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«Würde nie Menschen wegen sexueller Ausrichtung verurteilen»

Man habe überhaupt kein Problem mit Lesben und Schwulen, sagt der Läderach-Chef

Läderach betreibt über 60 Shops weltweit.

Chocolatier Läderach, gegründet im Jahr 1962, steht in der Kritik wegen Verbindungen zu einem erzkonservativen Verein. Jetzt nimmt Chef Johannes Läderach erstmals Stellung zu den Vorwürfen etwa der Homophobie. Man habe überhaupt kein Problem mit Schwulen und Lesben.

Vor knapp einem Jahr hatte die Swiss die Zusammenarbeit mit Läderach aufgekündigt. Die Fluggesellschaft hatte Bedenken wegen der negativen Berichterstattung ob des rechtskonservativen Engagements der Familie. Auch MANNSCHAFT hatte das thematisiert. Die Swiss hatte immer wieder kleine Praliné-Schachteln «als Zeichen der Aufmerksamkeit» an einzelne Passagier*innen abgegeben. Das Produkt sollte noch bis April dieses Jahres im Bordsortiment bleiben, hatte der Beobachter berichtet.

Das Komitee «Ehe für alle» ruft zur Demo in Bern

Nun nahm Johannes Läderach in einem Interview mit der Ostschweiz (bezahlpflichtiger Artikel) erstmals Stellung. Unter anderem wurde er angesprochen auf den Verein Christianity for Today (Cft) in Kaltbrunn SG, zu dessen Vorstand er und Vater Jürg gehören. Im Internet sind ältere Cft- Schriften zu finden. Im Jahr 2009 etwa habe eine externe Referentin Homosexualität als «eine Identitätsstörung» bezeichnet.

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Von solchen Aussagen distanziere er sich explizit, so Läderach. «Ich würde niemals einen Menschen wegen seiner sexuellen Ausrichtung verurteilen.» Er könne schon verstehen, warum er missverstanden wurde. Weil er gegen «ungerechtfertigte Vorwürfe der Diskriminierung und Homophobie» nicht aktiv in die Gegenkommunikation gegangen sei, sondern gedacht habe, das erledige sich schon von selber mit der Zeit. «Ich habe aber aus dieser Fehleinschätzung gelernt.»

In seinem Unternehmen gebe es viele LGBTIQ-Mitarbeiter*innen, die sich bei Läderach sehr wohl fühlten. «Sie haben uns auch Mut gemacht, als wir in der Kritik standen, und gesagt, dass sie die Aufregung nicht verstehen.» Von einer homosexuellen Mitarbeiterin wurde ein Statement auf der Homepage veröffentlicht. Dort wird Emanuela lo Piccolo mit den Worten zitiert, sie fühle sich bei Läderach nicht als Nummer, sondern als Frau und Mensch wertgeschätzt. «Das hat mich sehr gefreut», so Johannes Läderach.

Ein weiterer Kritikpunkt: Läderach hatte SVP-Mann Daniel Regli seinerzeit Schützenhilfe gegeben, als der einen Zusammenhang zwischen Suiziden bei Homosexuellen und der Funktionalität ihres Schliessmuskels hergestellt hat (MANNSCHAFT berichtete).

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Hier sei Läderach «missverstanden worden». Es sei ihm nicht darum gegangen, die Aussage inhaltlich zu verteidigen.. Er wollte nur sagen, dass er es schade fand, dass man Regli nicht mit Argumenten widersprochen habe. «Heute bin ich mir aber bewusst, und habe das an anderer Stelle auch schon gesagt, dass das ein schlecht gewähltes Beispiel war, um die Debattenkultur zu thematisieren, weil es die Gefühle von Homosexuellen verletzt hat.» Das lag ihm damals fern und heute ebenso.

Was die Fluggesellschaft Swiss angeht: Es hab ein gutes erstes klärendes Gespräch mit dem CEO gegeben, in dem viele Missverständnisse ausgeräumt worden. Ende des Jahres soll ein Treffen mit LGBTIQ-Vertretern der Swiss folgen.

Die Familie Läderach ist in christlichen Kreisen aktiv, unter anderem in der Organisation des «Marsch fürs Läbe», ein jährlich stattfindender Demonstrationsmarsch für die Einführung eines generellen Abtreibungsverbots sowie eines Verbots der aktiven Sterbehilfe.

Auf Anfrage der MANNSCHAFT beteuerte die Pressesprecherin von Läderach im vergangenen Jahr, dass das Unternehmen auf keine finanzielle Weise mit dem Verein «Marsch fürs Läbe» verbunden sei. «Das Engagement der Familie Läderach ist privater Natur und geschieht unabhängig von ihren Funktionen im Unternehmen.» Offen schwule und lesbische Angestellte seien bei der Firma willkommen und eine Nicht-Diskriminierung am Arbeitsplatz sei «integraler Teil der christlichen Ethik».

Das Engagement der Familie Läderach führte im August 2019 vermehrt zu Boykott-Aufrufen. «Viele wissen nicht, was dahintersteckt», sagte Michael De Silva gegenüber MANNSCHAFT, der vor einer Filiale in Zürich demonstrierte. Läderach ist u. a. auch in Berlin und Leipzig zu finden.

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