Schlechte Nachrichten für trans Rechte: Kirsty Coventry führt IOC

Sie ist die erste Frau an der Spitze

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Kirsty Coventry (Bild: Thanassis Stavrakis_dpa)

Das IOC trifft eine historische Wahl: Kirsty Coventry übernimmt als erste Frau das Präsidentenamt. Sie galt als Wunschkandidatin des scheidenden Thomas Bach.

Als Lohn für ihren erstaunlich klaren Wahlsieg bekam die neue IOC-Präsidentin Kirsty Coventry eine Einladung zum Frühstück von Thomas Bach. Die 41-Jährige aus Simbabwe rückt als erste Frau an die Spitze des Internationalen Olympischen Komitees und löst dort Bach ab, als dessen Wunschkandidatin sie galt. «Es ist ein wirklich unwirkliches Gefühl wie nach meinem ersten Olympia-Gold», sagte die ehemalige Top-Schwimmerin.

Schon in der ersten Wahlrunde setzte sich Coventry bei der 144. IOC-Generalversammlung in einem griechischen Ferienresort gegen ihre sechs männlichen Mitbewerber durch. «Das ist ein wirklich kraftvolles Signal und zeigt der Welt, dass wir uns zu einer wirklich diversen Organisation entwickelt haben», sagte die zweifache Mutter.

Mit 49 Stimmen erhielt sie genau ein Votum mehr, als sie für die erforderliche absolute Mehrheit benötigte. «Das ist ein starkes Zeichen der Einheit der olympischen Bewegung», betonte Bach.

Für trans Personen ist die Wahl eine schlechte Nachricht. Wie der Telegraph schon im Januar berichtete, fordert Coventry strenge Regeln für die Teilnahme von trans Athlet*innen an den Spielen. «Die Gewährleistung von Fairness im Frauensport und die Wahrung der Integrität der Frauenkategorien sind unerlässlich», sagte Coventry. «Es ist entscheidend, dass alle Beteiligten in dieser Frage zusammenarbeiten.» Sie wolle den Frauensport schützen

Per Küsschen hatte der 71-Jährige noch im Auditorium Coventry beglückwünscht. Die Sportministerin von Simbabwe ist damit auch das erste IOC-Mitglied aus Afrika, das die olympische Dachorganisation in ihrer 131-jährigen Geschichte anführen wird. Bach konnte nach zwölf Jahren und zwei Amtszeiten nach den Regeln der olympischen Charta nicht mehr wiedergewählt werden.

Coventry schlug teils deutlich erfahrenere Gegenkandidaten. Als Mitfavoriten galten der britische Leichtathletik-Weltverbandschef Sebastian Coe (68) und der Spanier Juan Antonio Samaranch jr. (65), Sohn eines früheren IOC-Präsidenten. Samaranch jr. landete mit 28 Stimmen auf Rang zwei, für den drittplatzierten Coe votierten nur 8 IOC-Mitglieder.

«Dies ist ein aussergewöhnlicher Moment. Als neunjähriges Mädchen hätte ich nie gedacht, dass ich eines Tages hier stehen würde», sagte Coventry und bedankte sich immer wieder bei den IOC-Mitgliedern: «Das ist nicht nur eine grosse Ehre, sondern auch eine Erinnerung an meine Verpflichtung gegenüber jedem Einzelnen von Ihnen. Ich werde euch alle stolz machen. Jetzt haben wir einiges an Arbeit vor uns. Dieser Wahlkampf hat uns stärker gemacht.»

«Frauen sind bereit zu führen. Ich sehe dies als Chance, Schranken niederzureissen.»

Kirsty Coventry

Bach bestritt, im Sinne von Coventry Einfluss auf die Wahl und die IOC-Mitglieder genommen zu haben. «Das war eine sehr faire Wahl, für alle galten die gleichen Bedingungen», sagte er. Es wird damit gerechnet, dass Coventry die sportpolitischen Linien des Unterfranken weitgehend fortsetzen wird. Wie allen anderen Kandidaten hatte Bach auch ihr am Vorabend der Wahl per E-Mail im Falle eines Sieges ein gemeinsames Frühstück am Freitagmorgen angeboten, um die Amtsübergabe in den kommenden Monaten zu besprechen.

