Gentests für trans und inter Athletinnen «würde Frauensport um 30 Jahre zurückwerfen»

Kritik am Internationalen Olympischen Komitee

Julia Ehrt (Foto: zvg)
Julia Ehrt ist Geschäftsführerin von ILGA World (Bild: zVg)

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) sollte seine Pläne, verpflichtende Gentests für das Geschlecht und ein Verbot für trans und inter Athletinnen einzuführen, aufgeben. Dies fordern ILGA World und über 70 weitere Partnerorganisationen in einer gemeinsamen Erklärung am Dienstag.

Mehrere Quellen berichten einer Presseerklärung zufolge, dass die intransparente «Arbeitsgruppe zum Schutz der weiblichen Kategorie» dem IOC empfohlen habe, universelle Gentests für das Geschlecht aller Athletinnen und Mädchen einzuführen und trans und inter Athletinnen vollständig auszuschliessen. Dies käme einem massiven Rückschlag für die Gleichstellung der Geschlechter gleich und würde den Frauensport um 30 Jahre zurückwerfen, heisst es.

«Eine Politik der verpflichtenden Geschlechtstests und eines pauschalen Verbots wäre eine katastrophale Aushöhlung der Rechte und der Sicherheit von Frauen“, sagte Andrea Florence, Geschäftsführerin der internationalen Organisation «Sport & Rights Alliance». Florence weiter: «Geschlechterpolizei und Ausgrenzung schaden allen Frauen und Mädchen und untergraben die Würde und Fairness, für die sich das IOC angeblich einsetzt. Unsere Bedenken werden dadurch verstärkt, dass das IOC gleichzeitig die Infrastruktur für sicheren Sport, die Frauen und Mädchen tatsächlich Schutz bietet, offenbar zurückfährt.»

Nach den Olympischen Spielen 1996 beschloss das IOC, die allgemeinen Geschlechtstests abzuschaffen, da diese wissenschaftlich und ethisch nicht zu rechtfertigen seien. Sie seien ein ungenaues Verfahren zur Bestimmung des Geschlechts und des sportlichen Vorteils und führten zu erheblichem Schaden für die betroffenen Athletinnen. Der Hohe Kommissar der Vereinten Nationen für Menschenrechte, UN Women, der Weltärztebund, die Amerikanische Ärztekammer und zuletzt eine Gruppe unabhängiger UN-Experten verurteilen Geschlechtstests und medizinisch unnötige Eingriffe seit Langem als diskriminierend, unethisch und schädlich.

Ein Verbot für trans und inter Athletinnen im Namen der «Fairness» ignoriere die Realität, dass diese Athletinnen zu den am stärksten stigmatisierten Gruppen im Sport gehören und überproportional mit Zugangsbarrieren, weit verbreiteter Belästigung und Misshandlung sowie anderen Benachteiligungen konfrontiert sind. Es gebe keinerlei Beweise dafür, dass die Kontrolle über den Körper von Frauen und Kindern die Fairness oder die Gleichstellung der Geschlechter verbessert; stattdessen lenke sie den Fokus von realen Problemen wie ungleicher Finanzierung, ungleichem Zugang zu Trainingsmöglichkeiten, Gehaltsunterschieden und geschlechtsspezifischer Gewalt im Sport ab.

«Wir fordern das IOC dringend auf, keine Politik zuzulassen, die alle Frauen aktiv gefährdet.»

Julia Ehrt, Geschäftsführerin von ILGA World

«Sport sollte ein Ort der Zugehörigkeit sein», sagte Julia Ehrt, Geschäftsführerin von ILGA World. «Wir fordern das IOC dringend auf, der Sicherheit Vorrang vor der Politik zu geben und keine Politik zuzulassen, die alle Frauen aktiv gefährdet. Die invasive Kontrolle über den Körper von Frauen sollte uns alle beunruhigen, da sie schädliche Stereotype verstärkt und alle Frauen und LGBTI-Athletinnen weiterer Belästigung und Überwachung aussetzt.»

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