«Heated Rivalry» kann positiven Effekt haben auf Spieler und Fans von morgen

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Timo Gleß (Bild: zVg)

Timo Gleß (29) war einst Eishockeyprofi u.a. bei den Crocodiles Hamburg, damals noch nicht offen schwul. Heute ist er Sportkoordinator und Integrity Officer beim Österreichischen Eishockeyverband (ÖEHV). Natürlich kennt er «Heated Rivalry» und findet die Serie super.

Er brauchte keine zwei Tage, um die Serie einmal durchzuschauen und ist begeistert. Einen grossen Ansturm neuer Mitglieder auf österreichische Vereine erwartet er nicht.

International ist «Heated Rivalry» längst ein Riesen-Erfolg, mittlerweile läuft die schwule Serie auch hierzulande. «Absolut super die Show! Toll, dass sowas überhaupt einmal im Eishockey-Kontext gemacht wird», findet Timo Gleß. Eishockey ist für ihn eine Sportart, wo auch am wenigsten Backlash zu erwarten wäre. «Wenn du sowas im Fussball machen würdest, gäbe es in den sozialen Medien viel mehr negative Kommentare.»

Als Sports Coordinator und Integrity Officer ist Gleß u.a. zuständig für das Teammanagement, ist organisatorisch verantwortlich für die Trainerausbildungen und Fortbildungen im Verband. Als Integrity Officer kümmert er sich um alle Fragen rund um Fairness, Sicherheit und ethisches Verhalten im Eishockey. Dazu gehören Verstösse wie Doping, Manipulation, Gewalt oder Missbrauch, aber auch beispielsweise Homophobie.

Er findet es schön, wenn das Thema Homosexualität im Sport ein wenig in den Vordergrund rückt. «Das ist natürlich immer mit ein bisschen Beigeschmack: Warum braucht es so eine Serie, ist das nicht längst Normalität?»

«Beim Fussball brauche ich nur einen Ball, und es kann losgehen. Eishockey ist ein etwas elitärerer Sport, auch ein teurer Sport.»

Timo Gleß, Ex-Profi

Ein vermehrtes Interesse an Eishockey ausgelöst durch den Serienhype kann er noch nicht feststellen. «Wir kriegen das im Verband nicht so mit, denn Interessenten oder Eltern, die ihre Kinder anmelden wollen, kommen nicht zu uns, sondern gehen zu den Vereinen.»

Es gibt auch einen grossen Unterschied etwa zum Fussball, sagt Gleß: «Das ist ein bisschen einfacher und niedrigschweller: Ich brauche nur einen Ball, und es kann losgehen. Eishockey ist ein etwas elitärerer Sport, auch ein teurer Sport. Da gibt es eine finanzielle Hürde, wenn man damit anfangen will.» Für den Sport braucht es neben Schlittschuhen und Schläger u.a. einen Helm mit Gitter oder Visier, Schulterschutz, Tiefschutz und vieles mehr.

Der gebürtige Kölner ist selber aktiver Profi gewesen, war Verteidiger unter anderem in Hamburg bei den Crocodiles. Geoutet war es in seiner aktiven Zeit nicht.

«Ich finde das Wort outen sowieso immer schrecklich. Es muss sich keiner mehr outen, meiner Meinung nach. Ich habe damals einfach nicht dieses Gefühl gehabt, dass ich das jetzt machen muss, hatte damals noch keine Beziehung. Es war für mich nicht so ein Thema, dass ich mir sagte, ich müsste mich jetzt outen, und habe es wahrscheinlich auch ein bisschen unterdrückt.»

Heute würde er das vielleicht anders händeln: «In den letzten acht bis zehn Jahren hat sich einiges getan. Wenn ich heute in der Position wäre, würde ich drüber nachdenken. Der Profibereich ist ein bisschen offener, die neue Generation ist ganz anders aufgewachsen mit den Thema.»

Er sieht es bei seinem Verlobten: Jelle Lievens spielt aktiv als Torwart im Nationalteam von Belgien. Dort sei er von vornherein recht offen damit umgegangen, er habe weder im Team noch im Verein negative Sprüche gehört. «Er wird komplett supportet, das ist da ganz normal.»

Homofeindliche Sprüche oder Fangesänge hört man im Fussball immer noch recht häufig (MANNSCHAFT berichtete). Im Eishockey passiere das seltener, sagt Gleß. «Ich bin seit vier Jahren Schiedsrichter und damit wieder aktiv auf dem Eis. Natürlich hört man da hin und wieder noch gewisse Sprüche über den ,schwulen Pass’ oder wenn es mal hoch hergeht, ,Schwuchtel’ als Schimpfwort.»

Allerdings sei die Sensibilisierung bei vielen ein bisschen fortgeschrittener. «Die Spieler merken schon selber: Okay, das muss jetzt nicht sein, und sagen sich das.»

Dazu kommt: Beim Eishockey sind die Fangruppen nicht so gross wie beim Fussball. «Das ist alles ein bisschen familiärer, man kennt sich, auch die Fanclubs untereinander. Das ist dann ein bisschen einfacher, etwas anzusprechen.»

Er kann sich durchaus vorstellen, dass eine Serie wie «Heated Rivalry» einen positiven Effekt haben kann auf die Spieler oder die Fans von morgen. «Die jungen Leute schauen sich das vielleicht an, sprechen in der Schule drüber, und es rückt noch mal etwas mehr in die Normalität.»

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