Hasskriminalität und dafür auch die entsprechenden Mittel.»

«Wir müssen weiterkämpfen» Zum Jubiläum mischt sich bei Mitgründer Frank Ludwig Stolz mit Ernüchterung. «Ich habe weiterhin Hochachtung vor Leuten, die Hand in Hand durchs Glockenbachviertel laufen. Sie werden noch immer allzu oft dafür angegangen. Es ist deprimierend zu sehen, dass wir kaum weitergekommen sind in den vergangenen 40 Jahren. Wir müssen weiterkämpfen.»

Mehr: Prozessbeginn nach homofeindlichem Übergriff in Augsburg (MANNSCHAFT berichtete)

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