Coventry verspricht mehr Offenheit und will die IOC-Mitglieder stärker einbinden als dies in den vergangenen Jahren unter Bach der Fall war. «Frauen sind bereit zu führen. Ich sehe dies als Chance, Schranken niederzureissen», hatte Coventry zu ihrer Bewerbung gesagt.

Als Schwimmerin gewann sie bei Olympia zwei Goldmedaillen, nahm zwischen Sydney 2000 und Rio 2016 an fünf Sommerspielen teil. 2013 rückte sie zunächst als Athletenvertreterin ins IOC, 2018 auch ins Exekutivkomitee, wo unter Bach die massgeblichen Entscheidungen getroffen wurden.

In ihrem Ministeramt in Simbabwe war Coventry nicht unumstritten. Von Vorwürfen, sie habe eine vom einstigen Diktator Robert Mugabe beschlagnahmte Farm als Geschenk angenommen, sprach sie ein Gericht frei.

Den IOC-Chefsessel übernimmt Coventry erst am 24. Juni. Bis dahin führt Bach weiter die Geschäfte. Ihm habe die kurze Eingewöhnungszeit bei seinem Amtsantritt 2013 nicht gefallen, ließ Bach wissen. Die lange Übergangszeit sei «nichts, was wir erfunden haben». So etwas gebe es auch in Regierungen und grossen Unternehmen.

Vom Deutschen Olympischen Sportbund kamen sogleich erste Glückwünsche. «Sie weiss, was es für eine erfolgreiche Zukunft des Olympischen Sports braucht. Als aktives Mitglied der Olympischen Bewegung wird sich der DOSB weiterhin tatkräftig für die Verbreitung der Olympischen Werte in Deutschland und die weltweite Sportentwicklung einsetzen. Wir freuen uns daher auf die Zusammenarbeit», sagte DOSB-Präsident Thomas Weikert.

Auf Coventry warten grössere Herausforderungen als auf ihn selbst zu Beginn seiner Amtszeit, hatte Bach zuletzt orakelt. Die höchst angespannte weltpolitische Lage und das gewachsene Misstrauen gegenüber grossen Institutionen dürften auch am IOC nicht spurlos vorübergehen.

Der Umgang mit Wladimir Putins Russland bleibt ein heikles Dauerthema. Donald Trumps Rückkehr ins Weisse Haus beschert dem IOC einen unberechenbaren Olympia-Gastgeber für die Sommerspiele in Los Angeles.

Die Olympia-Macher*innen von 2028 haben Sorgen wegen möglicher Einreisebeschränkungen für Athleten durch US-Präsident Donald Trump allerdings zurückgewiesen. «Ich kann versichern, dass alle von LA und den Vereinigten Staaten herzlich empfangen werden», sagte Gene Sykes, Chef des Olympischen Komitees der USA, bei der IOC-Generalversammlung in einem griechischen Ferienresort.

Auch Organisationschef Casey Wasserman beteuerte vor dem Internationalen Olympischen Komitee: «Ich erwarte für kein teilnehmendes Land Probleme.» Zuletzt gab es wachsende Bedenken, dass Sportlerinnen und Sportlern aus bestimmten Ländern unter den verschärften Einreisebedingungen der Trump-Regierung die Teilnahme an den Sommerspielen in Los Angeles verwehrt werden könnte.

Die Auswirkungen des Klimawandels auf die Sportwelt, die Chancen und Risiken Künstlicher Intelligenz und die Suche nach neuen Geldquellen dürften den Ringe-Zirkel ebenfalls schwer beschäftigen.

Text: Christian Hollmann und Stefan Tabeling, dpa

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