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«Ekelhaft» – Trans CDU-Kommunalpolitikerin wird beleidigt

Die Junge Union erwägt rechtliche Schritte wegen Hate Speech

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Die 19-jährige Laura Kasprowski kandidiert für die CDU (Bild: Instagram)

Laura Patricia Kasprowski hatte sich erst im März als trans geoutet. Nun bewirbt sie sich sie für ein Mandat im Parlament der NRW-Grossstadt Mülheim. In den sozialen Medien wird sie dafür transphob attackiert.

Die 19-jährige Christdemokratin kandidiert bei der Kommunalwahl Mitte September für die Bezirksvertretung Rechtsruhr Süd. Auf dem Twitteraccount der Jungen Union Mühlheim wurden in den letzten Wochen einige Kandidat*innen mit einem Video vorgestellt. Auffällig beim Spot von Laura: die negativen Kommentare.

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«Das ist ein Mann und wird es immer bleiben» schreibt ein User. «Ich hoffe, das ist Satire» ein anderer. Zudem wird Laura als «gruselig» und «ekelhaft» bezeichnet. Kommentare mit Kotz- und Lach-Emojis sollen sie ins lächerliche ziehen. Auch der Bibelspruch aus dem Fünften Buch Mose wird zitiert: «Eine Frau soll keine Männersachen tragen, und ein Mann soll keine Frauenkleider anziehen, denn der HERR, dein Gott, verabscheut jeden, der dies tut.»

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Die Junge Union reagierte prompt. «Wir erwägen im Moment rechtliche Schritte gegen die Kommentare, die am schwerwiegendsten gegen Persönlichkeitsrechte verstoßen», verkündet sie auf ihrem Twitteraccount. Die Junge Union sei auch auf politische Ebene hart attackiert worden und als «links-grün wahnsinnig» und «unnormal peinlich» bezeichnet worden.

In einem Tweet stellte die Junge Union klar, dass sie ihre Kandidatin unterstützen. Auf die Frage eine*r Twitteruser*in, ob das «noch CDU» ist, antwortete der JU-Ortsverband mit den Worten: «Ja, genau das ist CDU. Wir sind froh, engagierte Menschen wie Laura Patricia Kasprowski zu haben, die statt andere Menschen zu beleidigen und runterzumachen, für ihre Mitmenschen und ihre Stadt [ein] politisches Ehrenamt verfolgen.»

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Unter den Videos der anderen Kandidat*innen gab es keinen einzigen Hass-Kommentar, nur bei Laura Kasprowski. «Vermutlich, weil ich für eine offene Gesellschaft eintrete und auch meine eigene Transsexualität nicht verschweige», vermutet Kasprowski gegenüber der Bild-Zeitung.

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Kasprowski ist ebenfalls Mitglied der LSU, des Bundesverbandes Lesben und Schwule in der Union. Nach dem Willen von CDU-Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer soll die LSU als Organisation der Partei aufgenommen werden (MANNSCHAFT berichtete).

Die Junge Union Rheinland-Pfalz ist erst im Mai durch einen queerfeidlichen Tweet aufgefallen. Sie machte Intersexuellen-Toiletten mit einer Fotomontage für «eklige» Schulklos verantwortlich (MANNSCHAFT berichtete). Es solle lieber Geld in Schulklos investiert werden, statt in Toiletten für Intersexuelle, lautete die Forderung.

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Die trans Abgeordnete Tessa Ganserer (Grüne) hat auch schon viel Hass im Netz erlebt. Anzeigen habe sie nicht mitgezählt, weil ein grosser Teil in Form von einer Sammelanzeige Anfang letzten Jahres geschah, erklärt sie gegenüber MANNSCHAFT. «Es ist nicht einfach, alles zu zählen, weil man ja nicht alles mitbekommt und weil ich mich auch nicht täglich damit beschäftigen möchte.»

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